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Parteichef Dr. Bernd Büchner (hinten) hatte zum Stammtisch der FDP eingeladen. Wie beim Dreikönigstreffen der Liberale war die Themenpalette breitgefächert.

Stromnetzübernahme erhitzt Gemüter

Usingen (bur). Die Bundes-FDP hat das Dreikönigstreffen digital in die Welt gesandt, die heimischen Liberalen dagegen verlegten ihr Treffen ins Restaurant »Lava«. Gemeinsam ist beiden Veranstaltungen die breite Palette an Themen, wobei beim ersten Usinger FDP-Stammtisch des neuen Jahres - der ab jetzt jeden ersten Donnerstag im Monat ab 19 Uhr stattfindet - munter diskutiert wurde.

Parteichef Dr. Bernd Büchner musste erst gar kein Thema vorlegen, denn die Stromnetzübernahme erhitzt die Gemüter noch immer. Und der Parlamentsabgeordnete Ulrich Keth nahm als Unternehmer kein Blatt vor den Mund: »Niemand schließt mit klarem Verstand einen solchen Vertrag ab, in dem weder geregelt ist, wie die Aufteilung der beiden Partner Usingen und Grävenwiesbach gegenüber der Syna sein soll oder, dass ein Kaufpreis genannt ist. Außer der FDP und den Grünen hat doch keiner im Stadtparlament richtig verstanden, was hier von der Mehrheit beschlossen wurde.« Nicken in der Runde.

Schatzmeister Jens Kröger wies noch darauf hin, dass man eben diesen Vorwurf des Nicht-Verstehens gerade den Liberalen gemacht habe, doch gerade die FDP habe den Finger auf die vielen offenen Vertrags-Wunden gelegt.

Impfpflicht bleibt kontroverses Thema

Ein kontrovers diskutiertes FDP-Thema ist und bleibt die Impfpflicht. Impfen ja, Pflicht nein, schon gar keinen Zwang. Der ehemalige Fraktionschef Gerhard Brähler lehnt vehement ab, dass mit einem Zwang Menschen zum Impfen abgeführt würden. Alle Usinger Liberalen sind geimpft und geboostert. Aber Keth dagegen gab deutlich zum Ausdruck, dass es doch nicht sein könne, dass sich Menschen so dumm verhalten würden und nicht zum Impfen gingen. »Es ist dem medizinischen Fortschritt zu verdanken, dass wir heute schnell Mittel gegen Krankheiten finden«, sagte er.

Klar dagegen nahm die Partei Stellung zu einem Vorschlag der SPD Usingen, eine Art Gegendemo zu den Protesten der Impfgegner zu veranstalten. »Dann bringen wir doch die Menschen erneut in Gefahr. Und wegen der paar Protestler sollten wir kein großes Aufheben machen«, argumentierte Kröger.

Beim Thema Bildung wurde schnell klar: Für die Partei liegt viel im Argen. Kindergärten müssten sich inhaltlich und personell weiterentwickeln, auch wenn die Stadt ein gutes Angebot habe. Brähler kann sich aufgrund der zunehmenden Zahl der Kinder mit geringen Deutschkenntnissen und Sprachproblemen durchaus vorstellen, dass es eine Zusammenarbeit mit Medizinern geben könnte, etwa mit Logopäden. »Wir müssen auf die sich ändernden Vorzeichen reagieren«, meinte er.

Nachholbedarf in der Bildung

Für Schulen gab’s betreffs Nutzung des Internets schlechte Noten. Hier, so Keth, sei man gut beraten, sich an Ländern zu orientieren, die gegenüber Deutschland einen Vorsprung hätten. Schon die Voraussetzungen - fehlendes oder schlechtes W-Lan, zu geringe Geräteanzahl für Schüler und fehlende Programme - sowie Lehrkräfte mit geringen Kenntnissen seien schuld an der Misere. »In Asien arbeiten die Kinder online und haben auf ihren Leistungsstand zugeschnittene Lernprogramme.«

Es gab noch viele Themen an dem Abend, die liberale Aufmerksamkeit erhielten. Und am Ende stand fest, dass es eben ein Stammtisch ist, bei dem jeder seine Meinung äußert, es auch mal lauter wird - aber gerade durch den sozialen Kahlschlag der Pandemie es mal gut tut, sich einer solchen Vis-à-vis-Debatte auszutauschen.

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