In Wehrheim klappert es sich nun gemeinsam statt einsam

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WEHRHEIM - (inf). Er hat die Wehrheimer ganz schön aufgemischt - der Junggeselle im weißen-schwarzen Rock. Seitdem sich kurz vor Ostern ein junger Weißstorch in Wehrheim häuslich eingerichtet hat, hat der Adebar ganz schön viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Sowohl medial, als auch von den Bewohnern des Apfeldorfs. Nicht nur, dass sich die Lokalzeitungen für den großen Storchenvogel interessiert haben - auch das Radio und schließlich auch das Fernsehen waren bereits da und haben über den neuerdings wohl bekanntesten Junggesellen Wehrheims berichtet.

Doch nicht immer war der Storch ein Medienprofi: Zunächst stach der Jungvogel mit einer gewissen Tolpatschigkeit hervor - weil er versuchte, selbstgesammelte Zweige in den zunächst zum Nest auserkorenen Funkmasten zu stopfen. Da die jedoch ständig in die Tiefe fielen und den Wehrheimern, die sich in die Nähe des Funkmasts wagten, aufs Haupthaar zu purzeln drohten, wurde der Geselle kurzerhand in ein stabiles Nest umgesiedelt. Die neue, vollständig renovierte Luxusbude gefiel den jungen Mann ganz offenbar. So sehr, dass es nun eine kleine Überraschung gab. Denn auf einmal saß der Bursche nicht mehr alleine im Nest, sondern hatte es offenbar geschafft, eine Storchendame so sehr zu beeindrucken, dass sie sich nicht lange bitten ließ und sofort bei ihm einzog (auch wenn er die Bude gar nicht selbst gebaut hatte).

"Völlig überrascht"

"Damit hatte in Wehrheim überhaupt niemand gerechnet", erklärt Bürgermeister Gregor Sommer auf Anfrage des Usinger Anzeigers. Denn am Freitagmorgen habe man noch fleißig überlegt, wo denn eine Gefährtin für den Jungstorch überhaupt herkommen soll und wie es denn gelänge, dass das Nest auch tatsächlich genutzt werden wird. Als so waren wir alle dann am Freitagabend mit der Ankunft von beiden Störchen völlig überrascht", verrät er. Dass alles so schnell ging, hätte sich in Wehrheim niemand träumen lassen: "Wir alle waren ein wenig sprachlos", stellt ein beeindruckter Wehrheimer Bürgermeister, der normalerweise nicht auf den Mund gefallen ist, fest und setzt schmunzelnd hinzu: "Und es war also noch nicht einmal ein Casting oder Ähnliches erforderlich." Dabei hatte man sich im Apfeldorf gute Chancen darauf ausgerechnet, den Vogel mit der Aussicht auf ein schönes Heim zum Bleiben überreden zu können. Über das Osterwochenende wurde das Nest gebaut, das Fundament gefertigt, am Dienstag nach Ostern dann das neue Nest von den Mitarbeitern des Bauhofes aufgestellt, am Donnerstag war der Storch im Nest und am Freitagabend hat er seine Herzensdame mitgebracht. Dass die Annahme des Nestes so schnell gehen würde, war auch für die Wehrheimer eine große Überraschung. Nun jedoch seien beide Störche fleißig am Klappern.

Natürlich würde man sich in Wehrheim auch freuen, wenn es zu Storchenkindern kommt. "Es ist einfach nur wunderbar mit anzusehen, welches Naturschauspiel sich derzeit in Wehrheim abspielt und wir alle ein wenig von der Thematik "Corona" zumindest mal etwas abgelenkt werden. Noch nie gab es ein Storchennest in Wehrheim", schwärmt Sommer. Ob sich Wehrheim dann auch "Storchendorf" nennen darf und wird, darüber will man sich noch Gedanken machen. "Es passt jedenfalls wunderbar zu unserer ländlich geprägten Gemeinde. Wir bezeichnen uns zu Recht als "Apfeldorf" und wenn es tatsächlich gelingt, dass wir hier in Wehrheimer Störche haben und diese hier brüten, dann werden wir natürlich hierüber auch mal nachdenken", scherzt das Verwaltungsoberhaupt.

Es ist übrigens geplant, ein zweites Storchennest in der Gemeinde zu bauen, die Gespräche hierzu laufen bereits, denn offenbar seien am Freitag noch zwei weitere Störche in Wehrheim gesehen worden. Und auch die bräuchten eine brauchbare Unterkunft. Sollte deswegen noch ein weiteres, neues Nest errichtet werden, so würden auch dort, so ist sich Sommer sicher, alle Wehrheimer wieder mit anpacken. "Wir alle freuen uns so sehr und es ist eine wunderbare Gemeinschaftsleistung von so vielen Bürgerinnen und Bürgern, die sich unglaublich für unser Dorf engagieren und einbringen", so Sommer. Am kommenden Freitag, 16. April, wird die Wehrheimer Apfelblütenkönigin Celin I. um 12 Uhr vor dem Rathaus zwei Namen aus zwei verschiedenen Lostöpfen ziehen. Und wer weiß - vielleicht werden es ja sogar vier.

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