UA-Wochensplitter: Wird aus den Zugewinnen der Grünen auch mehr Einfluss?

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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser! Die Kommunalwahl ist vorbei, der Wähler hatte das Wort. Doch was genau hat er gesagt? Zunächst einmal sind viele einfach stumm geblieben und haben ihre Chance, wählen zu gehen, nicht genutzt. Das ist natürlich ihr gutes Recht, schließlich gibt es ein Wahlrecht und keine Wahlpflicht. Dennoch bietet so eine Kommunalwahl die Chance, zumindest ein bisschen Einfluss auf die Entwicklungen in der eigenen Kommune oder im Kreis zu nehmen.

Da ist eine Wahlbeteiligung von 56,60 Prozent zwar nicht extrem schlecht, aber auch nicht wirklich gut. Immerhin: In Wehrheim haben 63,52 Prozent ihre - teilweise zahlreichen - Kreuzchen gemacht. Damit liegt das "Apfeldorf" kreisweit an zweiter Stelle. "Fleißiger" waren die Wähler nur in Glashütten. Hier lag die Wahlbeteiligung bei 67,41 Prozent - dort wurde allerdings auch noch ein Bürgermeister gewählt. Am niedrigsten war die Wahlbeteiligung mit 51,9 Prozent übrigens in Usingen. Keine Frage, die Option der Briefwahl hat der Wahlbeteiligung in Pandemiezeiten sicher gut getan. Dass die Briefwahl aber auch ihre Tücken hat, verdeutlichte die Masken-Affäre, in die einige CDU-Politiker verstrickt waren und die erst zu einem Zeitpunkt bekannt geworden ist, als einige Bürgerinnen und Bürger bereits ihr Votum abgegeben hatten. Natürlich können die lokalen CDU-Politiker absolut nichts für Verfehlungen ihrer Kollegen in Mannheim oder Berlin. Nur lassen sich bei einer Kommunalwahl (leider) viele Wähler von Stimmungen auf Bundes- oder Landesebene leiten. Die SPD kann ein vielstrophiges Lied davon singen. Insofern ist es alles andere als ausgeschlossen, dass die - meist guten - Ergebnisse der Union ein bisschen schlechter ausgefallen wären, wenn die allermeisten Wähler ihre Stimme zum selben Zeitpunkt abgegeben hätten - am eigentlichen Tag der Wahl, dem 14. März 2021. Nach Bekanntwerden der Masken-Affäre.Ob per Brief gewählt oder an der Wahlurne: Die großen Gewinner sind sicher die Grünen. Offenbar hat das in den vergangenen Jahren spürbar gestiegene Umweltbewusstsein bei vielen Menschen die Pandemie überdauert. Das war nicht nicht zwangsweise zu erwarten, denn allzu oft rücken ökologische Fragen in den Hintergrund, wenn ökonomische Sorgen dominieren. Im Kreis sind die Grünen nun zweitstärkste Kraft, ebenso in Usingen und Wehrheim. In Neu-Anspach gab es deutliche Zuwächse, in Grävenwiesbach und Schmitten ordentliche, in Weilrod zumindest einen knappen.Die Frage wird nun sein, ob es der Partei gelingt, die lokale Politik künftig vermehrt gestalten zu können. Dazu wäre "Regierungsverantwortung" von Vorteil, denn Opposition ist - wie es der ehemalige und 2012 verstorbene SPD-Spitzenpolitiker Peter Struck einmal so schön formuliert hatte, "Mist". Auf Kreisebene - hier haben die Grünen 23 Prozent der abgegebenen Stimmen erhalten - ist dies alles andere als ausgemacht. CDU und SPD wollen ihre - im Großen und Ganzen bewährte - Koalition eigentlich fortsetzen. Zur Not, so hatten sie es schon vor Bekanntgabe des vorläufigen amtlichen Endergebnisses geäußert, mit einem dritten Partner. Das dürften kaum die Grünen sein, denn in einer solchen Konstellation wäre die SPD - zumindest rein rechnerisch - völlig überflüssig. CDU und Grüne hätten gemeinsam eine breite Mehrheit. Eher also mit der FDP oder der FWG. Politische Schnittmengen gebe es in einer solchen Konstellation zwischen den Partnern zweifellos. Ob sie dem Wählerwille gerecht werden würde, steht allerdings auf einem ganz anderen Blatt.So, liebe Leserinnen und Leser! Auch wir haben langsam genug von den vielen Zahlen und Prozenten. Freuen wir uns auf ein entspanntes und zahlenfreies Wochenende, Kalenderwoche elf von 52 übrigens, rund 22 Prozent des Jahres sind schon wieder ... Ach nein, lassen wir das!

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