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Ist die Waldbestattungsfläche vom Tisch?

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Sollte im angrenzenden Wald eine Bestattungsfläche errichtet werden, müsste auch der Naturpark-Parkplatz »Am Wehrholz« ertüchtigt und erweitert werden. Doch danach sieht es aktuell nicht aus. © Ingrid Schmah-Albert

Wehrheim. Auch der Haupt- und Finanzausschuss (HFA) hatte über den Prüfantrag zur Errichtung einer Waldbestattungsfläche zu beraten. Während in den vorausgegangenen Ausschüssen in dieser Woche das Thema teils emotional diskutiert wurde (wir berichteten), konnte der HFA deren Argumente aufgreifen, sodass die Debatte deutlich kürzer ausfiel.

Sebastian Sommer (CDU) mahnte an, dass man sich damit einen fünften Friedhof in der Gemeinde schaffe, was zur Folge hätte, dass die ja gerade erst erhöhten Friedhofsgebühren erneut erhöht werden müssten, auch weil die Gebührenordnung eine Mischkalkulation sei. Dr. Mark Sen-Gupta (Grüne), der in Vertretung des Ausschussmitglieds Hanns-Jo-achim Schweizer anwesend war, nannte die Berechnung luxuriös und zeigte sich überzeugt, dass die Umsetzung auch deutlich günstiger machbar sei, wenn man es etwas sparsamer anlegen würde, ähnlich wie es in den Nachbarkommunen gemacht wurde. Er plädierte dafür, den Menschen den Wunsch nach einer Waldbestattung zu erfüllen, wenn die Nachfrage so groß sei.

Klaus Schumann (FDP) betonte, dass die Bestattungszahlen auf den konventionellen Friedhöfen zurückgingen, wenn es die Möglichkeit der Waldbestattung gebe, und benutze in diesem Zusammenhang den Begriff der »Kannibalisierung«. Heidrun Mony (SPD), die in Vertretung des Ausschussmitglieds Patrick Fuß anwesend war, wollte wegen der neuen Aspekte, insbesondere der im Bau- und Verkehrsausschuss geäußerten Idee, sich von der Usinger Stadtverwaltung Bestattungszahlen, besonders, wie viele Wehrheimer Bürger darunter sind, und tatsächliche bisherige Investitionen sowie Pflegekosten für den Naturfriedhof nennen zu lassen, den Prüfantrag zurückstellen, bis neue Erkenntnisse vorliegen.

Abstimmung wird nicht vertagt

Dem stimmte Ausschussvorsitzender Oliver Matyschik (CDU) nicht zu und ließ über den Antrag abstimmen - allerdings aufgeteilt in zwei Abstimmungspunkte. Der eine bezog sich auf die Zustimmung des Antrags, eine Waldbestattungsfläche in Pfaffenwiesbach »Am Wehrholz« zu errichten, der andere enthielt bei Ablehnung den Passus, die bisherige Bestattungsordnung unverändert beizubehalten. Bei einer Enthaltung (Grüne) wurde der Antrag einstimmig abgelehnt. Bei dem Passus, die bisherige Bestattungsordnung unverändert beizubehalten, enthielten sich alle Ausschussmitglieder, um sich die Möglichkeit offenzuhalten, die weiteren Alternativen in neuen Anträgen zu prüfen. Darauf hatte Ulrike Schmidt-Fleischer (FDP) aufmerksam gemacht.

Unerwartete Diskussion

Hatte man bei dem Tagesordnungspunkt zur Prüfung einer Waldbestattungsfläche mit mehr Diskussionsbedarf gerechnet und war zufrieden, dass man sich doch recht schnell auf die Ablehnung einigen konnte, so war es etwas erstaunlich, dass beim Tagesordnungspunkt zur Teilnahme der Wehrheimer Verwaltung an der allgemeinen Behördenrufnummer 115 eine Diskussion entbrannte. Offenbar hatte man hier eher ein »Durchwinken« erwartet.

Zum Hintergrund: Bei der Behördenrufnummer 115 laufen telefonische Bürgeranfragen und -anliegen zentralisiert zunächst in einem externen Callcenter auf. Wie ein Gutachten ergab, könnten etwa 65 Prozent aller Anfragen schon in diesem sogenannten »First Servicelevel« beantwortet werden, berichtete Verwaltungsmitarbeiter Volker Minet. Natürlich auch abhängig davon, wie gut die Verwaltung die Callcenter-Mitarbeiter über die grundsätzlichen allgemeinen Dinge auf dem Laufenden halte, warf Klaus Schumann ein, der daher Auswirkungen auf das Personal-Tableau befürchtet, zumal die Sachbearbeiter dann im zweiten Schritt all die Anfragen abzuarbeiten hätten, die eben nicht im ersten Level vom Callcenter geklärt werden konnten.

Minet erwartet, dass die Anfragen zumeist das Bürger- büro betreffen und das sei personell gut besetzt. Sebastian Sommer mutmaßte, dass die meisten Wehrheimer Bürger weiterhin die ihnen bekannte und auf der Wehrheimer Homepage kommunizierte Nummer nutzen würden und dass die 115 nur ein zusätzliches Angebot bedeute, das die Gemeinde aber finanziell nicht be-, sondern tendenziell die Mitarbeiter sogar entlaste.

Einstimmung für Behördennummer

Das sah Britta Rosner (CDU) ebenso. Sie berichtete von ihrer eigenen beruflichen Erfahrung in einer Bank, bei der ein solches System bereits gängige Praxis sei. Die Fragen, die vom Callcenter nicht beantwortet werden könnten und somit bei den Sachbearbeitern landen, könnten zeitlich gebündelt und somit effektiver abgearbeitet werden. Mark Sen-Gupta befürchtet allerdings Folgekosten, um die Telefonanlage entsprechend auszurüsten, damit der sogenannte Second Level Support gewährleistet werden kann.

Am Ende stimmte das Gremium dann aber doch einstimmig für die Teilnahme der Wehrheimer Verwaltung an der einheitlichen Behördenrufnummer 115.

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