TSG schlägt Bedarfsampel vor

Wehrheim (mai). Die Forderung nach einem Sanierungskonzept für das alte Rathaus (der UA berichtete) hat bereits in der Sitzung des Ortsbeirats hohe emotionale Wellen geschlagen. Jan Krebs, der neue CDU-Vorsitzende, und sein Kollege Norbert Hartmann vermuten hinter der Forderung des Dreier-Bündnisses aus SPD, Grünen und FDP, ein Gesamtkonzept samt Nutzungsplan für die Renovierung zu erstellen, die Absicht, das unter Denkmalschutz stehende Gebäude zu verkaufen.

»Die Gesamtkosten werden so hoch sein, dass schnell der Gedanke zu einem Verkauf aufkommen kann«, so Hartmann.

Die Sanierung sei kostenmäßig besser zu stemmen, wenn die Arbeiten je nach Dringlichkeit Stück für Stück erfolgten. »In meinem eigenen Haus mache ich das auch so«, empörte sich Hartmann über das Ansinnen eines Gesamtkonzeptes. Um seine These zu bekräftigen, nahm er Bezug auf eine Aussage, die Klaus Schumann (FDP) in einer Parlamentssitzung gemacht habe, der zufolge das alte Rathaus zu verkaufen sei, wenn die Sanierung zu teuer werde. Jan Krebs sieht den Antrag als »Schuss von hinten durch die Brust ins Auge«, um das Haus veräußern zu können. Er möchte das Gebäude für die Wehrheimer und ihre Vereine erhalten.

Erhard Steinberg (Grüne) geht, anders als die Kollegen der CDU, nicht davon aus, dass hinter dem Antrag die Absicht eines Verkaufs steht, und er ist sicher, dass dieser im Parlament keine Mehrheit finden würde. Für ihn ist eine Sanierung kaum möglich, wenn es keine Gesamtplanung gebe.

Einzelaufträge, wie sie bereits erfolgt seien, könnten zu einem Stückwerk führen, dem das Konzept fehle. Im Antrag sind »500 000 Euro« genannt, die bereits ausgegeben wurden. Ortsvorsteher Stefan Velte (CDU) zählte als Vorsitzender des Geschichts- und Heimatvereins zudem eine ganze Reihe von Arbeiten auf, zum Beispiel den Einbau einer neuen Tür, die der Geschichtsverein als Nutzer aus eigener Tasche finanziert habe. Zusätzlich zu den 2000 Euro Miete, die der Verein pro Jahr zahle.

Ebenso emotional und kontrovers gestaltete sich die Diskussion um den Straßenübergang am Oberloh. Anlass dazu gab ein Brief, mit dem die TSG-Vorsitzenden der Politik einen kostengünstigen und schnell umsetzbaren Vorschlag unterbreiteten. Anstelle der von der Gemeinde vorgestellten Lösung mit Ampelanlage und Verkehrsinsel sieht dieser Plan eine Fußgängerampel vor, die nur bei Bedarf zum Einsatz kommt.

»So können Bauern die Kreuzung ganz normal weiter nutzen«, sieht Thomas Wagner auf Nachfrage dieser Zeitung einen Vorteil. Er findet es schade, dass die Gemeinde teure Planer beauftragt, und nicht die Fachkompetenz der TSG genutzt habe. Schließlich seien zwei der Vorsitzenden Bauingenieure, die ihr Fach verstünden. »Wir hätten einfach mal miteinander reden müssen.« Zudem habe er bereits zugesichert, dass seine Firma die Stromzuführung zur Ampel übernehme. Die TSG habe in dem Schreiben zwar keine Zahlen genannt, Wagner sieht die Kosten jedoch nur in etwa einem Viertel der auf 140 000 Euro veranschlagten »großen« Ampelanlage.

Festhalten an Tempo 30

Auch Erhard Steinberg sieht dringenden Handlungsbedarf und er befürchtet, dass die Sicherheit der Sporthallen-Nutzer in zwei Jahren noch nicht gewährleistet sei, wenn weiterhin nichts passiere. Die Eröffnung der Halle, bevor es eine sichere Lösung für den Überweg gebe, sei nötig gewesen, weil sonst die Tischtennis-Abteilung ihre Rundenspiele nicht hätte durchführen können, so der Ortsvorsteher.

Dem Haushalt für 2022 nebst seinen Anlagen stimmte der Ortsbeirat ohne Diskussion bei Enthaltung von Erhard Steinberg zu, und am Tempo 30 für alle Ortsstraßen möchte das Gremium auch dranbleiben.

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