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Züge aller Hersteller, hier eine S-Bahn an der Frankfurter Hauptwache, sind beliebte Objekte unter kriminellen Graffiti-Sprayern. ARCHIVFOTO: RAINER RÜFFER

Unbeliebte Visitenkarten

Es sind hohe Sachschäden, die sich hinter den immer wiederkehrenden Polizeimeldungen von den heimischen Bahnhöfen verbergen: Graffiti-Sprayer schlagen nachts auf den Abstellgleisen zu. Ihre »Visitenkarten« wieder zu entfernen, ist teuer. Nur selten werden die Täter gefasst. Dann aber kann es knüppelhart kommen.

Usinger Land. In der letzten Woche des vergangenen Jahres haben Graffiti-Sprayer im Bahnhof von Grävenwiesbach einen Schaden von rund 2000 Euro verursacht. Sie haben hier mehrere Taunusbahn-Waggons besprüht. Und dies ist kein Einzelfall, vielmehr wird der Bahnhof in der nördlichsten Taunusgemeinde besonders oft von Personen aufgesucht, die Waggons illegal mit Signaturkürzeln (sogenannten Tags), Schriftzügen oder anderen Zeichen versehen.

Sowohl die Hessische Landesbahn (HLB), der die Züge gehören, als auch die Polizei sagen, dass die Züge der Regionalbahn 15, die in den Bahnhöfen von Usingen und Grävenwiesbach stehen, besonders oft beschmiert werden. Es sind hauptsächlich Züge auf den Abstellgleisen, erklärt HLB-Pressesprecherin Sabrina Walter.

Jedes Jahr würden etwa 40 Fahrzeuge der Taunusbahn mit Graffiti beschmutzt, die Zahl habe sich in der Corona-Pandemie also nicht wesentlich verändert. »Die Kosten für die Reinigung belaufen sich auf rund 69 000 Euro pro Jahr. Davon entfallen 25 000 Euro nur für die Reinigungsmittel, da das Entfernen von Graffiti sehr aufwendig und nur mit speziellen Reinigungsmitteln möglich ist«, so Walter. Meistens trage das Unternehmen die Kosten, da es trotz der Überwachungskameras schwierig sei, die Täter zu identifizieren.

Grävenwiesbach als Schwerpunkt

Wie viele solcher Sachbeschädigungen es in Grävenwiesbach und Usingen im vergangenen Jahr gab, kann die Polizei noch nicht genau sagen, so Ingo Paul, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Westhessen. Alle Fakten stehen erst in der Polizeilichen Kriminalitätsstatistik (PKS). Tendenziell werde die Zahl aber wohl bei über zwei Dutzend liegen, wobei der überwiegende Anteil der Taten in Grävenwiesbach begangen wurde, so der Kriminalhauptkommissar. 2020 gab es mehrere Festnahmen von Graffiti-Sprayern, ein Fall hat es sogar in die letzte PKS geschafft. Darin heißt es: Am 19. April 2020 beobachtete ein Radfahrer, wie ein junger Mann eine Skulptur mit einem Permanent-Marker beschmierte. Der Täter sei während seiner Flucht gefilmt und schließlich identifiziert worden.

Es handelte sich um einen 19-Jährigen aus Oberursel, hieß es in der PKS. Eine Dienstgruppe hatte sich an die Fersen des Sprayers geheftet und binnen einer Woche insgesamt 114 Taten ermittelt und erfasst, die alle dem jungen Mann zugeordnet werden konnten. Der Sachschaden belief sich auf schätzungsweise 25 000 Euro bis 30 000 Euro. Schnell wurde ein Durchsuchungsbeschluss beantragt, welcher kurze Zeit später von der Staatsanwaltschaft erlassen wurde. Die Polizisten wurden bei dem 19-Jährigen fündig: 27 Spraydosen und zahlreiche Skizzen lagen in seiner Wohnung, die mit den gesuchten Tags versehen waren.

Täter waren 19 und 20 Jahre alt

Und auch im vergangenen Jahr wurden zwei Sprayer quasi auf frischer Tag ertappt. Sie wurden in der Nacht zum 23. April 2021 von einem Bahnmitarbeiter in den Gleisen des Bahnhofs in Grävenwiesbach entdeckt - und frische Farbschmierereien an einem der Triebwagen einer Taunusbahn.

Die Gruppe floh, ihr Auto wurde jedoch schnell ermittelt und von der Polizei auf der A661 bei Bad Homburg gestoppt. Wieder ein Treffer: Im Auto lagen diverse Sprühdosen, sie wurden sichergestellt. Gegen die Insassen - zwei zur Tatzeit 19 und 20 Jahre alte Männer aus dem Main-Kinzig-Kreis - wurde ein entsprechendes Ermittlungsverfahren eingeleitet, berichtet Paul. Graffiti-Sprayen werde mit hohen Strafen geahndet. Tätern drohe eine Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder eine Geldstrafe (§ 303 StGB - Sachbeschädigung), wobei bei Jugendlichen oder Heranwachsenden die Regelungen des Jugendgerichtsgesetzes Anwendung fänden, sagt Paul.

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