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Viel Licht, viel Schatten, einiges im Dunkeln: Das ist die Kriminalstatistik für den Hochtaunuskreis 2021

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Von: Julian Dorn

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Knapp zwei Drittel aller Straftaten im Hochtaunuskreis sind im vergangenen Jahr aufgeklärt worden. SYMBOLFOTO: IMAGO © Imago Sportfotodienst GmbH

Auf den ersten Blick sehen die Zahlen der Polizeilichen Kriminalstatistik für den Hochtaunuskreis im vergangenen Jahr gut aus: Das siebte Jahr in Folge gibt es weniger Straftaten. Doch es lohnt sich, genauer hinzuschauen.

Hochtaunuskreis. Die Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) im Hochtaunus ist seit vielen Jahren Anlass für die Politik, den Einsatz der regionalen Ordnungshüter zu würdigen. Und auch diesmal stimmt Landrat Ulrich Krebs (CDU) wieder eine Lobeshymne an: Von »hervorragender Arbeit« der Polizei und einer »besonders erfreulichen« Entwicklung zu einem der »sichersten Landkreise in Hessen« ist die Rede.

Gesamtzahl der registrierten Straftaten im Hochtaunuskreis sinkt siebtes Jahr in FOlge

Ein erster Blick auf die Zahlen aus dem vergangenen Jahr verrät: Es gibt tatsächlich manchen Grund zur Freude. Das siebte Jahr in Folge sank nämlich die Gesamtzahl der registrierten Straftaten, wenn auch bei weitem nicht mehr so stark wie 2020. Im vergangenen Jahr nahm die Zahl um 40 Fälle ab und liegt nun bei 8658 erfassten Straftaten. Ein Jahr zuvor betrug der Rückgang allerdings noch 377 Fälle.

63,4 Prozent der angezeigten Delikte wurde aufgeklärt. »Somit konnte die im Vorjahr merklich gesteigerte Aufklärungsquote von 63,5 Prozent im Wesentlichen gehalten werden«, bilanziert Kriminaldirektor Alexander Löhr und schiebt noch eine erfreuliche Nachricht hinterher: »Der festgestellte Fallzahlen-Rückgang bei einer gestiegenen Einwohnerzahl im Kreis bedeutet, dass die statistische Wahrscheinlichkeit, Opfer einer Straftat zu werden, erneut abgenommen hat.« Sie sank mit nun 3649 Straftaten pro 100 000 Einwohner - 22 weniger als im Jahr 2020 - ebenfalls das siebte Jahr in Folge und liegt deutlich unter dem hessischen Durchschnitt von 5340 Zählern.

Niedrigster Wert bei Wohnungseinbrüchen seit Beginn der Erhebung

Der Rückgang bei einigen Straftaten ist zudem deutlich höher als es der insgesamt niedrige Rückgang der Fallzahlen von 0,5 Prozent zunächst vermuten lässt, etwa bei Diebstählen und Wohnungseinbrüchen. Diebe schlugen 2021 laut Statistik zu 8,3 Prozent seltener zu als 2020. Mit 241 erfassten Wohnungseinbrüchen wurde der niedrigste je erfassten Wert registriert, ein Minus von 14,2 Prozent. Zu dieser Zahl gibt es unterschiedliche Lesarten. Die Polizei sieht darin Erfolge ihrer Präventionsarbeit. Es ist aber wahrscheinlich auch ein Nebeneffekt der Pandemie: Die Menschen waren häufiger zu Hause, wodurch sich seltener Gelegenheiten für Einbrecher boten.

Laut Polizei gibt es auch einen Zusammenhang zwischen den vielen Einbrüchen, die im Versuchsstadium steckenblieben, und verstärkter polizeilicher Beratung beim Einbruchsschutz. Im Jahr 2021 scheiterten Wohnungseinbrecher in 46,9 Prozent der Fälle.

Auch die Zahl von zur Anzeige gebrachten Körperverletzungen nahm deutlich ab, nachdem sie in den vergangenen Jahren mehrfach angestiegen war. Mit nun 946 Fällen ergibt sich der niedrigste Wert seit sieben Jahren.

Mehr Fälle bei Vermögens- und Fälschungsdelikten sowie bei Sexualstraftaten

In anderen Kriminalitätsbereichen gibt es ebenfalls deutliche Ausschläge - allerdings nach oben. Die zuvor noch rückläufigen Vermögens- und Fälschungsdelikte nahmen um 7,9 Prozent zu. »Dies ist insbesondere auf einen Anstieg der Fallzahlen im Bereich des Warenkreditbetrugs zurückzuführen«, merkt die neue Kripo-Chefin Sybille Fröhlich an, das betrifft etwa den Online-Handel.

Auch Sexualstraftäter schlugen im vergangenen Jahr häufiger zu. Die Statistik weist ein Plus von 30,4 Prozent aus. »Dazu führte vor allem ein starker Zuwachs im Bereich des Verbreitens pornografischer Schriften«, erläutert Fröhlich.

Umfang des „Dunkelfelds“ von Art des Deliktes abhängig

All diese Zahlen bieten eine Orientierung für Polizei, Politik und Justiz; sie sind ein Hilfsmittel, um Tendenzen in der Kriminalität zu erkennen und gegenzusteuern. Allein: Gibt die PKS verlässlich Auskunft über die Kriminalitätsentwicklung? Tatsächlich ist ihr Aussagegehalt begrenzt, worauf die Verfasser selbst hinweisen. Die Studie beschäftigt sich nämlich ausschließlich mit dem sogenannten »Hellfeld« der Kriminalität, also den Fällen, die der Polizei bekanntwerden. Nicht erfasst ist das »Dunkelfeld« der Straftaten, die verübt wurden, ohne von der Polizei entdeckt oder angezeigt zu werden.

»Der Umfang dieses Dunkelfeldes hängt von der Art des Deliktes ab«, schreiben die Statistiker. »Es kann daher nicht von einer feststehenden Relation zwischen begangenen und statistisch erfassten Straftaten ausgegangen werden.« Kontrolldelikte etwa, die erst durch polizeiliches Handeln aufgedeckt und erfasst werden, können eine hohe Dunkelziffer aufweisen. Dazu gehören etwa Korruption, Schwarzfahren, Rauschgiftdelikte oder Ladendiebstahl. Eine hohe Polizeipräsenz führt also meist zu mehr aufgedeckten Straftaten. Das gibt aber keine Auskunft darüber, ob die tatsächliche Zahl der Straftaten gestiegen ist.

Hinweise auf Kinderpornografie kommen oft aus den USA

Bei sexueller Belästigung oder Kindesmissbrauch halten Kriminologen ebenfalls ein großes Dunkelfeld für sehr wahrscheinlich, da diese Fälle von den Opfern aus Scham oder Abhängigkeit entweder gar nicht oder erst Jahre später angezeigt werden. Auch im Hochtaunuskreis wurden 2021 einige dieser Delikte nicht von den Opfern, sondern von Organisationen und Behörden aufgedeckt, etwa vom »National Center for Missing & Exploited Children« (NCMEC) in den USA. »Das NCMEC übermittelt Hinweise auf Kinderpornografie im Internet, sofern ein Bezug nach Deutschland festgestellt wird, an das BKA«, erklärt die Polizei. Die so mitgeteilten Verdachtsfälle sind verantwortlich dafür, dass die Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch im Kreis um 10 auf 31 Taten angestiegen sind (plus 47,6 Prozent).

Das Anzeigeverhalten in der Bevölkerung, Kontrollintensität und andere Faktoren haben also Einfluss auf die Statistik. Laut BKA bietet die PKS »kein getreues Spiegelbild der Kriminalitätswirklichkeit, sondern eine je nach Deliktsart mehr oder weniger starke Annäherung an die Realität«.

Häusliche Gewalt

Noch 2020 hatte es mehr Fälle von häuslicher Gewalt und einen Höchstwert im Zehn-Jahresvergleich gegeben – was wohl auch mit der Coronavirus-Pandemie zusammenhing. 2021 nun wurden 355 Fälle von häuslicher Gewalt registriert. Dies entspricht einer Abnahme um 9,2 Prozent (36 Taten). »Die Zahl der Taten liegt weiterhin über dem Wert des Jahres 2019 (326 Fälle), sodass von einer Trendwende noch nicht gesprochen werden kann«, erklärt die Polizei.

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