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Wechselvolle Geschichte

Das Usinger Prinzenpalais hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich - immer wieder wechselten die Besitzer zwischen Adel und Bürgertum, immer wieder wurde an- und umgebaut - nicht alles hat die Zeit überstanden. Ein Rückblick anlässlich der anstehenden Sanierung.

Usingen. Noch hat die Sanierung des Prinzenpalais nicht begonnen, stattdessen steht das Gebäude geduldig an der Obergasse und trotzt, so gut es geht, dem Zahn der Zeit. Das tut es schon seit über 300 Jahren. Über 100 Jahre, bis zur Kreisfusion 1972, war es Sitz der Kreisverwaltung. Diese jährt sich im vor der Tür stehenden neuen Jahr zum 50. Mal. Anlass, einmal auf die Geschichte des Gebäudes zurückzublicken. Diese wurde durch ein von der Denkmalpflege veranlasstes und vom jetzigen Eigentümer in Auftrag gegebenes Gutachten zur Planung der Sanierung etwas genauer untersucht.

Das Palais steht auf dem Gelände des ehemaligen Hattsteiner Freihofs, der neben dem Herrenhaus mit Scheunen, Stallungen und anderen Wirtschaftsgebäuden bebaut war. Der Hof war mit einer Mauer eingefasst, ein Teil der Stadtbefestigung, die nach Norden mit dem Obertor endete.

Wiederaufbau nach Stadtbrand

1692 erfasste der verheerende Stadtbrand auch den Hattsteiner Hof. Was alles den Flammen zum Opfer fiel, ist unklar. Ebenso unklar ist auch, wer den Hof vor dem Brand bewirtschaftete, denn die Hattsteiner waren mit Wilhelm Emich von Hattstein 1655 bereits ausgestorben.

1693 bekam Max Ferdinand von Schütz, Forstmeister, Major und Oberamtmann als Besitzer das Recht, die »Hattsteinische Brandstätte« wieder aufzubauen. Dies geschah, in welchem Umfang bleibt aber ebenfalls unbekannt. Wie die Untersuchung ergab, konnte er die Keller des alten Hattsteiner Hauses, ein Gewölbekeller an der Straße und ein kleiner Balkenkeller an der Rückseite, sowie Teile der Gebäudesubstanz nutzen, sodass die bestehende Struktur auf den Vorgängerbau zurückgeht. Der Wiederaufbau war dennoch umfangreich, wie die wiederverwendeten Materialien, darunter ein auf 1691 datierter Holzpfosten, belegen.

Nach von Schütz erscheint Oberstleutnant von Donop als Eigentümer, bis die Usinger Herrschaft 1730 das Anwesen erstmals erwirbt. Fürstin Charlotte Amalie überließ es dem Hofrat von Stangen. Es folgen Fürst Karl als Erbe der Usinger Herrschaft und, wieder in privater Hand, die Familien von Nischwitz, von Loehner sowie von Dersch, bis Prinz Friedrich August das Anwesen 1768 für 7000 Gulden erwarb.

Der Prinz ließ es umfangreich als Wohnhaus für sich und seine Familie umbauen. Zahlreiche Kinder wurden hier geboren, der Raumbedarf war groß. Statt eines älteren Satteldachs, das vorher in Usingen üblich war, wurde jetzt ein Mansardengeschoss aufgesetzt, das acht zusätzliche Zimmer brachte. Um es zu erschließen, wurde vom Erdgeschoss aus ein neues Treppenhaus eingebaut. Die freitragende Treppe ist noch vorhanden und gehört zu den wertvollsten Ausbauteilen.

Modernes Äußeres unter dem Prinzen

Auch dem Äußeren hat Friedrich August ein modernes Aussehen verpassen lassen, vor allem an der Straßenseite. Zentrales Motiv ist hier ein von Putzlisenen flankierter Mittelrisalit, der von einem Dreiecksgiebel abgeschlossen wird. Dieser ist mit Rokoko-Schmuckwerk gefüllt, und in einer Kartusche sind die Initialen des Prinzen »FA« abzulesen, darüber die Fürstenkrone der Nassau-Usinger-Linie, darunter der Maria-Theresia-Orden, mit dem der Prinz 1763 ausgezeichnet wurde.

Zu den leider verschwundenen baukünstlerischen Arbeiten gehört die ehemals vorhandene zweiläufige Sandsteintreppe mit einem schmiedeeisernen Geländer. Zwei Seitenteile sind an einem privaten Hauseingang in der Untergasse noch vorhanden, ein kleinerer Mittelteil als Fensterbrüstung vor Ort.

Über der Haustür ragte ein Balkon aus, auf dem sich der Prinz den Usinger präsentierte. Dahinter lag als Hauptraum des Hauses der Salon. Dieser und die Nebenräume wurden mittels Hinterlader-Öfen geheizt. Die Nischen mit den Öffnungen zur Beschickung wurden durch die Untersuchung freigelegt. Aus der Zeit des Prinzen hat sich sonst kaum etwas erhalten. Ebenfalls bei einer Dacherneuerung wieder eingebaut wurden allerdings die kleinen ovalen Fenster im Oberdach mit dem gekurvten Gebälk als Abschluss.

Herrschaft oben, Diener unten

Im Obergeschoss lagen neben dem Salon die Wohnräume der Familie, einschließlich Herren- und Frauenzimmer. Im Erdgeschoss lagen, wie sich aus Befunden vermuten lässt, die Küche, ein Speisesaal, ein Empfangszimmer sowie ein Bedienstetenzimmer beziehungsweise ein Hauswirtschaftsraum. Das Haus war von einem Garten umgeben, der vom Haus aus vermutlich durch einen Korridor und eine Gartentür in der Nordseite betreten werden konnte.

Nach dem Tod seines älteren Bruders Karl Wilhelm 1803 erbte Friedrich August das Fürstentum Nassau-Usingen und zog spätestens jetzt nach Biebrich. In Usingen hat er neben dem Hattsteiner Hof auch maßgeblich den Schlosspark umgestalten lassen - er es auch in Biebrich tat.

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