Empörung über Hessen Mobil in Wehrheim

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OBERNHAIN - (kh). "Es muss endlich gehandelt werden!" Mit dieser deutlichen Forderung hat Wehrheims Bürgermeister Gregor Sommer (CDU) gestern zum wiederholten Male die Einrichtung eines Kreisverkehrs an der Obernhainer Kreuzung verlangt und als "zwingend notwendig" bezeichnet. Aktueller Anlass für Sommer: ein neuerlicher Verkehrsunfall am Montag auf der L 3041 im Bereich der Einmündung zum Ortsteil Obernhain.

"Jeder Verkehrsunfall ist ein Unfall zu viel. Jeder Verletzte ist eine verletzte Person zu viel", betont der Rathauschef, der schon seit dem Jahr 2016 einen regen Schriftwechsel mit Hessen Mobil, dem Amt für Straßen- und Verkehrsmanagement, zur Einrichtung eines Kreisverkehrs führt.

Sommer blickt zurück: Anfang 2017 wurde bei einem Gespräch im Wehrheimer Rathaus von Seiten Hessen Mobil die Errichtung eines Kreisverkehrs schlichtweg abgelehnt. Am 20. Februar 2018 fragte die Kommune wieder an, ob und wenn ja mit der Errichtung eines Kreisverkehrs in den nächsten Jahren gerechnet werden könne. Am 6. März 2018 bat die Gemeinde nochmals schriftlich Hessen Mobil um eine Stellungnahme gebeten; dieses Schreiben blieb unbeantwortet. Am 28. April 2020 bat Wehrheim Hessen Mobil erneut um eine Stellungnahme. Hintergrund: Nach der aktuellen Auswertung der Verkehrsunfalldaten für die Jahre 2018 und 2019 wurde ersichtlich, dass sich die Anzahl verunglückter Personen im Jahre 2019 auf fünf Personen erhöht hatte. Weiter beschloss die Gemeindevertretung Wehrheim am 7. Februar 2020 einen gemeinsamer Antrag aller Fraktionen, nach dem der Gemeindevorstand beauftragt wird, bei den zuständigen Stellen darauf hinzuwirken, die Straßenkreuzung der L3041 mit den Einmündungen der Straßen "An den Linden / Obernhainer Weg" im Ortsteil Obernhain neu auszugestalten, um eine signifikante Erhöhung der Verkehrssicherheit sicherzustellen. Die Verantwortlichen von Hessen Mobil wurden von der Gemeinde Wehrheim sogar dazu aufgefordert, doch einmal selbst den Test zu machen und sich an die ein- und ausmündenden Straßen an der L 3041 von Obernhain oder Wehrheim kommend zu stellen, um zu sehen, wie schwierig das Ein- und Ausfahren aus diesen Kreuzungsbereichen ist. Denn immer wieder kommt es durch nicht rechtzeitig stehende oder anhaltende Fahrzeuge aus Richtung Neu-Anspach sowie aus Richtung Friedrichsdorf-Köppern und auch aus Wehrheim und Obernhain kommend zu erheblichen Problemen. Sommer betont, dass auch der Regionale Verkehrsdienst, eine Abteilung der Polizeidirektion, die Maßnahme zur Einrichtung eines Kreisverkehrs als positiv betrachte, sodass die Gemeinde Hessen Mobil dazu auffordere, nun "umgehend mit der Umplanung der Kreuzung zu beginnen."

Bereits mit einem Schreiben vom 28. April 2020 hatte die Gemeinde Wehrheim um Abstimmung eines Ortstermins gebeten. Am 12. Mai 2020 hat die Gemeinde dann folgende Info seitens Hessen Mobil erhalten: "Für ein eigenständiges Handeln der Straßenbauverwaltung lagen bisher an dem o.g. Knoten (gemeint hier L3041) keine signifikanten Probleme mit der Leistungsfähigkeit und / oder Unfallhäufungsstelle gemäß hessischer Erlassregelung vor. Diese Situation hat sich aktuell mit der 3-Jahres-Auswertung (2017 bis 2019) des Unfallgeschehens geändert. Nach Erlasslage ist der Knoten jetzt als Unfallhäufungsstelle einzustufen und damit im Rahmen der jährlich stattfindenden Unfallkommission zu behandeln. Aufgrund der aktuellen Situation (Corona) ist die Unfallkommission allerdings auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Wann und wie die nächste Sitzung der Unfallkommission stattfinden wird, steht vor dem Hintergrund der Corona-Auflagen noch nicht fest." Am 14. August 2020 erfolgte ein weiteres Schreiben der Gemeinde Wehrheim, wonach leider bislang keine Information vorliege, wann und in welcher Form eine Ortsbesichtigung stattfinde; es wurde um Nachricht ersucht, wie der derzeitige Sachstand sei. Zuletzt erinnerte die Gemeinde am 23. Dezember 2020 das Amt noch einmal daran, dass auf die Mail vom 14. August 2020 noch nicht einmal eine Reaktion erfolgt sei.

Sommer ist sauer: Bei einer zwischenzeitlich am 20. August 2020 durchgeführten jährlichen (wegen Corona zeitlich sehr eingeschränkten) Besprechung mit den Mitarbeitern des Wehrheimer Ordnungsamtes habe Hessen Mobil einfach nur mitgeteilt, dass ein Kreisel zum aktuellen Zeitpunkt nicht in Betracht komme, da die Örtlichkeit erstmals nach Jahren als Unfallhäufungsstelle auffällig geworden ist, die Verkehrsunfälle nicht auf den Ausbauzustand der Kreuzung, sondern auf das Fehlverhalten der Fahrzeugführer zurückzuführen sei und die Überwachung bzw. Auswertung der Unfälle noch über einen längeren Zeitraum erfolgen müsse - also weitere Jahre ins Land gingen. Was den Rathauschef offenbar in Rage bringt: "Eine Beantwortung unserer Schreiben hat bis heute nicht stattgefunden, es wurde kein Weg gesucht, um mit uns überhaupt ein Gespräch zu führen."

Die bei der Besprechung am 20. August aufgeführte Position von Hessen Mobil könne und werde von der Gemeinde Wehrheim nicht akzeptiert, betont der Bürgermeister: "Die Argumentation greift nicht und ist im Hinblick auf die im Kreuzungsbereich Obernhain der L 3041 in den letzten Jahren massiv auftretenden zum Teil schweren Verkehrsunfälle nicht nachvollziehbar und auch nicht zu akzeptieren. Seitens der Gemeinde Wehrheim wird nun endlich erwartet, dass hier gehandelt wird und der dringend notwendige Kreisverkehr geprüft und eingerichtet wird."

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