UA-Wochensplitter: Grüner Einfluss, rote Linien, graues Wetter

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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser! Ein Wahlerfolg, der gar kein Erfolg war? So ein bisschen entsteht dieser Eindruck, wenn man sich an den Erfolg der Grünen bei der jüngsten Kommunalwahl erinnert und nun die abgeschlossenen Koalitionsvereinbarungen betrachtet.In Usingen beispielsweise werden CDU und SPD (die Sozialdemokraten büßten gegenüber der Kommunalwahl 2016 satte sieben Prozent der Stimmen ein) koalieren - die Grünen, die 19,6 Prozent der Stimmen holen konnten und sich damit um über acht Prozent gegenüber der Kommunalwahl 2016 verbesserten, bleiben außen vor.

Ein ähnliches Bild zeigt sich auf Kreisebene. Auch hier gelang den Grünen mit 23 Prozent eine deutliche Verbesserung ihres Ergebnisses gegenüber 2016. Doch es reichte nicht, um in Regierungsverantwortung zu gelangen. CDU und SPD entschieden sich, ihre (durchaus konstruktive) Zusammenarbeit fortzusetzen und holten sich zur Sicherung der Mehrheit noch die Freien Wähler mit ins Boot.Ein ambivalenteres Bild zeigt sich in Schmitten und Wehrheim. In der Feldberggemeinde konnten sich die Grünen mit CDU und B-NOW zusammenschließen und die FWG in die Opposition verweisen - in Wehrheim "reichte" es immerhin zu einer "Oppositions-Ampel" mit der SPD und der FDP, die die CDU mächtig geärgert hat. Zumal es den drei Parteien auf der konstituierenden Parlamentssitzung gelang, gegen die Stimmen der Christdemokraten Dirk Sitzmann als Ersten Beigeordneten und Vertreter des Bürgermeisters zu installieren. Wahlerfolge, die keine waren? Ganz so ist es dann also doch nicht. Der Einfluss der Grünen ist gewachsen - und das ökologische Profil der meisten anderen Parteien auch. Insofern bestehen gute Chancen, dass die Herausforderungen des Klimawandels, die durch die Pandemie so ein bisschen aus den Schlagzeilen geraten sind, auch im Usinger Land und auf Kreisebene angegangen werden. Anfangen müssen wir ohnehin immer bei uns selbst - egal, wer uns regiert.Dass das nicht immer so egal ist, hat eine kleine "Reise" in den Rhein-Hunsrück-Kreis jüngst gezeigt. Dort befindet sich eine recht bekannte Hängebrücke, die sicherlich in normalen Zeiten eine "klassische Touristenattraktion" ist. Dieser Tage allerdings nicht mehr. Abgeriegelt mit mehreren Zäunen und Stacheldraht und versehen mit verschiedenen Schildern, die im Falle des Weitergehens mit "schweren Verletzungen" drohen, wähnt man sich nicht mehr in einem beschaulichen deutschen Landkreis, sondern eher an der Grenze zweier schwer verfeindeter Staaten. Keine Frage: Bestimmt ist es dort in den vergangenen Wochen und Monaten zu Menschenansammlungen gekommen, die im Moment unpassend und vielleicht sogar gefährlich sind. Aber müssen es Stacheldraht und Drohungen sein? Auch wir im Hochtaunuskreis haben unsere "Touristenattraktionen". Aber zum Glück ist unsere Kreis-Regierung bisher nicht auf die Idee gekommen, diese in einen Hochsicherheitstrakt zu verwandeln... Ironie am Rande: Der Landrat des Rhein-Hunsrück-Kreises, Dr. Marlon Bröhr, hat als Bürger des Kreises gegen seine eigene Verwaltung geklagt. Die Maßnahmen, die sie im Kampf gegen die Pandemie einzusetzen hätten, erinnerten ihn an "finstere Zeiten" und überschritten eine "rote Linie".Grüne Erfolge oder auch nicht, rote Linien überschritten oder auch nicht - das Wetter dürfte in den nächsten Tagen eher grau werden. Ich wünsche Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, aber trotzdem schon mal einen schönen Feiertag!

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