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Türkische Tanne und Libanon-Zeder

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Können Baumarten aus dem Süden mit der neuen Trockenheit besser klarkommen? Diese Frage soll das Projekt »Klimawald« in Wehrheim beantworten. © Imago Sportfotodienst GmbH

Wehrheim (sai). Die Gemeinde Wehrheim möchte eine wissenschaftlich begleitete Versuchsanordnung mit bestimmten Baumarten einrichten, um herauszufinden, welche Baumarten künftig besser mit den veränderten klimatischen Bedingungen zurechtkommen. Unter dem Stichwort »Klimawald« stellte Umweltbeauftragter Martin Ringwald in der Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Land- und Forstwirtschaft dieses Vorhaben vor.

Ziel des Versuchs ei es, die »Anbauwürdigkeit von alternativen Baumarten zu den bisherigen heimischen Hauptbaumarten zu testen und langfristig ertragskundlich zu beobachten«.

Bei den Baumarten handle es sich um die Atlas-Zeder, Libanon-Zeder, Baumhasel, Orient-Buche, Walnuss, Türkische Tanne, Esskastanie und den Tulpenbaum, informierte Ringwald. Wobei es nicht um den Austausch heimischer Baumarten gehe, sondern um die Prüfung ihrer Eignung als Mischwald- Komponenten zur Erweiterung des Baumartenspektrums auf den hiesigen Standorten. Als Referenzbäume würden Douglasie und Winterlinde gepflanzt, da diese bereits unter den aktuellen Bedingungen hier gut wachsen.

SPD warnt vor Neophyten

Das Vorhaben löste bei den meisten Ausschussmitgliedern Zustimmung, bei Andrea Pfäfflin (SPD) hingegen heftigen Widerspruch aus. Die auch im Umwelt- und Naturschutz schon seit Jahrzehnten engagierte Politikerin befürchtet dabei vor allem die möglicherweise nicht kontrollierbare Einschleppung invasiver Arten, sogenannter Neophyten. Dabei gehe es nicht nur um die in dem Versuchsareal gepflanzten Bäume, sondern auch um die Begleitflora und -fauna. Denn man könne die Bäume nicht isoliert betrachten, sie gingen mitunter auch weitere Symbiosen, etwa mit Pilzen ein, gab sie zu bedenken. Durch Pollenflug oder die Aufnahme von Samen durch Tiere könnten sich die Arten weiterverbreiten, mit möglicherweise unabsehbaren Folgen. Diese Erfahrung habe man in der Vergangenheit schließlich auch mit anderen eingeschleppten Arten gemacht, wie etwa dem Indischen Springkraut oder der Herkulesstaude, derer man kaum mehr Herr werde.

Einheimische Arten in Gefahr?

Das große Problem bei Neophyten sei, dass sie einheimische Pflanzen verdrängen und oft nur mit sehr großem Aufwand im Zaum gehalten werden können, weil solche Arten sich explosionsartig vermehrten, sagte Pfäfflin auf. Daher würden solche Testreihen in den einschlägigen Wald-Gremien sehr kritisch gesehen, zumal ein Wald ein komplexes Öko-System sei und nicht eine Ansammlung von Bäumen. Es könne daher auch sein, dass die vermeintlichen Erkenntnisse aus einem solchen Versuchsfeld sich gar nicht auf das gewachsene System Wald übertragen ließen, wandte sie ein. Bei der Beratung über die Teilnahme an einer Versuchsanordnung hätte sie sich eine frühere Einbindung des Umweltausschusses gewünscht, rügte sie zudem.

Ausschussvorsitzender Ingmar Rega (FDP) hielt dagegen, dass der Klimawandel schneller fortschreite, als die Evolution Schritt halten könne, und man nicht auf die langsame Umstellung beziehungsweise Anpassung der Vegetation und der klimaresistenteren Baumarten warten könne. »Wir brauchen schnelle Erkenntnisse«, so Rega. Der Wald sei schließlich auch ein Wirtschaftsfaktor und die Gemeinde müsse schnell herausfinden, mit welchen Baumarten man am sinnvollsten aufforsten sollte und wie man am besten den Wald umgestalte, um ihn auch für zukünftige Generationen wirtschaftlich nutzbar zu machen. Er nannte es daher legitim, auf abgesicherten Flächen mit klarer Versuchsanordnung und unter wissenschaftlicher Beobachtung zu untersuchen, was an Baumarten »nicht mehr geht und was zukunftsfähig ist«.

Wissenschaftliche Begleitung

Auch Timo Emmerich (CDU) plädierte für das Anlegen des Versuchsareals, weil hier sicherlich keine invasiven Arten zum Einsatz kämen, denn der Versuchsaufbau, der bereits in vier anderen hessischen Regionen durchgeführt wird, sei von der »Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt« begleitet. Man dürfe hier den Wissenschaftlern Kompetenz unterstellen, meldete sich auch Jan Krebs (CDU) zu Wort. Bürgermeister Gregor Sommer zeigte sich dankbar, dass sich Ringwald erfolgreich um die Maßnahme unter wissenschaftlicher Begleitung bemüht habe, Wehrheim sei die fünfte Kommune mit einer solchen »Klimawald-Fläche« und man werde den Umweltausschuss regelmäßig über die Beobachtungen informieren, versprach er. Die allerdings können in die Jahrzehnte gehen, denn erst in weit mehr als 40, 50 oder 60 Jahren ist ein erntereifes Wachstum erreicht.

Die Kosten für die Errichtung der Versuchsanlage werden mit rund 20 000 Euro geschätzt, wobei mit der Mainova ein Sponsor gefunden wurde, der dies mit 19 500 Euro unterstützt. Im Gegenzug soll die Versuchsanlage »Mainova Klimawald« genannt und mit einer Info-Tafel versehen werden. Eingebunden werden soll der »Klimawald« in den bereits geplanten »Klimaerlebnispfad« in der unmittelbaren Nähe des in diesem Zusammenhang geplanten »Klima-Klassenzimmers«.

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