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Stark duftende Schafwolle soll das Wild vertreiben

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Friederike Schulz (rechts) erklärt, wie es geht: Sogleich werden den Bäumchen Wollmützen aufgesetzt. © Red

Neu-Anspach (fms). Wer am Samstagmorgen aus dem Fenster schaute, der sah weiße Dächer, weiße Bäume, Straßen und Plätze. Da konnten Pläne geschmiedet werden: Schlitten fahren, gespurte Loipen suchen, eine Winterwanderung? Verplant war zumindest schon der halbe Tag für die BUND-Mitglieder, die sich zum ersten Arbeitseinsatz 2022 gemeldet hatten.

Nicht zu viel: »Coronabedingt habe ich keine große Werbung gemacht«, sagte Friederike Schulze, Vorsitzende des BUND Ortsvereins Usingen-Neu-Anspach. Zehn Freiwillige waren um 11 Uhr am Grünwiesenweiher angetreten, die meisten mehrfach erprobte Kräfte, wenn es im Wald etwas zu richten gibt. Zunächst wurde Schafwolle verteilt. Veilchen riechen besser, könnte man behaupten, aber gerade das ist das Mittel zum Zweck: Auch das Reh- und Rotwild mag den Duft nicht besonders und macht deshalb lieber einen Bogen um die mit der Wolle präparierten Bäumchen.

Bilderbuchwinter bei der Suche

Es galt heuer, Verbissschutz anzubringen und das klingt nach Arbeit. War es auch, aber es gibt schlechtere Bedingungen als an diesem bilderbuchhaften Wintertag. »Bisher war es bei unseren Einsätzen meist nass«, sagte Schulze und führte die Leute zum aktuellen Einsatzort.

Malerisch wie auf einem Kalenderblatt lag der Grünwiesenweiher im winterlichen Wald. An diesem vorbei ging es über schmale Pfade zur Kreisstraße in Höhe Rüdiger-Best-Weg, der auf der anderen Straßenseite beginnt. Knapp zehn Minuten durch den Tiefschnee und die Fläche war erreicht, bestens bekannt von früheren Einsätzen: Pflöcke hatte man einst neben den jungen Bäumchen eingeschlagen. So ließen sich die noch nicht einmal kniehohen Douglasien leicht finden, denn oft ragte nur die Spitzen aus dem Schnee.

Genau die sollten geschützt werden, und zwar nicht mit Plastikmanschetten, wie mancherorts üblich, sondern mit dem Naturprodukt Schafwolle: Etwas vom Büschel abzupfen und um den obersten Trieb des Bäumchens legen, Schulze erklärte es noch einmal für alle. Die Wolle verfängt sich in den Nadeln und trotzt so auch Wind und Wetter. Keine anspruchsvolle Tätigkeit, aber eine wichtige, soll der so arg gebeutelte Wald wieder einmal so dicht sein wie vor den Kalamitäten der letzten Jahre. Und, wie gesagt, das traumhafte Winterwetter an diesem Vormittag machte den Arbeitseinsatz zu einem Erlebnis: Jungfräulicher Schnee wurde durchstapft, nur Hasen waren früher und hatten ihre Fährten hinterlassen. Bäume am Rand der Fläche keuchten unter er der Last der weißen Pracht. Hier und da rieselte Schnee herunter, braune Blätter flatterten mit, die Buchen und Eichen bisher so krampfhaft festgehalten hatten, irgendwo krächzten Vögel, der Schnee dämpfte jeden Ton.

Jeder Helfer hatte sich eine Reihe vorgenommen und als der Beutel mit der Portion Wolle leer war - Erwin Höser hatte sie spendiert - ging es auch schon wieder zum Weiher zurück.

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