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Das Klavierduo two4piano: Katerina Moskaleva und Alexey Pudinov.

Tanz am Flügel

Oberreifenberg. Klavier zu vier Händen ist eine besondere Kunst. Weil die beiden Pianisten sich einen Flügel teilen, wird daraus zuweilen eine atemberaubende tänzerische Show. Jedenfalls kann man sich das nach dem 62. Konzert, dieses Mal mit Alexey Pudinov und Katia Moskaleva, beide am Klavier, bei der »Kammermusik am Feldberg« gar nicht mehr anders vorstellen.

Auf dem Programm standen zunächst Werke aus Frankreich: Morceaux op. 59 von Louis Théodore Gouvy für Klavier zu vier Händen und entsprechende Adaptionen von »Boléro« und »La valse« von Maurice Ravel. Unter den flinken, präzisen Fingern des Duos entwickeln sich wahre Romanzen, die der Bösendorfer mit Macht ins Publikum verströmt. Akrobatisch verwickeln - nein, um- und übergreifen - sich die Arme der beiden. Mit vollem Einsatz umgarnen sich Alexey Pudinov und Katia Moskaleva, mit- einander wiegend und wogend, provozierend abweisend, fordernd und zueinanderfindend. Das Ballett zur Musik liefern sie gleich mit. Wie verführerisch gefährlich so ein Klavier ist, zeigt zum Beispiel der jähe Schluss des »Boléro«, der den Rausch abrupt beendet.

Nach der Pause beginnt das Spiel von neuem, zunächst mit Mozarts »Andante con variazioni« KV 501. Aber dann wird es russisch: Sergei Rachmaninovs »Thème russe« aus Morceaux op. 11 und die Vocalise op. 34 Nr. 14. Alles keine kleinen Werke, sondern große Klanggemälde von wahrhaft russischer Dimension und Intensität. Die Überwältigung trifft jeden im Publikum. Auch Alexander Borodin bietet mit seinen »Polowetzer Tänzen« aus der Oper »Fürst Igor« nochmals eine Steigerung. Das von vielen Plätzen theoretisch mögliche Mitlesen der Noten erübrigt sich. Zu schnell wechseln die Seiten auf den iPads der Pianisten. Viel spannender sind natürlich der furiose Tanz der Finger, das Spiel der Protagonisten und die Klangwunder, die sie hervorbringen. Begeisterter Applaus verlangte noch zwei großzügige Zugaben, mit denen der Abend zum gemeinsamen Ausklang am Buffet übergeleitet wurde.

So war auch das 62. Konzert in der Wohnhalle wieder ein Fest für alle Sinne, eine großartige Show mit musikalischem Tiefgang und hohem Unterhaltungswert.

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