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Gemeinsam überlegen Jugendleiterin Veronika Sorg (von rechts), Benny und Holger bei der NAJU-Aktion zur »Stunde der Wintervögel«, am Hellerborn die richtigen Antworten des Vogel-Quizes.

Tannen- oder Weidenmeise?

Wehrheim (sai). »Ich glaube das ist eine Tannenmeise. Oder doch eine Weidenmeise?« Der neunjährige Benny ist sich nicht ganz sicher, als er konzentriert einen Vogel an der Futterglocke beobachtet und zur besseren Identifizierung zum Fernglas greift. Denn er möchte es schon deshalb genau wissen, weil er bei der »Stunde der Wintervögel« mitmacht. An dieser jährlichen bundesweiten Zählaktion beteiligt sich auch stets der NABU Wehrheim.

In Vor-Corona-Zeiten bot er vogelkundlich geführte Wanderungen an. Die mussten jetzt erneut ausfallen - aber Jugendleiterin Veronika Sorg hatte sich für »ihre NAJUs«, also die Kinder- und Jugendgruppe des NABU, etwas Besonderes einfallen lassen: An mehreren Stationen auf dem Weg vom Schwimmbad Richtung Muni-Depot hat sie in wasserdichten Behältern verschiedene Info- und Quizbögen zum Ausfüllen bereitgestellt und den 25 Kindern und Jugendlichen ihrer Gruppe Bescheid gegeben, wo sie die Stationen finden konnten.

Coronakonforme Aktion für Kinder

»So gab es wenigstens eine kleine coronakonforme Aktion in den Ferien und die Kinder konnten sich mit der heimischen Vogelwelt beschäftigen«, erklärt Sorg gegenüber dieser Zeitung. Weil diese Rallye über mehrere Tage angeboten wurde, konnten sich die Familien »zeitentzerrt« jeweils eigenständig auf den Weg machen. Schließlich wollen die Kinder endlich wieder etwas unternehmen. Denn nachdem auch der Wehrheimer Weihnachtsmarkt hatte ausfallen müssen, bei dem die NAJUs bisher immer mit einem Stand vertreten waren, hatte es in den letzten Wochen keine gemeinsamen Aktivitäten mehr gegeben.

Immerhin hatten aber ein paar der Kinder Ende November noch die für den Weihnachtsmarkt geplanten Futterglocken hergestellt und diese, da sie nicht verkauft werden konnten, in den vom NABU betreuten Biotopen aufgehängt. Das stellte sich nun als eine sehr gute Entscheidung heraus, denn vor allem am Hellerborn hängen etliche dieser Futterquellen und werden von der Vogelwelt sehr gerne angenommen. Die Hellerbornwiese eignet sich daher sehr gut zum Beobachten der Wintervögel, zumal die Sitzbänke dazu einladen, hier mal für eine Weile Platz zu nehmen und die Futterstellen im Auge zu behalten.

Ein Zuhause auch für den Stieglitz

Für die NAJU-Aktion hatte Sorg dann auch extra ein paar wetterfeste Sitzunterlagen hinterlegt. Wie viele Kinder ihrer Gruppe dann aber tatsächlich dort für eine Stunde die Vögel beobachtet und gezählt haben, weiß sie allerdings nicht, denn die Kinder füllen die Zählbögen zu Hause direkt online auf der NABU-Homepage aus. Hier gibt es auch Hilfe beim Identifizieren der Vogelarten.

Auch auf den Info- und Quizbögen, die Sorg bereitgestellt hatte, waren die wichtigsten Unterscheidungskriterien aufgezeigt. Tannen- oder Weidenmeise waren aber dennoch nicht so einfach zu unterscheiden, wenn man sie nicht direkt nebeneinander sieht. Die Tannenmeise ist nämlich etwas kleiner als die Weidenmeise oder die noch viel häufigere Kohlmeise. Und auch der Unterschied zwischen dem Feld- und dem Haussperling dürfte nicht jedem auf Anhieb auffallen. Letztere wurden in den letzten Tagen erwartungsgemäß neben den Amseln am häufigsten gesichtet, wie vom Wehrheimer NABU zu erfahren ist.

Am Hellerborn wurden aber auch Kleiber, Rotkehlchen, Eichelhäher und Buntspechte entdeckt. »Wir haben sogar einige Stieglitze gesehen«, berichtet Sorg. Ein Zeichen dafür, dass der 2016 zum »Vogel des Jahres« gekürte Singvogel zumindest hier offenbar einen guten Lebensraum findet. Das ist keineswegs selbstverständlich, bunte Landschaften mit ausreichend Nahrung gibt es immer weniger, weshalb der Bestand des Stieglitzes in Deutschland in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen ist.

Dass sie Stare jetzt im Winter beobachten konnte, hatte Sorg zunächst etwas verwundert, dachte sie doch, dass Stare Zugvögel seien. Kein Wunder, denn vielen Menschen dürften die spektakulären riesigen Schwärme bekannt sein, die sie bilden, wenn sie zumindest kurzzeitig in wärmere Gefilde ziehen.

Stare bleiben gerne bei uns

Inzwischen hätten sich Stare immer mehr vom sogenannten Kurzstreckenzieher zum sogenannten Standvogel entwickelt, hat Sorg in Erfahrung gebracht. Sie kommen meist mit den milderen Wintern trotz des etwas knapperen Futterangebots ganz gut aus, weshalb sie Futterstellen in schneereichen Wintern sehr dankbar annehmen. »An der Futterstelle haben sie in den letzten Tagen dementsprechend gefressen, als gäbe es kein morgen mehr«, so Sorgs Beobachtung.

Wer sich noch an der Zählung beteiligen möchte, hat bis 17. Januar die Möglichkeit, auf der NABU-Homepage ( www.nabu.de ) ein Meldeformular auszufüllen.

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