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Bürgermeister Steffen Wernard (links) und Hauptamtsleiter Michael Guth erklärten die Digitalisierungsprozesse.

Auf in die digitale Zukunft

Usingen (bur). Alle reden über Digitalisierung, Usingen macht’s - und hat etwa zwei Drittel seiner Hausaufgaben bereits erledigt, was das Onlinezugangsgesetz betrifft. Dieses besagt, dass die Bürger bis Ende des Jahres (fast) alle Behördenangelegenheiten online erledigen können sollen. Dass Ende 2022 nicht zu halten ist, steht bereits fest, denn in mancher hessischen Kommune haben die Arbeiten für die Digitalisierung noch nicht mal begonnen.

Usingen als sogenannte Modellkommune ist da bereits viel weiter, wie Bürgermeister Steffen Wernard (CDU) und Hauptamtsleiter Michael Guth präsentierten. Am Ende sollen es rund 400 Vorgänge sein, die vom Bürger digital erledigt werden sollen.

Corona löst Lawine aus

Das betrifft aber alle Amtsangelegenheiten. Für die Kommunen sind es jedoch nur etwa 70 bis 80 Themen, die auch wirklich auf kommunaler Ebene anzubieten sind. 50 hat man in Usingen bereits abgeschlossen. Gewerbetreibende können sich online anmelden, Hunde sind ebenfalls digital zu registrieren, Bestattungen, Ausschankgenehmigungen, Schwerbehindertenausweise, Anmeldung für Märkte, Bewerbungsprozesse, die Webkasse im Bürgerbüro oder Geburtsurkunden können bereits per Computer von zu Hause aus bearbeitet werden.

Der Service für die Bürger ist das eine, die innere Organisation das andere. Im März startet das große »Aufräumen« im Rathaus, um auch dort intern viele Prozesse zu digitalisieren und die derzeit mit Papier erledigten Vorgänge abzulösen. Das Ganze ist deutlich erschwert worden durch Corona - aber auch erleichtert durch Corona, wie Guth betonte. Denn die Pandemie hat gerade bei Bürgern eine Lawine der Digitalisierung ausgelöst. Zudem hat der Hochtaunuskreis seine Angebote als Versorger für die Kommunen eingestellt, die Verwaltungen arbeiten nun mit dem Unternehmen Ekom 21 zusammen.

Auch dies war ein Hemmschuh bei den Fortschritten, dennoch hat Usingen als Modellkommune bereits jetzt Vorbildfunktion. Alles, was die Buchfinkenstadt derzeit erledigt, kann später von anderen Kommunen übernommen werden - in jedem Fall von Neu-Anspach, Glashütten und Schmitten, die eine Kooperation im Zuge der interkommunalen Zusammenarbeit eingegangen sind.

Dass die ehemalige Kreisstadt Modellkommune wurde, liegt auch an der Vorgeschichte. Die Stadt hat sich lange vor Corona mit der Digitalisierung beschäftigt und vor allem lange vor der Pandemie den Mitarbeitern die Möglichkeit eingeräumt, von zu Hause aus zu arbeiten.

Sprich: Hier waren schon die Weichen für die Datenautobahn-Zukunft gestellt. »Das war auch der Grund, warum wir mit dem Ausbruch der Pandemie 2020 nur einen Tag Stillstand im Rathaus hatten, aber dann sofort wieder die Tagesgeschäfte erledigen konnten«, erklärt Guth.

Im März wird weiter aufgerüstet

»Schon unter meinem Vorgänger Matthias Drexelius hat das Thema im Rathaus Fahrt aufgenommen«, betont Bürgermeister Wernard. Und mit dem Ausbruch des Coronavirus habe die Stadt dann gerade mal acht neue Laptops anschaffen müssen, um die Mitarbeiter entsprechend auszustatten. Und im März wird noch mal technisch aufgerüstet. »Es geht auch darum, dass alle Mitarbeiter von ihrem Arbeitsplatz aus an Videokonferenzen teilnehmen können«, sagte Wernard. Das ist bisher nicht der Fall, man greift derzeit noch auf Mobiltelefone oder Tablets zurück.

Sicher wird es auch künftig Aufgaben geben, die nicht digital zu erledigen sein werden - immer dann, wenn etwa ein Fingerabdruck nötig wird. Also bei einem neuen Personalausweis. Guth: »Aber wer weiß, was in einigen Jahren sein wird. Die Verlängerung eines Ausweises wird sicher digital möglich sein.«

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