+
Nahezu 150 Geschenke werden an Kunden von »Aufgetischt« für deren Kinder verteilt. Das haben Nadine Schmidt (links) und Leonie Theuerkauf (rechts) mit Birgit Hahn vom DRK (Zweite von links) organisiert. Zu den Helfern zählten Lea, Paul und Robert (3., 4., 5. von links) vom GHS-Religionskurs der Lehrerin Kim Bachmann (2. von rechts).

Gelebte Nächstenliebe

Usingen. Ein Zeitungsartikel weckte Erinnerungen: Als eine Usingerin las, dass sich Kinder aus finanzschwachen Familien einen Roller wünschen, fiel ihr ihre eigene Kindheit ein. Auch sie habe sich damals nach einem solchen Gefährt gesehnt, jedoch nie eines bekommen, erzählte sie Nadine Schmidt. Genau diese Enttäuschung wollte sie nun einem anderen Kind unbedingt ersparen.

Die Organisatorin der Wunschzettelaktion bot der alten Dame natürlich Unterstützung bei der Beschaffung eines Rollers an. Diesen wird in den nächsten Tagen ein glücklicher Empfänger entgegennehmen dürfen.

Birgit Hahn, Leiterin der Usinger Lebensmittelausgabe »Aufgetischt«, hat solche Übergaben von Weihnachtsgeschenken schon bei vorangegangenen Wunschzettelaktionen miterlebt. Die meisten Familien, die in der Kundenkartei geführt würden, seien Flüchtlinge, beschreibt sie ihre Beobachtungen. Davon hätten nur etwa 30 Prozent einen abendländischen Hintergrund, der größere Anteil gehöre der großen Gruppe muslimischer Religionen an.

»Sie kennen kein Weihnachten«, erklärt Hahn. Für sie sei daher die Gepflogenheit, anlässlich dieses christlichen Festes besonders Kinder mit Geschenken zu beglücken, ebenfalls fremd. Die alljährliche Wunschzettelaktion haben den Organisatorinnen Nadine Schmidt und Leonie Theuerkauf inzwischen auch manch lehrreiche Erkenntnis beschert.

Beispielsweise würden die an die Familien ausgegebenen Wunschzettel sehr oft dazu genutzt, sich praktische Dinge des alltäglichen Lebens zu wünschen, wie etwa warme Kleidung, Schuhe oder Schulranzen. Sogar eine Wohnung habe sich ein Mädchen für seine Eltern gewünscht, und als ihm erklärt wurde, warum dies nicht möglich sei, wünschte es sich stattdessen einen Computer für den Unterricht seines Bruders. »Schon bemerkenswert, dass sich viele Kinder lauter Dinge wünschen, die für uns selbstverständlich sind«, sagt Hahn.

Das hat auch Jugendliche der Helmut-Schmidt-Schule (GHS) motiviert, sich einiger Wunschzettel anzunehmen. Die 13-Jährigen, die dem Religionskurs von Kim Bachmannn angehören, haben mit Plakaten sowie Lautsprecherdurchsagen in ihrer Schule auf die Aktion aufmerksam gemacht. »Wir haben jeden Tag versucht, Mitschüler davon zu überzeugen, sich zu beteiligen«, erzählt Robert. Warum? »Weil es schön ist, anderen Familien zu helfen«, erklärt Lea. Und Mitschüler Paul bestätigt, dass die Beteiligung an dem Projekt zudem Spaß gemacht habe. Die drei jungen Leute sind zu »Aufgetischt« gekommen, um Nadine Schmidt und Leonie Theuerkauf beim Sortieren der Päckchen zu helfen.

Beitrag auch zur Integration

Religionslehrerin Bachmann und ihr Kurs sind überzeugt, dass derartige Maßnahmen zur Integration der neuen Mitbürger beitragen. »Es ist gelebte Nächstenliebe.« Und nicht nur das. »Wenn Kinder in der Schule einander fragen, was sie zu Weihnachten bekommen haben, dann können auch die von uns Beschenkten mitreden«, sagt Theuerkauf.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema