1. Startseite
  2. Lokales

Tagesmütter in Bad Homburg kämpfen weiter für bessere Arbeitsbedingungen und mehr Lohn

Erstellt:

Von: Anke Hillebrecht

Vorm Kirdorfer Bürgerhaus zeigten einige Tagesmütter mit Mitstreitern, dass sie mit der Satzungsänderung nicht einverstanden sind.
Vorm Kirdorfer Bürgerhaus zeigten einige Tagesmütter mit Mitstreitern, dass sie mit der Satzungsänderung nicht einverstanden sind. © ANKE HILLEBRECHT

Vorm Bürgerhaus zeigten Tagesmütter, dass sie mit der Satzungsänderungim Parlament der Stadt Bad Homburg nicht einverstanden sind.

Bad Homburg - Bio-Eier - das war früher. Butter - wird durch Frischkäse ersetzt. „Das ist billiger“, sagt eine der Tagesmütter, die am Donnerstagabend (24. November) mit Mütze und Demonstrationsschild vorm Kirdorfer Bürgerhaus steht. Ihr Wohnzimmer aber muss sie heizen, wenn sie täglich ihre fünf Schützlinge aufnimmt - auch wenn das Heizen wegen der Energiekrise viel teurer geworden ist.

Diese Kostensteigerungen werden in der neuen Satzung, die die „Durchführung der Kindertagespflege“ regelt, nicht berücksichtigt; deshalb gehen die Tagesmütter in Bad Homburg auf die Barrikaden. Nachdem eine Delegation der Selbstständigen vorige Woche in der Bürgerfragestunde des Wirtschafts-, Finanz- und Digitalisierungsausschusses (WFD) auf das Problem hingewiesen und der Stadtverwaltung einen Brandbrief geschickt hatte, übten die Frauen und einige Mitstreiter jetzt in der Stadtverordnetensitzung „stillen Protest“ aus.

Demonstration in Bad Homburg: Tagesmütter in stillem Protest in Stadtverordnetenversammlung

Vorerst ohne Erfolg: Die vom Magistrat eingebrachte Satzungsänderung wurde gegen die Stimmen von FDP und BLB mehrheitlich beschlossen. In ihr geregelt sind, wie berichtet, unter anderem Verbesserungen in Sachen Kindeswohl, Lohnfortzahlung im Pandemiefall und Regelungen bei Kindern mit besonderem Förderbedarf. Mehr Geld aufgrund von Energiekrise und Inflation für die derzeit 28 Frauen, die in Bad Homburg 120 Kinder betreuen, ist momentan nicht vorgesehen. Erik Plumpe (FDP) beantragte, dass vor Beschlussfassung noch einmal im Jugend-, Sozial- und Integrationsausschuss (JSI) diskutiert wird. „Der Brief der Tagesmütter zeigt, dass noch großer Handlungs- und Änderungsbedarf besteht.“ Bezüglich der Entlohnung gebe es noch „eine gewaltige Menge an offenen Punkten“.

Sozialdezernentin Lucia Lewalter-Schoor (SPD) erläuterte die Verbesserungen der Satzungsänderung und betonte, dass sich die Stadt bisher bereits großzügig gegenüber den Tagesmüttern zeige. „Doch die Zeit einer ,Lex Bad Homburg‘ ist erstmal vorbei“, sagte sie mit Blick auf die finanziellen Nöte der Stadt. Überall würden die freiwilligen Leistungen um 25 Prozent gekürzt, da könne man einer „Sondergruppe nicht noch zusätzliche freiwillige Leistungen draufgeben“.

„Lex Bad Homburg“ ist erst einmal vorbei - Tagesmütter sollen besser entlohnt werden

Dass die Vor- und Nachbereitung besser entlohnt werden müsse, sehe auch sie als Pädagogin so, sagte die Sozialdemokratin. Aber erst dann, wenn die Stadt wieder besser bei Kasse sei - sie erwarte hierfür Kosten im sechsstelligen Bereich. Man tue den Tagesmüttern keinen Gefallen, das Papier jetzt nicht zu beschließen, so Lewalter-Schoor, denn sonst werde eine Verabschiedung bis weit ins nächste Jahr dauern - und dafür sei der Haushalt noch nicht verabschiedet.

Silvia Argyrakis (CDU) fragte, warum das Thema nun bereits zum vierten Mal diskutiert werden müsse; in den Ausschüssen seien doch alle einverstanden gewesen. Das, erläuterte Brigitte Borgel (FDP), sei gewesen, als „die Anliegen der Tagesmütter noch unbekannt“ gewesen seien. Auch Okan Karasu (BLB) plädierte dafür, erst im JSI alle offenen Punkte zu besprechen, bevor eine neue Satzung beschlossen wird. Die Grünen wiederum schlossen sich der Koalition an und stimmten für die Satzungsänderung. Über die Bezahlung werde ja noch im JSI geredet und entschieden, so Daniela Kraft.

„Änderungen bringen uns keine Vorteile“: Tagesmütter in Bad Homburg fordern weiter Änderungen

Dass im öffentlichen JSI am kommenden Dienstag (29. November, Beginn: 18.30 Uhr im Rathaus, Zimmer 133) noch einmal über die Bezahlung geredet wird, ist klar: Gestern wurde ein „Bericht zur Vergütungsstruktur der Kindertagespflege“ noch auf die Tagesordnung gestellt.

Warum äußerten die Tagesmütter ihre Forderungen so spät? „Die Stadt hat uns nicht in die Neuformulierung einbezogen“, erklärte Sprecherin Sanja Caparelli nach dem Beschluss. Die Gruppe habe von der Satzungsänderung nichts gewusst und den Text zufällig auf der Stadt-Homepage gefunden. „Die Änderungen bringen uns keine Vorteile.“ Die Regelungen zum Kindeswohl etwa würden jetzt schon umgesetzt. (Anke Hillebrecht)

Auch interessant