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Über 150-jährige Esche am Wehrheimer Friedhof muss gefällt werden

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Die Esche auf dem Wehrheimer Friedhof muss gefällt werden, da ihr der Eschenbaumschwamm massiv zugesetzt hat. © Friedrich

Weil der Eschenbaumschwamm die alte Esche am Wehrheimer Friedhof befallen hat, muss der eindrucksvolle und mehr 150 Jahre alte Baum gefällt werden. Was geschieht mit ihrem Holz?

Wehrheim (inf). Über 150 Jahre lang hat die alte Esche auf dem Wehrheimer Friedhof die Menschen des Apfeldorfs auf ihrem letzten Weg begleitet und so manches Schicksal erlebt, so manchen Krieg überstanden und das eine oder andere Unbill kommen und gehen sehen. Nun sind für den stattlichen Baum selbst die letzten Tage angebrochen.

Warum das so ist, ist von außen nicht unbedingt offensichtlich. Der große Baum sieht immer noch gut aus, wie er sich mit seinem leicht gewundenen Stamm dort im Boden festkrallt, die Äste hoch in die Höhe gereckt. Doch das Äußere sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Baum krank ist - und zwar sterbenskrank. Und aus diesem Grund zu einem Risiko für die Friedhofsbesucher geworden ist.

Im Inneren sterbenskrank

Nur wenn man genauer hinsieht, dann kann der Friedhofsbesucher neben dem dichten Moos am Stamm große, flächige Strukturen ausmachen: Pilzschirme des Eschenbaumschwamms, die sich den Stamm entlang aufreihen. Und diese Pilze haben es in sich. Denn das, was da außen zu sehen ist, ist nur der Fruchtkörper, also der Teil des Pilzes, mit dem sich das Gewächs vermehrt. Innerlich jedoch hat er bereits den Stamm der wunderschönen Esche in großen Teilen segmentiert, immer wieder zwischendurch Teile ausgehöhlt und zersetzt.

Nur noch zwei Zentimeter dick

So sehr, dass der 1,35 Meter dicke Stamm an einigen Stellen nur noch von einer dünnen, zwei Zentimeter messenden Rindenwand gehalten wird. Viel zu instabil, um das große Gewicht des imposanten Gewächses zu tragen. Und somit ist der Baum nun zur Gefahr für Friedhofsbesucher und Trauerhalle geworden. Denn die Halle befindet sich in unmittelbarer Nähe. Sollte der Baum beispielsweise bei einem der kommenden Winterstürme umfallen, so wären die Schäden an der Trauerhalle vermutlich hoch, von Schäden an den Friedhofsbesuchern ganz zu schweigen.

Bereits im letzten Jahr hat die Gemeinde Wehrheim versucht, die imposante Esche mit einem radikalen Rückschnitt zu stabilisieren. Doch leider hat das nicht gereicht.

Für Ideen der Bürger offen

Als sich bei der diesjährigen Baumkontrolle am Stamm Fruchtkörper des äußerst aggressiven Pilzes zeigten, empfahl der Sachverständige dringend, den Baum zu fällen. Die Entscheidung zur Abholzung fiel den Verantwortlichen der Gemeinde nicht leicht. »Natürlich blutet uns das Herz, wenn wir so einen schönen Baum fällen müssen. Aber die Sicherheit der Friedhofsbesucher geht eindeutig vor«, sagt Martin Ringwald vom Umweltamt der Gemeinde Wehrheim.

Angesichts der Tatsache, dass die Esche die Wehrheimer über 150 Jahre begleitet hat, überlegt man in der Gemeinde nun, in welcher Form sie das auch weiterhin tun könnte. Denn aus dem Holz des Baumes könnte man beispielsweise etwas Bleibendes für den Friedhof oder die Trauerhalle anfertigen. Wenngleich auch in anderer Form. Für Ideen oder Sponsoren diesbezüglich ist die Gemeinde Wehrheim offen. Und hofft, dass der Baum in der Erinnerung bewahrt und die Wehrheimer auch noch weitere 150 Jahre lang begleiten kann.

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Der Eschenbaumschwamm hat sich in dem Baum vor der Trauerhalle eingenistet und sie zum Teil ausgehöhlt. Die Rinde ist an manchen Stellen nur noch 2 Zentimeter dick. © Friedrich

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