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Weil es jeden treffen kann

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Vorsitzender Helmut Lewerenz
Vorsitzender Helmut Lewerenz © ULRIKE KOBERG

Seit über 30 Jahren steht der Verein „Schnelle Hilfe in Not“ Menschen zur Seite.

Bad Homburg -Plötzliche Arbeitslosigkeit, ein schwerer Unfall, eine langwierige Krankheit, der Verlust der Wohnung - die Gründe, warum Menschen auf einmal in außergewöhnliche Notsituationen geraten und unverschuldet große finanzielle Sorgen haben, sind vielfältig. Seit 1989 hat es sich der Bad Homburger Verein „Schnelle Hilfe in Not e.V.“ zum Ziel gesetzt, Menschen in Not mit einer einmaligen Zuwendung zu unterstützen und so deren akute finanzielle Notlage zu lindern.

„Der Verein wurde vor 33 Jahren anlässlich der 1. Bad Homburger Gesundheitswoche von Mitarbeitern der Stadt und dem Unternehmen Fresenius gegründet“, erzählt Helmut Lewerenz., einer der fünf gleichberechtigten Vorstandsmitglieder von „Schnelle Hilfe in Not e.V.“, und kann auf eine sehr erfolgreiche Arbeit in den vergangenen drei Jahrzehnten zurückblicken. Dabei wäre es vor fünf Jahren beinahe zu der Auflösung des Vereins gekommen. Nachdem damals der ehemalige Vorstand nach langjähriger, ehrenamtlicher Tätigkeit zumeist aus Altersgründen die Arbeit abgeben wollte, gab es niemanden aus den eigenen Reihen des Vereins, der die Amtsgeschäfte weiterführen wollte oder konnte. Ein Bericht in der Taunus Zeitung über die bevorstehende Auflösung von „Schnelle Hilfe in Not e.V.“ sorgte dafür, dass zu einer außerordentlich anberaumten Mitgliederversammlung im Juli 2017 einige Bürgerinnen und Bürger kamen, die bereit waren, sich nicht nur finanziell, sondern auch ehrenamtlich im Vorstand des Vereins zu betätigen. Der Verein war gerettet. Heute gehören dem Vorstand Volker Fischer, Thomas Kirchner, Ingo Klamroth, Helmut Lewerenz und Telse Pfeiffer an.

Laut Satzung des Vereins kann jeder, der sich in einer finanziellen Notlage befindet und im Hochtaunuskreis lebt, einen Antrag für eine Hilfe stellen. Dieser ist in der Geschäftsstelle in der Kaiser-Friedrich-Promenade 3 erhältlich oder kann von der Webseite des Vereins heruntergeladen werden. Neben Privatpersonen, die einen Antrag an den Verein stellen können, gibt es auch soziale Institutionen, die sich kurzfristig an die „Schnelle Hilfe in Not“ für einen ihrer Klienten wenden können.

Verein hilft mit maximal 500 Euro

Ist der Antrag eingegangen, wird er in der Geschäftsstelle von den beiden Vorstandsmitgliedern Lewerenz und Fischer auf Vollständigkeit geprüft und dann an die drei anderen Vorstandsmitglieder geschickt. Stimmen alle aus dem Vorstand dem Antrag zu, wird der vorher vereinbarte Betrag ausgezahlt - in einer Höhe von maximal 500 Euro. „Unser Ziel ist es“, sagt Helmut Lewerenz, „innerhalb von 72 Stunden zu prüfen, zu votieren und das Geld bereitzustellen.“ „Große Themen“ bei den Notlagen sind Mietrückstände sowie unbezahlte Strom- oder Arztrechnungen. Bei diesen Anträgen wird das Geld in den meisten Fällen allerdings nicht an den Antragsteller ausbezahlt, sondern direkt an den Rechnungssteller. Damit wollen die Vorstandsmitglieder sichergehen, dass das Geld dort ankommt, wo es hin soll. Denn auch das habe es gelegentlich schon gegeben, sagt Lewerenz, dass das Geld ausbezahlt, dann aber für andere Zwecke verwendet wurde. Durch die momentanen hohen Energiekosten rechnet Lewerenz in der nächsten Zeit verstärkt mit Anträgen auf finanzielle Hilfe.

Neben dem akuten Beitrag bietet der Verein auch Hilfestellung an und zeigt den Menschen Möglichkeiten auf, wie man aus der Notsituation herauskommen kann. Das könne zum Beispiel, so Lewerenz, die Schuldnerberatung der Stadt sein oder auch der Hinweis, wo man für wenig Geld Kleidung bekommen kann wie beispielsweise bei dem Laden der Caritas in der Dorotheenstraße.

Pro Jahr wenden sich etwa 60 Menschen an den Verein „Schnelle Hilfe in Not e.V.“, der zwischen 15000 und 18000 Euro als Hilfsmittel zur Verfügung stellen kann. Möglich machen die finanziellen Hilfen zum einen die Sponsoren - das sind zurzeit die Stadt Bad Homburg, Fresenius, Creatur, Von Poll, First Corner, Steigenberger Bad Homburg, Grafix, Bongers sowie der Bad Homburger Football-Verein „Sentinels“. Dazu kommen Spenden von Privatleuten. Eine weitere Einnahmequelle, so hofft der Vorstand, sollen in Zukunft Strafgelder von Verurteilten sein. Ein entsprechender Antrag, in die Liste derer, an die dieses Geld geht, aufgenommen zu werden, ist beim Gericht in Frankfurt gestellt.

Eine Sorge, die der Verein zurzeit hat, ist die Zukunft ihres Geschäftsraumes. Bei der Neugestaltung des gesamten Areals des Deutschen Roten Kreuzes, soll auch das Haus in der Kaiser-Friedrich-Promenade 3 abgerissen werden. Nun ist der Verein schon auf Suche nach einer geeigneten Unterkunft, was sich jedoch nicht so einfach gestaltet. (Ulrike Koberg)

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