Sonnenstrom aus dem Munitionslager: Ja oder Nein?

Wehrheim (red). Die Meldung des Magazins »Der Spiegel«, wonach an sechs deutschen Orten defekte Raketen lagern, hat zu hektischen Aktivitäten in den Rathäusern der Taunusregion geführt. Wie auch im UA berichtet, wird ein Teil der insgesamt über 32 000 eingelagerten Raketen mit einem Durchmesser von 110 Millimetern auch im Munitionslager zwischen Wehrheim und Köppern gebunkert.

Verwaltungschefs und weitere Politiker der umliegenden Gemeinden und Städte haben sich besorgt an die Bundeswehr vor Ort und das Verteidigungsministerium mit der Forderung nach mehr Informationen gewandt.

Für den Vorstand des Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) in Wehrheim ist das in Ordnung und selbstverständlich.

Die Antworten der Militärs klingen nach BUND-Einschätzung erst einmal beruhigend, wenngleich die Botschaft von »ausschwitzendem Nitroglyzerin« die Angst vor gefährlichen Selbstentzündungen keinesfalls tilgt. Die Affäre defekter und deshalb dringend zu entsorgender Raketen auf dem Gelände des zweitgrößten Munitionslagers der deutschen Armee zwingt die lokalen Umweltschützer zu einer seit Jahren nicht oder nur ausweichend beantworteten Frage: Kann das Munitionslager mit seinen 283 Bunkern beziehungsweise können die Flächen zwischen den Betonbunkern für die Montage von Photovoltaik-Paneelen genutzt werden oder nicht? Den Vorschlag, die militärische Anlage segensreich zivil zu nutzen, hatte vor vielen Jahren der damalige SPD-Bundestagsabgeordnete Hans-Joachim Schabedoth entwickelt. Aus dem Ministerium drang damals nach Ansicht des BUND nur »ein gequältes geht nicht«. Eine qualifizierte Begründung fehle bis heute.

Auch die Politik will neue Nutzung

Gleichwohl plädierten heute vor dem Hintergrund der Energiewende Politiker aller Parteien für die Montage von Fotozellen im Munitionslager. Für die FDP in Wehrheim seien PV-Anlagen dort sogar die einzige Alternative zu den von ihr strikt abgelehnten Windkrafttürmen in direkter Nachbarschaft.

Das Problem: Bis heute sei unbekannt, ob die Bundeswehr eine großflächige Montage von Photovoltaik zulasse oder aus welchen technischen oder anderen Gründen sie eine Ablehnung begründe.

Der BUND Wehrheim fordert daher die verantwortlichen Politiker auf, im Verteidigungsministerium endlich klare und überzeugende Antworten zur zivilen Aufwertung des Lagers einzufordern. Auf den ersten Blick bietet das weiträumige Depot an den Grenzen von Wehrheim, Ober-Mörlen, Friedrichsdorf und Friedberg nach Einschätzung des Umweltverbandes optimale Voraussetzungen für die Installation eines leistungsfähigen Kraftwerks für Strom von der Sonne: Das Lager sei eingezäunt und komplett mit Straßen erschlossen.

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