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Der Raketenwerfer vom Typ MARS. Bei Übungen mit den Geschossen für das Raketensystem LARS kam es zu einem »Kurzschuss«. Bei Untersuchungen wurden daraufhin Schäden an den Raketen festgestellt.

Nitroglyzerin-Austritt

Ausgemusterte Raketen als Gefahr? Bundeswehr widerspricht Bericht zu Munitionsdepot Köppern

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Dass im Munitionslager Köppern nicht nur kleine Kaliber lagern, ist bekannt. Doch nach einem Bericht, der zunächst im »Spiegel« erschienen war, soll für die Raketen eines Artilleriesystems eine hohe Gefahr der Selbstentzündung bestehen. Die Bundeswehr widerspricht.

Wehrheim/Friedrichsdorf. Rund 33.000 der inzwischen ausgemusterten Raketen lagern in sechs Munitionslagern in Deutschland, darunter auch der in Köppern. Wie viele es dort genau sind, darüber machte Oberst Thomas Scheibel von der Pressestelle des Bundesamtes für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr aus sicherheitstechnischen Gründen keine Angaben. Er bestätigte aber, dass eine Art Ölfilm am Raketenmotor austritt, der das hochexplosive Nitroglyzerin enthält. Allerdings zu einem Anteil von unter fünf Prozent, der Rest sei größtenteils Öl und Fett. Zum Vergleich führte Scheibel an, dass jeder mit einem Chemiker-Nachweis Lösungen von bis zu zehn Prozent Anteil an Nitroglyzerin einfach per Post bestellen könne.

Bundeswehr kann „Spiegel“-Bericht nicht nachvollziehen

Der Autor des »Spiegel«-Artikels habe dies auch in einem Gespräch erläutert bekommen. Warum er nun von einer hohen Gefahr der Selbstentzündung spreche, sei für das Bundesamt nicht nachvollziehbar. Die Gefahr der Selbstentzündung sei für die nächsten Jahre auszuschließen.

»Da wir täglich mit hochexplosiven Stoffen umgehen, nehmen wir immer zunächst den denkbar schlimmsten Fall an«, erläutert Scheibel die Vorgehensweise der Experten. Die derzeit laufenden Gutachten ergäben aber inzwischen ein anderes Bild. Sie sollen bis Ende dieses Quartals abgeschlossen sein.

Raketensystem bereits 2000 außer Dienst gestellt, seit 2019 auch keine Übungen mehr

Zur Vorgeschichte: Die zwischen 1981 und 1989 gefertigten Raketen wurden ursprünglich für LARS beschafft. Das letzte System LARS II wurde 2000 außer Dienst gestellt. Die Bundeswehr nutzte im Anschluss die verbliebenen Raketenbestände zur Ausbildung der Besatzungen des Mittleren Artillerieraketensystems MARS II. Nachdem im März 2019 während einer Übung ein sogenannter »Kurzschuss« erfolgte (die Rakete erreichte nicht die vorher berechnete Zielkoordinate), wurden alle Raketen dieses Typs für Übung und Ausbildung gesperrt.

Bei einer Untersuchung wurden Ausschwitzungen einer ölartigen Substanz an der Oberfläche der Raketenmotor-Isolierung festgestellt. Aus Sicherheitsgründen wurden alle Raketen bis zum Abschluss weiterer Untersuchungen auch für die Handhabung und den Transport gesperrt.

Bundeswehr sieht keine Gefährdung wegen der Ausschwitzungen

Aufgrund des Alters der Raketen könne es zu nitroglyzerinhaltigen Ausschwitzungen aus den Raketenmotoren kommen. Das langfristige Phänomen des Ausschwitzens sei aufgrund physikalischer und chemischer Vorgänge nicht vermeidbar und werde daher neben anderen Aspekten regelmäßig überprüft. Eine Selbstentzündung der Raketenmotoren sei aufgrund eines ausreichenden chemischen Schutzes durch einen enthaltenen Stabilisator für die kommenden Jahre ausgeschlossen.

»Die Lagerung von Munition unterliegt strengen Sicherheitsauflagen. Sie erfolgt in speziellen und gehärteten Munitionslagerhäusern, die sich in gesicherten militärischen Sicherheitsbereichen befinden. Aufgrund dieser strengen Sicherheitsauflagen werden Gefahren für die Bevölkerung sowie das Personal bei Einhaltung der Vorgaben ausgeschlossen. Meldungen zu Schließungen von Munitionsdepots entsprechen nicht den Tatsachen«, sagte Scheibel.

Entsorgung wird nun geprüft - Ausschreibung schon vorgenommen

Derzeit werde bei der Wehrtechnischen Dienststelle für Waffen und Munition in Meppen mit besonderer Dringlichkeit chemisch und mechanisch geprüft, ob die Artillerieraketen zum Zwecke der Entsorgung sicher transportiert werden können. »Dazu wurden aus jedem Bestelllos einzelne Raketen entnommen.« Nach den bisher vorläufigen Ergebnissen sei die Munition entgegen der bisherigen Darstellung als lager- und transportsicher zu bewerten.

Bestätigen sich die Ergebnisse, wird der Abtransport freigegeben werden können. Angesichts des Umfangs der in Rede stehenden Munition ist eine Entsorgung durch gewerbliche Unternehmen vorgesehen.

Eine Ausschreibung dafür sei schon im Dezember vorgenommen worden, Dringlichkeit habe nach Prüfung nicht bestanden, sagte Scheibel. Die Entsorgung soll dann im zweiten Quartal beginnen, nachdem die Konzepte der Bewerber geprüft worden seien. Die Raketen sollen nicht gesprengt, sondern so entsorgt werden, dass wertvolle Teile recycelt werden können.

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