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Die Stadt Usingen und der NABU Usinger Land unterzeichnen einen Vertrag zu Baumpartnerschaften (von links): Patricia Diebel (Auszubildende und Projektverantwortliche bei der Stadt), Erster Stadtrat Dieter Fritz, Bürgermeister Steffen Wernard, Sybille Winkelhaus und Andrea Pfäfflin (NABU), Revierförster Karl-Matthias Groß, Lukas Löffler (Forstpraktikant) und Jan Martin (Dualer Student Forst).

Kooperation über 40 Jahre

Alte und wertvolle Bäume stehen lassen: Stadt Usingen und NABU suchen Baumpartner

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In den Wäldern der Stadt Usingen gibt es viele alte und wertvolle Bäume. Damit diese dort auch weiterhin stehen können, gibt es nun ein Projekt - für das noch Partner gesucht werden.

Usingen. Es ist schon erstaunlich wenig, was so eine gestandene Buche im Holzerlös einbringt: 60 bis 70 Euro pro Kubikmeter. Sein - nur schwer messbarer - Nutzen ist höher, wenn er stehen bleiben kann. Laut einer Studie »erwirtschaftet« ein alter Baum 30 bis 40 Euro pro Jahr, die nicht in CO2-Filter oder Wasserspeicher-Anlagen investiert werden müssen.

Einer, aber nicht der einzige Grund für die Stadt Usingen und den Naturschutzbund Usinger Land (NABU), einen Vertrag - über 40 Jahre - über Baumpartnerschaften zu schließen.

Stadt muss viel Geld für Wiederaufforstung einsetzen

Bürgermeister Steffen Wernard (CDU) lobt das Projekt, das von der städtischen Auszubildenden Patricia Diebel konzipiert worden ist und nannte auch gleich drei Spender, die er akquirieren habe können. »Früher hat der Wald pro Jahr 600 000 bis 700 000 Euro in die städtischen Kassen gespült«, erzählte er bei der Vertragsunterzeichnung im Grünen Klassenzimmer in der Nähe der Eschbacher Klippen. Durch die trockenen Jahre und den Borkenkäfer ist das anders geworden. Mittlerweile müsse viel Geld in die Wiederaufforstung gesteckt werden.

Doch nicht nur dort soll investiert werden. Denn die alten Bäume, die die Wetterkapriolen bislang gut überstanden haben, sollen nun vor einer wirtschaftlichen Nutzung bewahrt werden, um ihre Aufgaben als Klimaschützer und Grundwasserspeicher erfüllen zu können.

NABU geht mit gutem Beispiel voran

Hier kam die Idee zur Kooperation auf: Da die Stadt durch den Verzicht auf Fällung auch auf Geld verzichtet, soll dies auf anderen Wegen in die Kassen kommen. Dabei kommt der NABU als Verein ins Spiel, da er Spendenquittungen ausstellen kann. Doch auch ideologisch steht der NABU hinter dem Konzept. So sagt die Vorsitzende Sybille Winkelhaus: »Das Projekt hat uns schon länger umgetrieben, wir dürfen die alten Bäume bei aller Wiederaufforstung nicht vergessen. Sie sind wichtig für die Artenvielfalt und schaffen vielerlei Lebensräume. Sie sind unsere Klimaschützer, bis die jetzt gesetzten Bäume diese Aufgabe eines Tages übernehmen können.« Winkelhaus sieht das Projekt auch als Fortsetzung der Aktion »Speicherwald« von 2017 bis 2019, auf die es viele positive Rückmeldungen gegeben habe.

Um mit gutem Beispiel voranzugehen, hat der NABU gleich 5000 Euro an die Stadtkasse Usingen überwiesen, also zehn Bäume vor der Fällung bewahrt. Die Stadt verwendet alle Spenden, die beim NABU dafür eingehen, zweckgebunden für die Waldbewirtschaftung. Das machten sowohl Wernard als auch Förster Karl-Matthias Groß bei der Vetragsunterzeichnung klar.

Eine Plakette nennt die Spender

Auch Andrea Pfäfflin ging noch einmal auf die große Bedeutung alter Bäume ein. Während die neuen Setzlinge aus Pflanzschulen kämen, hätten sich die alten Bäume an den Standort angepasst und gäben als Mutterbäume passendes Erbgut weiter. Auch die Humusbildung falle bei ihnen viel besser aus als bei den jüngeren Vertretern ihrer Art.

Die Bäume suchen Groß und die anderen Beteiligten im gesamten Stadtwald aus, sodass Spender auch die Partnerschaft für einen Baum in ihrem Stadtteil übernehmen können. Diese erhalten dann eine Plakette mit Hinweis auf den oder die Spender. »So entsteht ein Mosaik aus Schutzflächen und Einzelbäumen«, sagte Groß. Er nennt dies einen wesentlichen Beitrag. Denn eine Wiederaufforstung aller kahlen Flächen würde die Stadt 1,8 Millionen Euro kosten. Thomas Kopp

Und so funktioniert die Baumpartnerschaft

Spenden in jeder Höhe sind willkommen. Sind jeweils 500 Euro gemeinsam erreicht, wird ein neuer Baum markiert und damit geschützt. Wer spenden möchte, kann dies auf das Konto des NABU Usinger Land tun: IBAN: DE03 5125 0000 0037 0174 18. Wichtig: Als Verwendungszweck bitte »Baumpartnerschaft Usingen« angeben.

Die Spende ist steuerlich absetzbar, für Beträge über 200 Euro erstellt der NABU automatisch eine Spendenbescheinigung. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.nabu-hochtaunus.de.

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