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Die Freude ist groß: Jochen Borck mit einem der wiederaufgefundenen Protokollbücher des TuS Merzhausen.

Historische Schätze gefunden

Usingen-Merzhausen (kop). Etwas verfrühte Freuden über weihnachtliche Geschenke gab es diese Woche bei den Verantwortlichen des TuS Merzhausen. Im Keller seines Hauses entdeckte ein früheres Vorstandsmitglied zwei alte Protokollbücher, in denen handschriftlich die Ergebnisse der Vereinsversammlungen von 1896 bis 1931 und von 1949 bis 1971 festgehalten wurden.

Dabei befindet sich auch das Originaldokument des Amtsgerichts Usingen von 1911 mit der erstmaligen Eintragung ins Vereinsregister. Gegründet wurde der Verein allerdings bereits im Jahr 1896.

Dazu der Pressesprecher und Geschäftsführer des TuS Merzhausen, Jochen Borck: »Gerade im Jahr des 125-jährigen Vereinsbestehens, das wir coronabedingt nicht gebührend feiern konnten, ist dieser Fund für die Vereinschronik eine Sensation. Zusammen mit den bereits im Vereinsarchiv befindlichen Unterlagen können wir nun die komplette Vereinsgeschichte nachvollziehen. Die Namen der Gründungsmitglieder von 1896 und der Verantwortlichen, die 1946 wieder den Sportbetrieb ins Laufen brachten, liegen uns jetzt genauso vor, wie eine vollständige Übersicht der Vorstandsbesetzungen von 1896 bis heute.«

Louis Datz war der erste Vorsitzende

Dazu muss man wissen, dass in den Vereinen Niederschriften bis in die 1970er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts in Protokollbüchern handschriftlich festgehalten wurden - überwiegend in altdeutscher Schrift. Seit etwa 50 Jahren werden die Niederschriften auf Einzelblättern, zuerst mit der Schreibmaschine geschrieben, heute auf Computern erstellt und als Dateien gespeichert.

Und so liest sich das Gründungsprotokoll nicht nur für die Vereinsmitglieder überaus spannend. Unter dem Titel »Zusammenfassung vom 15. Juli 1896« steht die Zeile »Gründung der Turngemeinde Merzhausen«. Weiter steht dort, dass die Gründungsversammlung bereits drei Tage vorher stattgefunden hatte. Zum Ersten Vorsitzenden wurde damals Louis Datz gewählt, sein Vertreter war Karl Weber. Der Vorstand wurde komplettiert durch Karl Nöll, Karl Störkel, Karl Seel, Heinrich Langenbächer und August Vetter.

Als »Eintrittsgeld« in den Verein wurden 1,50 Reichsmark für Erwachsene und eine Reichsmark für »Zöglinge« festgesetzt. Erst am 16. Februar 1911 erfolgte dann der Eintrag ins Vereinsregister. Die Turngemeinde Merzhausen wurde unter Ordnungsnummer 16 beim Königlichen Amtsgericht eingetragen,

Zu den bedeutsamen Dokumenten gehört wohl auch die Niederschrift über eine Versammlung im Februar 1946, die zur Wiederaufnahme des Vereinslebens und des Spielbetriebs nach dem Zweiten Weltkrieg geführt hatte. Angeregt wurde die Wiederbelebung der Vereine im Kreis Usingen vom damaligen Landrat des Kreises Usingen, Heinrich Müller (SPD), der auch dem ersten Deutschen Bundestag (1949 bis 1953) angehört hatte.

Fußballspielen nach dem Krieg

Unter dem Ersten Vorsitzenden August Schultheiß, seinem Stellvertreter Robert Nöll und Schriftführer und Kassierer Willi Röder wurde zunächst eine Fußballabteilung gegründet, die Freundschaftsspiele bestritt. Denn: »Für turnerische Betätigung war zunächst keine Möglichkeit, da es an Geräten und Raum fehlte.«

Bei dieser Versammlung trugen sich 40 Anwesende als Mitglieder ein, die auch schon vor dem Zusammenbruch während des Krieges Mitglieder gewesen waren. Im Laufe des Jahres 1946 kamen weitere 33 hinzu, darunter auch einige »weibliche Jugendliche«.

Als Eintrittsgeld wurden 0,50 Reichsmark festgelegt, als monatlicher Beitrag eine Reichsmark. Die Niederschrift wurde erst im Januar 1956 gefertigt, unterschrieben wurde sie aber von Schultheiß, obwohl der bereits 1947 von Alfred Henrici abgelöst worden war. Erster Vorsitzender im Jahr 1956 war Helmut Hofmann.

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