Vom Balkon aus mit Molotowcocktail gedroht

USINGEN (smu). Ein 40-Jähriger hat mit seinen Wutausbrüchen im Sommer 2020 in einem Usinger Ortsteil für reichlich Unruhe gesorgt: Erst soll er vom Balkon seiner Wohnung aus den Nachbarn gedroht haben, sie mit einem Molotowcocktail zu bewerfen. Wenige Tage später schickte er seiner Schwiegermutter eine bitterböse SMS mit übelsten Beschimpfungen und Sätzen wie »Ich hasse dich mit aller Kraft.

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Nun fand er sich als Angeklagter im Bad Homburger Amtsgericht wieder, die Vorwürfe lauteten auf Nötigung, Bedrohung und Beleidigung. Und rasch wurde klar: So ganz bei Sinnen war der Usinger zumindest bei seinem Ausraster auf dem Balkon nicht gewesen. Und es gab eine Vorgeschichte. Zum einen ist der Mann Schmerzpatient und muss starke Medikamente nehmen, zudem leidet er seit seiner Kindheit an einer psychischen Störung.

Seit Kindheit psychische Störung

Schon lange vor der Tat hatte es immer wieder Probleme mit den Nachbarn gegeben, einen Tag zuvor soll er von einem mit einer Schreckschusspistole bedroht worden sein. Er sei deshalb völlig neben der Spur gewesen, so der bislang nicht vorbestrafte Mann im Gerichtssaal. Er habe eine halbe Flasche Valium und dazu Bier getrunken, dann habe es eine »Kurzschlussreaktion« gegeben. Er schrie zwei Nachbarn an, die an ihrem Hoftor standen. Dann schaffte er zwei Benzinkanister vom Keller auf den Balkon, füllte eine Bierflasche, steckte oben ein Tuch hinein und brüllte, er werde damit die Nachbarn bewerfen und ihr Haus in Brand stecken. Die ganze Nachbarschaft war erschreckt, die beiden angebrüllten Männer bewaffneten sich sicherheitshalber mit Dachlatten für den Fall, dass der wutentbrannte Mann rüberkommen würde. »Man konnte schlecht einschätzen, was passieren wird«, schilderte es eine Nachbarin. Wie auch andere Zeugen schätzte sie den Angeklagten in seinem damaligen Zustand als unzurechnungsfähig ein. »Ich habe noch nie jemand in einem solchen Zustand erlebt und war froh, als die Polizei da war«, beschrieb es ihr Mann.

»Es spricht viel dafür, dass er nicht oder auf jeden Fall nicht ganz zurechnungsfähig war«, so der Richter, nachdem er sich die vielen Zeugen angehört hatte. Der Schuldgehalt sei daher nur sehr gering. Er stellte dieses Verfahren deshalb mit Blick auf die andere Anklage - die Beleidigung und Nötigung der Schwiegermutter - ein.

Anlass für diese Tat der nun übrig gebliebenen Anklage war gewesen, dass die Schwiegermutter seiner Frau nicht die Grabstelle der Oma mitgeteilt hatte. Er schrieb ihr mehrere SMS, die letzte hasserfüllt: »So, jetzt stirbst du. R.I.P.« Im Gericht meinte der Angeklagte, er habe das zwar geschrieben, aber nicht abgeschickt. Das sei seine Frau gewesen. Diese wiederum erklärte, sie selbst habe beides getan: geschrieben und abgeschickt. Der Richter glaubte weder ihm noch ihr. »Er hat direkt nach der Strafanzeige die Tat gegenüber der Polizei zugegeben, und die Wortwahl passt überhaupt nicht zu seiner Frau«, so seine Begründung, warum er den Mann letztlich verurteilte. »Die Beleidigungen gingen weit über das übliche Maß hinaus und treffen tief.« Als Strafe muss der arbeitslose Mann 400 Euro (40 Tagessätze à 10 Euro) bezahlen, die Amtsanwältin hatte eine doppelt so hohe Strafe beantragt. Das Urteil ist rechtskräftig.

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