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»Heegers Wiese« ist nach Auffassungen der Agendagruppe ökologisch zu wertvoll, um sie als Ausgleichsmaßnahme für den Bebauungsplan Weilpassage auszuweisen.

Bebauungsplanung

Ärger um »Heegers Wiese« in Rod an der Weil

Umweltschutz gegen Bauplanung der Gemeinde Weilrod: Kann ein bestehendes Biotop zu einer Ausgleichsfläche für den Neubau der »Weilpassagen« gemacht werden?

Weilrod (as). Die Lokale Agenda 21 lehnt die Inanspruchnahme einer Streuobstwiese in der Weilaue als Ausgleichsfläche für den Bebauungsplan »Weilpassagen« ab. Dort sollen in zwei Baukörpern vor und hinter dem Rewe-Markt barrierefreie Wohnungen entstehen. Die Gruppe hält nicht nur die nach ihrer Darstellung ökologisch wertvolle Wiese als Ausgleichsfläche für ungeeignet. Sie hält der Gemeinde und dem Planungsbüro zudem vor, im Hinblick auf die Geschehnisse im Ahrtal die falschen Parameter gesetzt zu haben. Es reiche nicht aus, von 100-jährigen Hochwasserlagen auszugehen.

Gestiegene Hochwassergefahr

Nach Auffassung der Agenda sind die Auswirkungen möglicher Hochwassergefahren für die zukünftigen Bewohner nicht genug untersucht worden: »Hochwasser in großen Gewässern haben oft Vorlaufzeiten von bis zu 48 Stunden, in kleinen Gewässern häufig nur wenige Stunden«, heißt es.

Ähnlich hatte sich auch die Fraktion der Grünen in der Gemeindevertretung, der Holdefer und Teubert angehören, geäußert: »100-jährige« Starkregen kämen längst nicht mehr nur alle 100 Jahre vor. Die Planung müsse daher auf Szenarien ausgerichtet werden, wie sie alle 200 Jahre vorkämen. Auch gebe es Ungereimtheiten was die Erhaltung eines zentralen Öko-Projektes im Plangebiet anbelangt.

Bürgermeister Götz Esser (FWG) bestätigte den Eingang der Stellungnahme, lehnte es aber ab, diese im Rahmen eines noch laufenden Verfahrens inhaltlich zu kommentieren. Es handele sich dabei um eine von mehreren im Rahmen der zweiten Offenlage eingegangenen Stellungnahmen. Sie werde - wie alle anderen - genau bewertet. Anregungen und Bedenken würden, wie das gesetzlich vorgeschrieben sei, fachlich geprüft und dann parlamentarisch beschieden; dem werde er nicht vorgreifen. Wie Esser in seinem Ausblick auf die 2022 in Weilrod anstehenden Bauprojekte erklärt, geht er jedoch davon aus, dass noch 2022 mit dem Bau begonnen werden kann, vorausgesetzt, es müsse keine weitere Offenlage mehr geben. In ihrer Stellungnahme beruft sich die Agenda wie bereits bei der ersten Offenlegung im April darauf, dass es sich bei dem Grundstück um eine Streuobstwiese handele, die seit 2017 von der lokalen Agenda Umwelt aufgrund eines mit der Gemeinde geschlossenen, pachtzinsfreien Baumpatenschaftsvertrags betreut und gepflegt werde. Der Hochtaunuskreis fördere die Pflege der 17 Apfelbäume noch bis Ende 2023 über das HALM-Projekt. Wie die Gruppe weiter betont, werde die Wiese von den Schafen der Familie Heeger beweidet.

Die Agenda-Mitglieder Eva Holdefer, Marlis Teubert und Sabine Neugebauer erklären, dass es in vielen Arbeitseinsätzen gelungen sei, »aus einer völlig verbuschten Fläche wieder eine Streuobstwiese zu entwickeln, woraufhin sich der Zustand der Wiese und der der Bäume erheblich verbessert habe«. Nistkästen seien aufgehängt worden. Mit dem Astschnitt habe man am Weilufer eine Benjeshecke angelegt. Die sei gerade an diesem Standort als Habitat für Vögel, Insekten und Kleinsäugern vortrefflich geeignet.

Bereits in der Phase der Aufwertung

In ihrer Ablehnung bezieht sich die Agenda auch auf den Artenschutzrechtlichen Fachbeitrag, wonach für CEF- (Continuous Ecological-Functionality-meassure) Maßnahmen keine Wiesen oder naturnahen Auenflächen als Ausgleich herangezogen werden sollen, zumal sich die Flächen bereits im Prozess der ökologischen Aufwertung befinden.

Keinen Reim kann sich die Gruppe auf eine Erwiderung auf ihre Stellungnahme vom April machen. Dort sei zu lesen, dass die Benjeshecke »unverändert bestehen bleiben« kann. Nur fünf Absätze weiter heiße es dann aber, es werde »geprüft inwiefern die Benjeshecke von der Maßnahme betroffen ist und ob diese erhalten werden kann«. Offenbar, so die Weilroder Agendagruppe, sei man da »beim Kopieren von Textbausteinen« durcheinandergekommen.

Man könne sich des Eindrucks nicht erwehren, »dass das nach Baugesetzbuch vorgeschriebene Verfahren zur Öffentlichkeitsbeteiligung konterkariert wird, indem ernsthafte, fundierte Einwände mit vorformulierten Textbausteinen beantwortet werden«. Das deute darauf hin, dass »kein Wille zu erkennen ist, berechtigten Einwänden Rechnung zu tragen«, so die Gruppe.

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