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Ausbilder Klaus Eisenmann führt Azubi Mario Knoth in den Berufsalltag eines Straßenwärters ein.

Wenig Sicht, aber viel Erfahrung

Vom 1. bis 24. Dezember bieten wir den TZ-Lesern jeden Tag eine kleine oder große Geschichte - informativ, spannend oder zum Schmunzeln - und begleiten so journalistisch die Tage bis Heiligabend. Heute öffnen wir die Tür in ein Räumfahrzeug.

Usingen . Zugegeben, das Cockpit des MAN-Lasters ist höher als gedacht. Nachdem ich die Tür an der Fahrerseite des Schneeräumfahrzeuges noch mit einem beherzten Griff öffnen konnte, so ist der Einstieg in die Fahrerkabine eine echte Herausforderung. Der Fahrersitz ragt deutlich über den Kopf. Um die vier Trittstufen des Lkw zu erklimmen, bedarf es Geschick und Kraft. Artistisch ist der Versuch, ein Foto zu machen, auf der obersten Sprosse stehend mit einer Hand von außen haltend - Fahrer Klaus Eisenmann grinst drinnen entspannt. Es hat keinen Zweck, mit der einen Hand Halt zu finden und in der anderen Hand freischwebend die Kamera zu halten.

Ausbildung zum Straßenwärter

Beim zweiten Versuch hilft eine kleine Leiter. Mit ein bisschen Abstand ist dann tatsächlich das erwünschte Foto vom erfahrenen Straßenwärter und seinem Azubi Mario Knoth im Kasten. Der junge Mann auf dem Beifahrersitz hat im Rahmen seiner Ausbildung für den Beruf des Straßenwärters jüngst die Prüfung für den Lkw-Führerschein bestanden. Im Frühjahr steht dann seine Abschlussprüfung an. Doch bis dahin steht womöglich erneut ein schneereicher Winter wie im vergangenen Jahr bevor. Wäre nicht schlecht, denn dann kann er selber erste Erfahrung beim Steuern des dreiachsigen Lasters im verschneiten Taunus sammeln.

»Im Winter sind wir in Rufbereitschaft«, sagt Ausbilder Klaus Eisenmann. »Ist Schneefall vorhergesagt, muss er im Frühdienst um 0.15 Uhr in der Straßenmeisterei sein. Feierabend ist um 8.30 Uhr. Der Tagdienst ist von 7 bis 15.15 Uhr, und der Spätdienst geht von 15 bis 23.15 Uhr.

Die Mitarbeiter im 17-köpfigen Außendienst haben dann versetzt zueinander 19 Tage Schichtdienst am Stück, bevor sie zwei Tage freihaben. »Die Überstunden werden in den anderen Jahreszeiten abgefeiert, dann wird deutlich weniger gearbeitet«, sagt Jochen Kilian, der seit mehr als 25 Jahren die Straßenmeisterei im Stockheimer Weg leitet.

Digitales Steuerpult

Doch nun ein Blick hinter die Fahrertür des Räumfahrzeuges: Zwischen Fahrer und Beifahrer ist das digitale Steuerpult zum Steuern des »Salzstreuers« am Heck des Fahrzeuges und des 1,3 Tonnen schweren Räumpfluges an der Fahrzeugfront platziert.

Neben dem Display mit klassischen Anzeigen wie Tachonadel befindet sich zudem der Bildschirm für die Rückfahrkamera. Das Steuern des orangefarbenen Lkw mit Wiesbadener Kennzeichens, dem Sitz von Hessen Mobil, erfordert deutlich mehr Übersicht als bei anderen Lkw.

Wenn die Mannen der Straßenmeisterei bei dichtem Schneefall nachts unterwegs sind, sehen sie im Scheinwerferlicht Myriaden von weißen Punkten auf die Frontscheibe zu jagen. Rechts und links reflektiert das gelbe Schlaglicht in den Flocken.

»Vom Fahrersitz aus sehen wir das Räumschild vor uns überhaupt nicht. Wir sehen nur die Spitzen der rechts und links am Schild befestigten Fahnen«, sagt Eisenmann. »Wir kennen die Ausmaße des Fahrzeugs aber und steuern das Räumfahrzeug intuitiv.«

Auch in diesem Winter ist es ihm und seinen Kollegen in der Straßenmeisterei zu verdanken, dass das 280 Kilometer lange Straßennetz im Hochtaunuskreis vom Schnee geräumt sein wird. »Wir fahren immer nur bei extrem schlechtem Wetter, das ist wirklich seltsam«, sagt Michael Erdmann und lacht. Er unterstützt seinen Chef bei der Koordination und im Innendienst. »Es liegt in der Natur der Sache, dass wir leider nicht gleichzeitig überall sein können. Doch da müssen wir durch.«

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