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Elfriede und Michael Rossbach (vorne) haben wie in den Vorjahren gemeinsam mit Claudia Paulus (hinten) den Weihnachtsbaum in der evangelischen Laurentiuskirche in Usingen geschmückt.

Von Bäumen und Traditionen

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Vom 1. bis 24. Dezember bieten wir unseren Lesern jeden Tag eine kleine oder große Geschichte - informativ, spannend oder zum Schmunzeln - und begleiten so journalistisch die Tage bis Heiligabend.

Usingen. Der geschmückte Weihnachtsbaum ist der symbolische Mittelpunkt der allermeisten Weihnachtsfeste auch im Usinger Land. Lange, bevor man sich um den »Baum« versammelt und die Geschenke auspackt, läutet dessen Kauf die Traditionen rund um das Weihnachtsfest ein.

Doch wer kauft, wann, wo und mit wem den Weihnachtsbaum? Und überhaupt: Welchen? Und wer schmückt ihn? In den Wochen vor dem Fest sind dies tatsächlich wichtige Fragen. Weil nach Einbruch der Dunkelheit zum Glück nur noch in wenigen Haushalten die Rolladen heruntergelassen werden, erlaubt der abendliche Spaziergang neugierige Blicke in die hell erleuchteten Wohnzimmer. In immer mehr Haushalten und Häusern erspäht man - ganz in amerikanischer Tradition - Weihnachtsbäume, die bereits lange vor dem Fest aufgestellt und geschmückt worden sind. In voller Pracht, mit Kerzen, Kugeln, Sternen, Engeln und anderem Schmuck stehen sie dort im hell erleuchteten Zimmer.

Doch ganz egal, ob bereits Anfang Dezember oder erst am Tag vor Heiligabend: Gerade jungen Familien schenkt das Schmücken des Baums einen ganz besonderen Tag, der die Vorfreude auf die Bescherung weiter steigert. Wenn die eigenen Kinder irgendwann daheim ausgezogen sind und diese an Heiligabend bereits mit den Enkeln zu den Großeltern kommen, leuchten wieder Kinderaugen am Christbaum.

So geht es beispielsweise Elfriede und Michael Rossbach. Weil sie als Rentner auch deutlich mehr Zeit haben als früher, schmücken sie seit Jahren noch einen zweiten Baum. Zusammen mit Claudia Paulus treffen sie sich jedes Jahr am Freitag vor dem vierten Advent in der evangelischen Laurentiuskirche in Usingen.

Dort warten sie auf Andreas Groos aus Westerfeld, der pünktlich wie vereinbart den zuvor gemeinsam ausgesuchten Weihnachtsbaum liefert. Schräg hinter dem Altar wird er aufgestellt und in munterer Runde mit viel Freude geschmückt. Dieser Weihnachtsbaum aus dem Taunus wird dann über die Festtage und Silvester bis hin zum Dreikönigsfest die Kirchgänger erfreuen.

Nur noch wenige Fichten im Taunus

Von der lieb gewonnenen Tradition, auch einen Weihnachtsbaum aus dem heimischen Taunus zu Hause aufzustellen, musste auch der Autor dieser Zeilen leider Abschied nehmen. Die Auswahl an »echten« Weihnachtsbäumen - heimischen Fichten mit pieksenden Nadeln und dem unvergleichlich betörendem Duft - wurde in den vergangenen Jahren immer kleiner.

Die Nachfrage nach Nordmanntannen mit ihrem perfekten Wuchs hatte derart zugenommen, dass auch bei den einschlägigen Verkaufsstellen im Usinger Land die von den Nordmännern »geklonten« Tannen die Taunus-Fichten verdrängt haben.

Sowohl in Westerfeld als auch in Wehrheim gab es bereits im vergangenen Jahr nur wenige Fichten, die - auch bei viel Idealismus und noch so schön geschmückt - keine weihnachtliche Stimmung hätten aufkommen lassen.

Zum Glück führte auch in diesem Advent ein Termin nach Oberursel. War es im vergangenen Jahr noch ein Zufallstreffer, so steuerte der Autor in der vergangenen Woche gezielt den Weihnachtsbaumverkauf an der Bleiche unterhalb der Oberurseler Altstadt an. Und tatsächlich fand er dort eine wunderhübsche Fichte.

Lieb gewonnene Traditionen gibt man gerade zum Fest eben nur ungern auf - auch wenn der Weihnachtsbaum nun aus dem Hunsrück und nicht mehr aus dem Taunus kommt.

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