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In den Umspannwerken der Syna in Westerfeld (Bild) und Laubach wird der über die Überlandleitungen in Hochspannung ins Usinger Land gelieferte Strom für die Verteilung in die lokalen Ortsnetze »heruntergespannt«.

Weihnachtlicher Lichterglanz

Vom 1. bis 24. Dezember bieten wir den UA-Lesern jeden Tag eine kleine oder große Geschichte - informativ, spannend oder zum Schmunzeln - und begleiten so journalistisch die Tage bis Heiligabend. Heute öffnen wir die Tür in ein Umspannwerk.

Usinger Land . Überall und allerorten erstrahlt in diesen Tagen vorweihnachtlich die Festbeleuchtung - egal ob auf Straßen, Plätzen oder daheim in den geschmückten Wohnungen und auch an den Adventsfenstern zur Straße hinaus: in vier Tagen ist Heiligabend.

Den Strom für die »Taunus-Lichtspiele« können die Menschen im Usinger Land stets über die Steckdose anzapfen. Auch, wenn dieser seit der Liberalisierung des Strom- und Energiemarktes bei unterschiedlichsten Anbietern bezogen werden kann, so sind es derzeit dennoch die Mitarbeiter der Syna - einem Tochterunternehmen des hiesigen Stromversorgers Süwag - die das Stromnetz in Schuss halten.

Das Stromnetz im Hochtaunuskreis umfasst nach Konzernangaben bald 4000 Kilometer. Wie ein Spinnennetz legen sich die weitverzweigten Leitungen über unsere Region. Ein Großteil der Leitungen verläuft unterirdisch, der sichtbare Teil sind zumeist die überregionalen Hochspannungsleitungen.

Unentwegt wird neuer Strom über diese Hochspannungsleitungen in den Taunus »geschaufelt«. »Eine verläuft parallel zur A5 vom Main in Richtung Bommersheim und Bad Homburg und Friedrichsdorf zu den dortigen Umspannwerken, sowie weiter über die Saalburg ins Usinger Land«, teilt dazu Thomas Fösel, Syna-Prokurist am Standort Bad Homburg, mit.

Weiterleitung in Ortsnetzte

Hier treffen diese Leitungen, die mit 110 000 Volt tatsächlich unter einer beachtlichen Spannung stehen, in den Umspannwerken in Laubach und Westerfeld ein. Der aus dem deutschen und hessischen Hochspannungsnetz eintreffende Strom wird in den Anlagen auf eine Spannung von 20 000 Volt umgeformt und in die weitverzweigten Ortsnetze weitergeleitet.

Die mächtigen Transformatoren in den Umspannwerken brummen unentwegt. Der Transformator funktioniert nicht anders, als ein Druckregler beim Gas oder Wasser: Er drosselt oder erhöht in einem elektromagnetischen Prozess die Spannung des durchgeleiteten Stroms. Und dabei brummt es eben ganz gewaltig.

Die regionale Weiterleitung erfolgt bei einer Mittelspannung von 20 000 Volt in die Ortsnetz-Trafostationen der 43 Stadt- und Ortsteile im Hintertaunus. »Rund 750 dieser örtlichen Trafostationen gibt es im gesamten Hochtaunuskreis«, so Fösel. In den örtlichen Trafostationen wird die Spannung nochmals gedrosselt. »Auf den letzten 500 bis 1000 Metern wird der Strom mit einer Spannung von 220 bis 380 V bis zum Endverbraucher geleitet.«

Weil der im Hochtaunuskreis benötigte Strom nicht annähernd in ausreichendem Maße produziert wird, muss permanent Strom von außerhalb der Landkreisgrenzen in den Hochtaunuskreis transportiert werden. Neben dem regional eingespeisten Öko-Strom aus Windkraft- und Fotovoltaikanlagen sowie der Biogasanlage auf der Deponie Brandholz, »füttert« das Großkraftwerk Staudinger in Großkrotzenburg nahe Hanau das hessische Stromnetz.

Fährt man aus dem Usinger Land über die Saalburg in Richtung Vordertaunus, sieht man am Horizont an klaren Tagen die weißen Dampfwolken des vorwiegend mit Steinkohle befeuerten Dampfkraftwerkes. Auch das Müllheizkraftwerk in der Frankfurter Nordweststadt speist das heimische Stromnetz.

Nach dem Prinzip der Kraftwärmekopplung wird in dem Kraftwerk von Mainova und der Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES) neben Fernwärme auch Strom erzeugt. Pausenlos kippen Müllfahrzeuge - auch aus dem Hochtaunuskreis - Hausmüll und gewerbliche Abfälle in einen Müllbunker.

Energie durch Verbrennung

Aus dem Müllbunker wird der Müll in einen Spezialkessel gehievt, wo er bei einer Feuerraumtemperatur von bis zu 1000 Grad verbrannt wird. »Bei der Verbrennung wird gleichzeitig Energie freigesetzt«, teilt dazu FES-Pressesprecher Stefan Röttele mit. »Diese wird genutzt, um Dampf auf 500 Grad aufzuheizen uns so einen Druck von 60 Bar zu erzeugen. Mit diesem Dampf als Energieträger wird Strom und Fernwärme erzeugt.«

Gerade in der Adventszeit wird hier deutlich mehr Strom in das regionale Netz für den Hochtaunuskreis gespeist. Zum Glück - will der unersättliche Hunger der Weihnachtsbeleuchtung doch tagtäglich mit ausreichend Strom gestillt sein.

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