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Tagsüber fährt die Taunusbahn. Abends, an den Wochenenden und in den Ferien übernehmen Busse als Schienenersatzverkehr SEV den ÖPNV im Usinger Land - manchmal auch nicht.

Mobilität und Wohnen

Ein Landkreis kommt in Bewegung: Das sind die großen Themen im Usinger Land im neuen Jahr

2022 könnte das Jahr der Mobilität im Usinger Land werden. Es soll Veränderungen auf der Straße, der Scheine, aber auch auf Radwegen geben. Und das Thema Wohnen rückt ebenfalls in den Fokus.

Usinger Land. Mobilität auf ganz verschiedenen Ebenen steht für das neue Jahr im Fokus des Usinger Landes. Es soll sich etwas tun, ob auf der Straße, auf der Schiene oder auf den Radwegen. Doch auch Wohnraum ist ein Thema, das nicht nur, aber vor allem Usingen bewegt.

Das seit Jahren dominierende Thema beim Thema Verkehr im Usinger Land ist der Ausbau der Taunusbahn mit S-Bahnverkehr bis Usingen. Schritt für Schritt kommen die Pläne voran, trotzdem bleibt das Tempo des Fortschritts ungewiss. Denn nachdem im Dezember 2020 der Abschluss der Planoffenlage erfolgte, gingen noch bis Februar 2021 Einwendungen und Widersprüche ein. 111 waren es insgesamt. Auch wenn Frank Denfeld, Geschäftsführer des Verkehrsverbandes Hochtaunus (VHT), nicht damit rechnet, sind Klagen durchaus möglich. Die könnten das Verfahren noch deutlich in die Länge ziehen.

Ausbau der Taunusbahn soll bis Ende 2023 beendet sein

Dem gegenüber stehen ambitionierte Pläne. Wegen des hohen Bauvolumens werde der Großteil des Ausbaus unter Vollsperrung der Taunusbahnstrecke zwischen Saalburg und Brandoberndorf von April bis September 2023 (Beginn Osterferien bis Ende Sommerferien) umgesetzt. Der Passagiertransport erfolgt dann mit Bussen. Man sei bemüht, den Zugverkehr außerhalb der Ferien so wenig wie möglich einzuschränken und dennoch zügig voranzukommen. Die Bauphase werde sich jedoch insgesamt über ein Jahr erstrecken, von Ende 2022 bis Ende 2023. Dabei soll die Strecke auch elektrifiziert werden. Vorbereitende Arbeiten werden aber schon das gesamte Jahr über stattfinden.

Ebenfalls ein Dauerbrenner ist der geplante Bau der Nordostumgehung um Usingen herum. Hier soll es nun im neuen Jahr mit größeren Schritten als bisher vorangehen. Noch im ersten Quartal sollen die 250 Einwendungen nach der Offenlage der Pläne beantwortet werden. Doch auch hier gibt es Gegenspieler, so wie die Interessengemeinschaft zur Erhaltung der Usinger Landschaft (IZEDUL). Sie pocht vor allem auf den Schutz des Grundwassers.

18 Meter tief, 95 Meter breit soll der Graben für die Usinger Nordostumgehung werden

Kein unberechtigter Einwand, denn der europäischen Wasserrahmenrichtlinie wird eine große Bedeutung zugemessen. Die Umgehungsstraße benötigt stellenweise einen Graben mit 18 Metern Tiefe und 95 Metern Breite. Kein unbeträchtlicher Eingriff in die Natur. Ein entsprechendes Gutachten steht noch aus, ebenso ein Erörterungstermin, wo auch die IZEDUL-Vorsitzenden Norbert Gernhardt und Fritz Petri noch einmal ihre Einwände vorbringen können.

Erklärtes Ziel der Planer ist es, bis Dezember 2023 Baurecht zu schaffen. Die ersten Bagger sollen direkt danach ihre Arbeit aufnehmen.

Mehrere Insitutionen und Ämter arbeiten an neuem Radverkehrskonzept

Doch auch von Muskelkraft und Akku betriebene Transportmittel sollen in diesem Jahr mehr Aufmerksamkeit erfahren. Dazu geschaffen wird ein Radverkehrskonzept. Zusammen mit dem Hochtaunuskreis, den Städten und Kommunen sowie dem ADFC arbeiten auch der Naturpark Taunus, der Regionalpark Rhein-Main, Hessen Mobil, Hessen Forst, der Kreisbauernverband, die Polizei sowie diverse Ämter gemeinsam am neuen Konzept.

Über Jahrzehnte wurden die Radverbindungen zwischen und auch innerhalb der einzelnen Kommunen verbessert. Das Konzept soll nun das große Ganze in sich aufnehmen und so auch Rad-Berufspendler berücksichtigen, die etwa vom Usinger Land nach Bad Homburg fahren. Dazu fand bereits die zweite Online-Beteiligung statt, bei der Radfahrer Verbesserungsvorschläge für bestimmte Streckenführungen abgeben konnten. 5715 Vorschläge wurden positiv aufgenommen, 546 abgelehnt. 779 Kommentare zeigen auf, dass teilweise noch großer Diskussionsbedarf besteht.

Wohnungsbauprojekte in Usingen und Weilrod

Wer so viele Neuerungen bei den Verkehrswegen antreibt, muss damit rechnen, dass noch mehr Druck auf dem Wohnungsmarkt entsteht. Darauf reagieren auch die Kommunen wie etwa Weilrod mit dem Baugebiet Neuerborn.

Das sorgte für erregte Diskussionen vor allem mit Naturschutzverbänden. Trotzdem ist ein Projekt in Usingen für die ganze Region noch mehr in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. Denn der Abriss des früheren Krankenhauses und nach und nach auch der Konrad-Lorenz-Schule begräbt für viele Bürger des Usinger Landes Erinnerungen - gute wie schlechte. Dies wurde auch beim Beginn der Abbrucharbeiten am 16. September deutlich.

Bis Ende 2023 sollen auf dem Areal 220 Wohnungen entstehen. Bereits Ende diesen Jahres sollen die ersten Mieter einziehen. Wie begehrt die Wohnungen sind, verdeutlichte eine Aussage, die Günter Horn von der Planungsgesellschaft Horn bereits im September tätigte. Denn noch bevor die Abrissbirne ihre Arbeit aufnahm, waren 85 Prozent der Wohnungen für die ersten drei Bauabschnitte verkauft.

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