UA-Wochensplitter: Von Überraschungen und teuren Irrtümern

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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser! Am Donnerstag haben wir es hier vielleicht auch ein bisschen auf die leichte Schulter genommen. Der Laubach könnte über die Ufer treten? Nun ja. Dass es allerdings mehr als ungemütlich werden kann, wenn selbst kleine Gewässer über die Ufer treten, das haben wir im Usinger Land am Freitag erfahren. Zahlreiche Feuerwehren waren im Einsatz, um die Überschwemmungen rund um die Weil, den Wiesbach oder den Erlenbach in den Griff zu bekommen.

Offenbar wurde auch der eine oder andere Gemeindebrandinspektor von der Menge der Wassermassen überrascht. Denn im Unterschied zu den Kollegen in Bad Homburg gab man sich im Usinger Land noch am Donnerstag recht entspannt.Fehleinschätzungen sind immer ärgerlich, können aber natürlich passieren. Ob man sich gleich um gut 100 Millionen Euro verschätzen muss, steht jedoch auf einem anderen Blatt. So ist es den Verantwortlichen für das Projekt "Elektrifizierung der Taunusbahn" passiert. Ursprünglich hätte der Plan, die S5 bis Usingen (und in einem zweiten Schritt bis Brandoberndorf) fahren zu lassen, rund 24 Millionen kosten sollen. Mittlerweile werden Kosten von etwa 119 Millionen Euro kalkuliert - unter anderem, weil mittlerweile alle benötigten Gutachten in Auftrag gegeben seien und vorlägen und die "Komplexität einiger Bauvorhaben" deutlich höher gewesen sei, als zunächst angenommen. Das hat nicht nur viele Leser des Usinger Anzeigers (einige davon selbst langjährige erfahrene Ingenieure) gewundert. Weiß man denn zu Beginn eines Projektes nicht, welche Gutachten erforderlich sind? Ist nicht klar, wie komplex oder nicht komplex die Bauvorhaben sind? Es ist doch gar keine Frage: 24 Millionen Euro in den Öffentlichen Personennahverkehr zu investieren, um das Usinger Land näher an Frankfurt anzubinden, wäre eine richtig gute Idee gewesen. Aber 120 Millionen Euro? Und das auch noch in Zeiten, in denen die öffentlichen Haushalte unter den Folgen der Pandemiebekämpfung leiden? Jüngst hat es ein Leser vorgerechnet. Gehe man davon aus, dass die S-Bahn - wie kalkuliert - sechs Minuten schneller ist als die Taunusbahn, dann "koste" jede Minute Zeitersparnis 20 Millionen Euro. Und das auch nur, wenn die S-Bahn pünktlich ist.Wenn sich am Ende deutlich mehr Pendler als bisher dazu entscheiden könnten, für ihre tägliche Fahrt an den Arbeitsplatz die S-Bahn statt das Auto zu nehmen, dann hätte sich die Investition vielleicht trotzdem noch gelohnt. Aber es wäre schon begrüßenswert, wenn die Verantwortlichen bei der Planung von solchen Projekten künftig etwas präziser rechnen würden. Trotz des schlimmen Corona-Ausbruchs in einem Wehrheimer Seniorenheim sinkt die Inzidenz im gesamten Hochtaunuskreis und vor allem im Usinger Land nun deutlich. Das lässt darauf hoffen, dass wir der Normalität langsam wieder etwas näher kommen und die Politik künftig verstärkt nach Lösungen sucht, die es uns auch jenseits von Verboten ermöglichen, mit dem Virus und seinen Mutationen vernünftig leben zu können. Bleibt mir nur noch, Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, ein schönes, gesundes und trockenes Wochenende zu wünschen.

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