UA-Wochensplitter: Aristoteles hätte seine Freude gehabt

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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser! Der Mensch, so sagte der griechische Philosoph Aristoteles einst, sei ein politisches Wesen. Hätte der weise Grieche rund 2400 Jahre später gelebt und hätte es ihn zufällig auf die jüngste Versammlung der Usinger Gewerbevereins verschlagen, so hätte er seine Freude gehabt. Denn auch auf dieser - idealerweise unpolitischen - Veranstaltung, wurde es politisch.

Dafür sorgte zum einen Bürgermeister Steffen Wernard (CDU), der die unpassend deutliche Empfehlung aussprach, Ralf Müller nicht wieder zum Vorsitzenden zu wählen. Müller selbst wiederum hatte sich im Vorfeld ebenfalls angreifbar gemacht, indem er neben dem Amt des Gewerbevereinsvorsitzenden in Usingen auch noch politisch Akzente setzen wollte und als Spitzenkandidat der FDP in den Kommunalwahlkampf zog. Einige munkeln sogar, dass er sich eine Kandidatur bei der nächsten Bürgermeisterwahl vorstellen könnte.Auch wenn Müller dem Vorwurf seiner Kritiker, beide Ämter vermischt zu haben, vehement widerspricht (und das Amt des GV-Vorsitzenden auch ein Jahr hatte ruhen lassen), so ist es zumindest bei dem einen oder anderen Wähler so angekommen. Bei der Kommunalwahl hat die Usinger FDP mit Spitzenkandidat Müller ein eher durchschnittliches Ergebnis erzielt und bei der Wahl um den Gewerbevereinsvorsitz zog Müller gegen Rita Krummel schließlich den Kürzeren. Was bleibt also? Für Ralf Müller zunächst einmal zwei Wahlen, deren Ausgang er sich Anfang des Jahres vermutlich anders erhofft hätte. Und für den Gewerbeverein ein Neuanfang mit bisher in verantwortungsvoller Position unerfahrenen Protagonistinnen. Nicht auszuschließen, dass sie sich in der nächsten Zeit noch den einen oder anderen Rat des nun ehemaligen Vorsitzenden holen werden. Denn auch das gehört zur Wahrheit: Der bisherige Vorstand des Usinger Gewerbevereins hat in den vergangenen zwölf Jahren engagierte Arbeit geleistet und einiges bewegt. Aristotels war natürlich kein Parteipolitiker. Vielmehr verstand er den politischen Menschen so, dass er ein soziales, auf Gemeinschaft angelegtes Lebewesen sei. Insofern, das sollte man bei aller Kritik an Amtsinhabern egal in welchem Bereich nie vergessen, ist es immer löblich, wenn sich jemand in die Gesellschaft einbringt. Mit der Verantwortung wächst meist auch die Anzahl der Kritiker. Kommen sie selbst in eine entsprechende Position, haben sie die Chance, es besser zu machen.Bleiben wir bei Jahreshauptversammlungen: Die sind nicht immer spannend, aber es ist ein gutes Zeichen, dass sie wieder stattfinden. Sie stehen für eine Normalität, die lange verloren war und die wieder zurückkehren muss, auch wenn die Pandemie noch nicht zu Ende ist. Die Jahreshauptversammlungen zeigen aber auch, dass es die Vereine noch gibt und es zu keinen massenhaften Austrittswellen der Mitglieder während der Lockdowns gekommen ist. Das ist eine gute Nachricht - gerne wird der Gesellschaft ja pauschal vorgeworfen, sie werde immer egoistischer. Mag sein, aber die Treue der meisten Vereinsmitglieder zeigt doch, dass nicht jeder permanent ein "Kosten-Nutzen-Maximierer" ist. Und das, liebe Leserinnen und Leser, hätte auch unseren Aristoteles erfreut.Erfreulich ist auch, dass nun Wochenende ist. Genießen sie es. Vielleicht scheint ja auch mal wieder in bisschen die Sonne...

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