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In Wehrheim gab es vor der Corona-Pandemie viele Möglichkeiten für Senioren, sich zu treffen - wie hier bei der Frühlingsfeier der Gemeinde.

Seniorenbeirat? Nicht nötig!

Wehrheim (mai). Die Senioren im Apfeldorf sind so aktiv, dass sie keinen Beirat brauchen. So könnte man die Quintessenz politisch Verantwortlicher auf die Frage, ob ein solches Gremium nötig ist, zusammenfassen. Auch (nicht repräsentativ) befragte ältere Menschen vermissen einen Seniorenbeirat nicht. Die meisten fühlen sich in Hinsicht auf Gesundheit, Alltag, Beteiligung an Gesellschaft und Kultur gut eingebunden.

»Wenn ich etwas suche oder eine Frage habe, weiß ich immer jemanden, an den ich mich wenden kann«, so eine der Stimmen.

Einsame Menschen, die von den Angeboten, der Gemeinde, Vereinen oder Hilfseinrichtungen nicht erreicht werden, würde auch ein Seniorenbeirat nicht erreichen, ist sich Heidrun Mony (SPD), die Vorsitzende des Ausschusses für Senioren, Jugend, Sport und Kultur, sicher. Sie zählt das Mehrgenerationenhaus, den Treff 50Plus, VdK, Rotes Kreuz, die Sprechstunden der Schutzfrau vor Ort und die Kirchen auf, deren Angebote nicht nur Abwechslung, sondern auch Hilfestellung im Alltag bieten.

Für sie steht fest, dass es einen Seniorenbeirat gäbe, wäre dringender Bedarf vorhanden. Außerdem verweist sie - wie auch Susanne Odenweller, die neue Vorsitzende der Senioren-Union - auf die Altersstruktur im Parlament, die es eher nahelege, einen Jugendbeirat zu fordern. Der seinerzeit mangels Interesses jedoch gescheitert war, so Mony.

Jugendbeirat wäre nötiger

Dennoch hat die Politik Ältere im Blick, versichert CDU-Fraktionsvorsitzender Oliver Matyschik. Er verweist auf die Statistik, die besagt, dass in Wehrheim 2035 insgesamt 30 Prozent der Bürger zwischen 60 und 80 Jahre alt sind. 2000 seien es 19 Prozent gewesen. Der Anteil der über 80-Jährigen steige von 3 auf 11 Prozent. Was bedeute, dass dann mehr als 40 Prozent der Einwohner älter als 60 Jahre seien.

Ein Seniorenbeirat ist für ihn aber nicht zielführend. Weil es jetzt schon schwer falle, politische Posten ehrenamtlich zu besetzen und aufgrund der Nähe aller Parteien, Fraktionen und der Verwaltung zu den Bürgern ein direkter Austausch immer möglich sei. Matyschik verspricht sich von einer solchen Institutionalisierung keine bessere Politik für Senioren und sieht keine Themen, die ein Beirat besser als vorhandene Gremien behandeln könnte.

Für Klaus Schumann, den Fraktionschef der FDP, ist eine demokratische Legitimierung eines Seniorenbeirats ohne einen Antrag nicht einfach herbeizuführen. »Die Hessische Gemeindeordnung sieht ihn nicht vor.« Es gibt für ihn aber zwei wichtige Themen, die für Senioren möglichst bald auf den Weg gebracht werden müssten: weitere Altenheimplätze und kleine, barrierefreie Wohnungen. Diese Defizite könnte das Parlament mit der Verwaltung jedoch ohne Beirat beheben.

Gerade in der Verwaltung wird einiges getan, das bestätigen die befragten Politiker unisono. Sie nennen dabei nicht nur das zuständige Dezernat, sondern auch andere Bereiche, die immer ansprechbar seien. Bürgermeister Gregor Sommer (CDU) verweist darauf, dass viele Senioren in Vereinen engagiert seien und teilweise leitende Ämter innehätten.

Wahnsinnig starke Bewegung

»Die Senioren sind eine wahnsinnig starke Bewegung, ohne deren ehrenamtliches Engagement das dörfliche Leben ein Stück ärmer wäre.« Susanne Odenweller weiß, dass Seniorenbeiräte anderswo Treffen, Ausflüge und Veranstaltungen organisieren und bei Bedarf an fachkompetente Einrichtungen verweisen. Da es in Wehrheim genügend Organisationen und die Gemeinde gebe, die das übernehmen, sei ein solcher Beirat nicht erforderlich.

Hanns-Joachim Schweizer von den Grünen sieht die praktische Seite: Ein solches Gremium müsse mit Leben gefüllt werden, das bedeute Arbeit. »Sprechstunden, Sitzungen, Beratung und Diskussion mit Gemeindevorstand, Gemeindevertretung und Sozialreferat.« Er hat eine andere Idee: Das Amt eines Seniorenbeauftragten einzuführen, der das vorhandene Angebot in der Gemeinde Wehrheim koordinieren könnte.

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