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Bei diesem Wetter dürfte sich der Weilroder Eisbär fast wie daheim am Polarkreis fühlen. So blütenweiß wie er sich hier präsentiert, war er aber leider nicht immer.

Energieerlebnispfad in Weilrod

Betreiber stinksauer: Immer wieder Vandalismus auf Windpark-Lehrpfad

Der Energieerlebnispfad durch den Weilroder Windpark sollen Erwachsenen und Kindern die Geschichte der Energienutzung zeigen - vor allem mit Blick auf die erneuerbaren Energien. Doch er wird immer wieder Opfer von Vandalismus.

Weilrod. Wer nicht kommt zur rechten Zeit, der muss lesen was übrig bleibt. Viel nachzulesen gibt es derzeit entlang des Energieerlebnispfades durch den Weilroder Windpark allerdings nicht. Viele der Stationen, an denen Kindern und auch vielen Erwachsenen die Fragezeichen in den Augen stehen, sind leider unbrauchbar. Immer wieder werden die eigentlich sehr robusten umklappbaren Frage-und-Antwort-Tafeln von Vandalen zerstört. Entweder fehlen die Fragen oder die Antworten, häufig aber auch beides.

Betreiber ist verärgert - Zerstörung durch Windkraftgegner unwahrscheinlich

Alexander Koffka, beim Windparkbetreiber ABO Wind für Kommunikation verantwortlich, weiß das und ärgert sich darüber. Sinn des 2015 anlässlich der Inbetriebnahme des Windparks von ABO Wind angelegten Energieerlebnispfades ist es, auf fünf Kilometern Kindern und Erwachsenen Informationen zur Geschichte der Energienutzung anzubieten, wobei der Fokus natürlich auf den »Erneuerbaren« liegt. Koffka glaubt übrigens nicht, dass die Zerstörung auf das Konto von Windkraftgegnern geht, »dann wäre mehr kaputt«.

Das sieht auch Stefan Bommersheim so. Der Mauloffer ist Parkbetreuer und kümmert sich auch um den Energieerlebnispfad. Erst 2020 habe er etliche Tafeln erneuert, doch schon Wochen später seien sie wieder kaputt gewesen. Bommersheim hält Augen und Ohren offen, einen Verdacht hat er aber nicht, weiß also auch nicht, ob es lokale oder zugereiste Täter sind.

Weilroder Bürgermeister: Können den Weg nicht Tag und Nacht bewachen

Weilrods Bürgermeister Götz Esser (FWG) kann nur den Kopf schütteln. Auch die Gemeinde habe ein Auge auf den Weg, könne ihn aber auch nicht Tag und Nacht bewachen. »Letztes Jahr ist der Bauhof mit dem Farbeimer ausgerückt und hat den in Schwarz-Rot-Gold umlackierten Eisbären wieder weiß gemacht«, erzählt Esser. Um Vandalismus vorzubeugen, könnte er sich QR-Codes an den Stationen vorstellen.

Alexander Koffka hat darüber ebenfalls nachgedacht, setzt aber eher auf analoge Information: »Natürlich hat heute jeder ein Smartphone, aber es muss auch überall Netz geben und das Portal, das dafür vorgehalten werden muss, bedarf ständiger Pflege, denn der Anspruch heutiger Nutzer ist hoch. Auch meinen wir, dass man beim Besuch in der Natur auch einmal ohne Smartphone auskommen sollte.«

Auftrag zur Reparatur bereits erteilt - Neue Schilder sind widerstandsfähiger

Natürlich werde ABO Wind den Energielehrpfad wieder reparieren, sagte Koffka. Der Auftrag, die Klapptafeln zu erneuern, sei bereits erteilt. Der Betrieb, der die Arbeiten ausführen soll, sei coronabedingt aber in Verzug. Man rechnet mit einem Austausch bis zum Frühjahr.

»Wir haben dazugelernt, die neuen Materialien werden witterungsbeständiger, aber auch resistenter gegen mutwillige Zerstörung sein«, sagt Koffka. Auch wolle man die Gelegenheit nutzen, einige Fragen und Antworten, die inhaltlich etwas veraltet seien, zu überarbeiten und am Fortschritt der Technologie der Windkraftanlagen neu auszurichten.

Der Weilroder Energielehrpfad ist einer von drei Themenwanderwegen, den ABO Wind bislang in enger Verzahnung mit den Tourismusorganisationen angelegt hat. Flaggschiff, so Koffka, ist der »Windweg« im Hunsrück, »dort gibt es sogar ein ausrangiertes Rotorblatt, auf dem die Kinder herumklettern können.«

Eisbär im Maßstab 1:1 soll auf die Probleme des Klimawandels hinweisen

Im Windpark Weilrod ist es kein Rotorblatt, aber ein aus Holz gefertigter Eisbär im 1:1-Maßstab, der die Problematik des Klimawandels dokumentiert. Er dient vielen Kindern als Reittier, vor dem Hintergrund des Klimawandels ist er in gewisser Weise aber auch »Problem-Bär«.

Er hat einen prominenten Fan in der internationalen Politik und dort »viel Wind gemacht«: 2017 war es, als sich Kanadas Umweltministerin Catherine Mary McKenna gemeinsam mit Vertretern von ABO Wind die Wanderschuhe geschnürt und den Rundweg zum Abschluss eines Deutschlandbesuchs persönlich in Augenschein genommen hat. »Besonders der Eisbär hatte es ihr angetan«, erinnert sich Koffka an den Besuch der Ministerin. Diese hatte den Energielehrpfad begeistert als »Vorbild für ähnliche Projekte in Kanada« bezeichnet. Er sei eine tolle Möglichkeit, das Thema neue Energien zu entdecken.

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