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Altes Haus - neue Nutzung: Das ist aus dem katholischen Pfarrhaus in Wehrheim geworden

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Von: Ingrid Schmah-Albert

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Almut Rödel, ehrenamtliche Leiterin der Wehrheimer Musikschule, und Marc Giesen, Vorsitzender des Ortsausschusses und des Fördervereins St. Michael, freuen sich, dass mit dem Einzug der Musikschule das ehemalige Pfarrhaus gerettet werden konnte. FOTO: SCHMAH-ALBERT © Ingrid Schmah-Albert

Das einstige Pfarrhaus der katholischen Kirchengemeinde St. Michael wird mit einer neuen Nutzung belebt und somit erhalten. Grund dafür ist ein Arrangement mit einem ortsansässigen Verein.

Wehrheim. Das ist doch mal eine klassische »Win-win-Situation«: Das einstige Pfarrhaus der katholischen Kirchengemeinde St. Michael wird mit einer neuen Nutzung belebt und somit erhalten, und die Musikschule der Sängervereinigung Wehrheim 1842 erhält eine dauerhafte Heimat. Das berichteten nun Almut Rödel, ehrenamtliche Leiterin der Musikschule und Marc Giesen, Vorsitzender des Ortsausschusses und des Fördervereins St. Michael, bei einem Pressetermin vor Ort.

Zum Hintergrund: Das Bistum Limburg und die Pfarrei St. Franziskus und Klara - Usinger Land haben beschlossen, sich von etlichen Immobilien in den Kirchorten zu trennen. In diesem Zusammenhang ist auch das Pfarrhaus St. Michael in den Fokus gerückt, seit es nach dem Auszug von Pastoralreferent Thomas Klix im Herbst vergangenen Jahres leer steht und Pfarrer Tobias Blechschmidt das Pfarrhaus nicht als Wohnstatt nutzt. Da es aber, anders als die Pfarr- und Gemeindehäuser in den umliegenden Gemeinden, nicht der Pfarrei, sondern direkt dem Bistum Limburg gehört, entscheidet auch das Bistum selbst über die Immobilie.

Verschiedene Optionen waren für das Bistum Limburg möglich

Dabei seien verschiedene Optionen infrage gekommen, berichtet Giesen. Eine davon war, es zu verkaufen. »Das wäre zwar die einfachste Lösung, aber gleichzeitig auch die schlechteste für Wehrheim«, ist Giesen überzeugt und kämpfte dafür, mit neuen Ideen und konkreten, auch wirtschaftlich vertretbaren Konzepten das Pfarrhaus zu erhalten sowie wiederzubeleben - als zentralen, kulturellen Ort der Begegnung. Dafür hatte er unter anderem angeregt, es als Co-Working-Angebot für unterschiedliche Unternehmer, Vereine und Organisationen zu nutzen - allerdings unter der Voraussetzung, dass diese auch inhaltlich einen christlich-kirchlichen Bezug oder Wertekanon haben.

Denkbar seitens des Bistums sei auch die Schaffung von Wohnraum mit Unterstützung des Projektes Wohnraumoffensive des Bistums Limburg gewesen. Nun aber hat die Sängervereinigung Wehrheim mit dem Chor »Cantus Wirena« den Zuschlag bekommen. Deren Musikschule ist bereits vor rund einem Monat als Mieterin eingezogen. Binnen kürzester Zeit verwandelten die Vereinsmitglieder gemeinsam das in die Jahre gekommene Gebäude mit dem verwilderten Garten in ein vorzeigbares Schmuckstück. Unzählige Stunden ehrenamtlich geleisteter Arbeit sowie eine ordentliche Summe für die grundlegende Renovierung sind aufgewendet worden, damit die Räume für die Zwecke der Musikschule nutzbar wurden.

Glücklicher Zufall: Räume in Limesschule werden anderweitig gebraucht

Dabei ist ein jahrelang offenbar unbemerkt gebliebener Wasserschaden entdeckt worden und es war ein riesiges Glück, dass niemand zu Schaden kam. Nun aber ist dank des schnellen und fachkundigen Einsatzes der entsprechenden Handwerkerbetriebe das knapp 300 Jahre alte Gebälk gerettet und die Statik wieder hergestellt worden, zeigen sich sowohl Giesen als auch Rödel dankbar.

Letzterer ist außerdem froh, dass sie nun endlich dauerhaft Räume für den Musikunterricht und die musikalische Früherziehung nutzen kann. »Wir mussten ja schön öfter die Räume wechseln und umziehen«, erinnert sie sich und betont, dass dies jetzt auch schon wieder bevorstand, weil die Limesschule, deren Räume die Musikschule nachmittags nutzt, einen steigenden Eigenbedarf hat und die Musikschule als »geduldete Einheit« mehr und mehr zurückweichen muss. Mit dem Ausblick auf die Ganztagsschule der Limesschule sei abzusehen, dass ihr am Ende kaum noch Räumlichkeiten überlassen werden können, hatte Rödel Sorge, erneut keine Bleibe für die Musikschule zu haben.

Spenden für Kulturzentrum im Obergeschoss gesucht

Diese Sorge ist mit dem Einzug ins ehemalige Pfarrhaus deutlich kleiner geworden. Die Räume dort reichen zwar auch nicht ganz für den kompletten Lehrbetrieb, aber sie decken den größten Bedarf ab und bieten sogar die Möglichkeit für die Lehrkräfte, hier auch mal zu übernachten. Denn einige Musikpädagogen kommen von weiter her und sind froh über eine entsprechende Schlafmöglichkeit.

Bislang sind die beiden ersten Etagen renoviert und für den Musikunterricht hergerichtet. Für das Obergeschoss unter dem Dach haben Giesen und Rödel aber noch weitere Ideen. Sie möchten, wenn es die Finanzen zulassen - der Förderverein hat Rücklagen für die Instandsetzung dieses Gebäudes gebildet - hier ein Kulturzentrum schaffen. Zum Beispiel könnten die Leichtbauwände entfernt und der somit gewonnene Raum für verschiedene Kulturveranstaltungen, wie kleine Konzerte, Lesungen oder andere kulturelle Events genutzt werden.

Allerdings reichen die Rücklagen bislang bei Weitem nicht aus, weshalb noch Sponsoren gesucht werden, die dieses Konzept unterstützen und das historische Wehrheimer Pfarrhaus für die Öffentlichkeit zugänglich machen möchten.

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