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Rührende Aufführung: Die Besucher sind von den kleinen Akteuren des Krippenspiels in der Scheune von Bauer Etzel hingerissen.

Schweinchen als Zaungäste

Wehrheim (sai). Wofür in den beiden Kirchen in Wehrheim nicht genügend Platz gewesen wäre - und in Pandemiezeiten erst recht nicht - das war auf dem großen Platz im Kurtrierer Amtshof der Landwirt-Familie Etzel dann möglich: die ökumenische Krippenfeier an Heiligabend. Im Freien an der frischen Luft und mit Abstand halten und Maske tragen konnten rund 150 angemeldete Personen unter 3G-Regeln teilnehmen.

Die Bänke waren so aufgestellt worden, dass die Familien beisammen sitzen konnten, aber zu den anderen Besuchern genügend Abstand gewahrt wurde.

»Erst durch die Coronapandemie ist die Idee entstanden, dass wir hier auf diese Weise ökumenisch alle zusammen diesen Gottesdienst mit dem Krippenspiel des ökumenischen Kinderchores feiern«, begrüßte Pfarrgemeinderat Norbert Hilligen die Besucher. Insofern habe diese schlimme Pandemie doch noch für etwas Gutes gesorgt. Zumal der Ort des Geschehens ein ganz besonderer sei, wie Hilligen betonte. Noch bevor vor über 300 Jahren die katholische Kirche in Wehrheim an ihrem jetzigen Standort gebaut worden war, seien die katholischen Gottesdienste im Kurtrierer Amtshof gehalten worden, zeigte Hilligen auf das alte Fachwerkhaus. Damals noch strikt nach Konfession getrennt, feierten evangelische und katholische Christen in ihren unterschiedlichen Liturgien die Gottesdienste. Umso mehr freue er sich, dass man nun wieder hier an diesem historischen Ort gemeinsam Gottesdienst feiere. »Nur dass heute die Ökumene in Wehrheim lebt und die Christen ganz selbstverständlich miteinander die frohe Botschaft und die Ankunft des Heilands feiern«, so Hilligen weiter.

Altar auf Heuhaufen in der Scheune

Auch wenn die Messdiener zu Beginn zum Altar, der auf Heuballen in der offenen Scheune aufgebaut war, einzogen, war der Gottesdienst zusammen mit Pfarrer Matthias Laux ökumenisch gestaltet. Für die meisten Besucher dürfte aber wohl das Krippenspiel mit dem ökumenischen Kinderchor der zentrale Punkt gewesen sein. Unter Chorleitung von Klara Fuchs hatten die Kinder in den vergangenen Wochen das Krippenspiel und einige Lieder einstudiert und führten nun szenisch vor, wie Maria und Josef dereinst eine Bleibe in Bethlehem suchten. Die Engel brachten den Hirten die frohe Kunde und als sie nachts den Stall betraten, war dieser taghell vom Licht des Heilands erstrahlt, sodass sie ihre Laternen gar nicht mehr brauchten, spielten die Kinder die Weihnachtsgeschichte nach. »Gott ist Mensch geworden, er ist das Licht der Welt«, so die Botschaft und die Kinder sangen »Stern von Bethlehem«. Passend dazu hing ein beleuchteter Stern von der Scheunendecke herab und auch das übrige Umfeld passte hervorragend. Zumal es ja nicht nur die Scheune war, die eine gewisse Authentizität ausstrahlte, sondern es ja tatsächlich noch einen kleinen Stall auf dem Kurtrierer Amtshof gibt. Die Schweine kamen ans Stallgitter und beobachteten neugierig das Treiben. Denn so viel Besuch hatten sie wohl schon lange nicht mehr und Kinder mit Engelsflügeln hatten sie sicherlich auch noch nicht zuvor gesehen.

Die Besucher wiederum waren ganz hingerissen von der niedlichen Aufführung und verziehen den Kindern die hier und da kleinen Texthänger und die schrillen Pfeiftöne, die durch Rückkopplung der Mikrophone entstanden.

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