+
Christian Rose (links) als Software-Entwickler und Geschäftsführer Michael Rose der Rose Intech GmbH liegen mit der Deutschen Glasfaser im Clinch.

Glasfaser-Ausbau

Schnelles Netz, aber kein passender Tarif...

Die Deutsche Glasfaser hat auch in Usingen das schnelle Internet ausgebaut. Aber die das Unternehmen Rose Intech GmbH hat sie als Kunden erst einmal verloren. Es wäre so schön gewesen...

Usingen. Der Fall mutet schon sehr merkwürdig an und zeigt, dass gezogene Grenzen oft genug für skurrile Situationen sorgen. Etwa in der Straße Am Riedborn. Was südlich liegt, gilt als Wohngebiet, nördlich liegt Mischgebiet, also wohnen und arbeiten. Denn auch dort sind Wohnhäuser zu finden, teils in Häusern, die auch Unternehmen beherbergen. Das gilt auch für das Unternehmen Rose Intech GmbH. Denn im oberen Stock wohnt Junior-Chef Christian Rose. Und der hätte gerne - wie auch die Menschen im benachbarten Wohnhaus - das schnelle Internet gehabt. Und schloss sogar mit der Deutschen Glasfaser (DG) einen Vertrag ab.

Vor dem Haus lugt inzwischen das rote Kabel aus dem Boden. Mehr aber auch nicht. Denn nach Vertragsabschluss herrschte zwischen der DG und Roses einseitige Funkstille. Christian Rose telefonierte, falsch, versuchte mehrmals mit der DG zu telefonieren, benötigte viele Versuche, um einen Mitarbeiter an den Hörer zu bekommen, der dann erklärte, er rufe zurück. Was nicht stattfand. Bis dann endlich beim nächsten Kontakt die Nachricht kam, er könne in seiner Wohnung nur den Anschluss für gewerbliche Nutzung erhalten - und der ist etwa fünfmal so teuer.

Da half auch der Hinweis von Vater Michael Rose nicht, dass er ja fürs Unternehmen als auch für sich privat in seinem Haus einen Glasfaseranschluss bestellen würde, so denn die DG seinem Sohn das schnelle Internet liefern würde. Es ging weiter hin und her - inzwischen gibt es keinen Vertrag mehr, der wurde aufgekündigt. Nicht von Christian Rose. Der vom Verhalten der DG, um es nett zu formulieren, nicht erbaut ist. »Wo bleibt denn da bitte das Gleichheitsprinzip? Gegenüber bekommen die Menschen den Glasfaseranschluss zu normalen Bedingungen. Und ich wohne 20 Meter auf der anderen Seite und soll tiefer in die Tasche greifen?« Er wohne in einem Mischgebiet, da könne doch für einen privaten Anschluss nicht eine Einstufung gewerblicher Nutzung erfolgen.

Andere »Netzarchitektur«

Kann und wird. Pressesprecher Dennis Slobodian reagierte auf eine Anfrage unserer Zeitung und gab eine Zwischenstand seiner »Ermittlungen« im eigenen Haus durch. Zum eine werde der Fall Rose derzeit von der DG noch geprüft, ein Ergebnis stehe noch aus. Fest stehe aber, dass die DG für Gewerbegebiete einen anderen Tarif biete, da es sich um eine andere »Netzarchitektur« handele. Bekommen Gewerbekunden also eine andere Leitung? »Es handelt sich bei beiden um Glasfaserleitungen«, so der Sprecher. Nur die »Netzarchitektur« sei eine andere. Was übersetzt bedeutet, dass Gewerbekunden fürs schnelle Internet mehr bezahlen, denn »das Angebot ist auf spezielle Bedürfnisse ausgerichtet«, hieß es.

Was Rose ja nicht stören würde. Er hätte ja auch fürs Unternehmen Glasfaser genommen, aber für sich privat eben nicht unbedingt so tief in die Tasche greifen wollen.

Schaut man auf die Home-page, wird der Unterschied zwischen Gewerbe und Privat nur bedingt sichtbar. Maximale Qualität, schnelle Leitung, sicher und umweltfreundlich weil energieeffizienter bei beiden. Privat beträgt die »reduzierte Grundgebühr« DG basic 300, DG classic 400, DG premium 600 oder DG giga 1000 24,99 Euro. Und schnellt nach 13 Monten auf zwischen 44,99 und 79,99 Euro hoch - je nach gebuchtem Paket. Geschäftskunden zahlen knapp rund 50 Euro monatlich, ab dem 13. Monat geht das dann auf zwischen 69,99 und 119,99 Euro hoch - je nach gebuchten Paket. Aber der Router ist mit drin, für den zahlen Private rund fünf Euro im Monat. Und schaut man sich die gepriesenen Vorteile an, wären die eigentlich als Selbstverständlichkeit anzunehmen - bei dem Preis. »100 Prozent zukunftssicher«, »Stabile Bandbreiten«, »Keine doppelten Kosten«, »Reduzierte Grundgebühr« (bis zum 13. Monat), »Echte Flat- rate«, »Wechselgarantie im 12. Monat«, »Telefonbucheintrag« und »Erweiterung bis zu zehn Rufnummern«. Das findet sich ähnlich als Lobpreisung auch als Angebot bei Privatkunden.

Wohn- oder Gewerbegebiet

»Wir verstehen ja, dass Unternehmen mehr zahlen müssen, das ist ja keine Frage. Aber warum ist es nicht möglich, die Anschlussverträge in einem Haus zu trennen? Oben privat, unten geschäftlich«, fragen sich die Unternehmensführer. Und gleich nebenan befinde sich ein reines Wohnhaus - und auch dort biete die DG keinen Privattarif an - falsche Straßenseite.

Ulkig: Ein direkter Nachbar hatte bereits trotzt falscher Straßenseite das schnelle Internet bestellt und auch das ,Okay bekommen. Bis Roses das gleiche Paket wollten. »Dann wurde der Vertrag mit dem Nachbarn auch gelöst«, schmunzelt Christian Rose. Das Hin und Her ist also kein Einzelfall, scheint es. Immerhin: Die DG prüft das ganze noch einmal. Inzwischen hat die Firmenleitung resigniert. »Mit einer 100er-MB-Leitung kommen wir eigentlich auch gut klar.«

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema