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Nach der Ankunft am Riedelbacher Feuerwehrgerätehaus wird das neue Katastrophenschutzfahrzeug von der Wehrführung einer umfassenden Besichtigung unterzogen.

Endlich ist das neue Feuerwehrauto da

Weilrod-Riedelbach (as). »Martinshorn und Blaulicht funktionieren schon mal« - Jürgen Mühle, Chef des Katastrophenschutzzugs der Weilroder Feuerwehren, wirkte entspannt, als das neue »LF-KatS« am Dienstagabend nach 15-jähriger »Anreise« vor dem Riedelbacher Feuerwehrdepot vorfuhr und rückwärts in die Garage bugsiert wurde - feuerrot, stattlich, breit und vor allem hoch, so hoch, dass einem Feuerwehrmann aus dem Empfangskomitee ein erleichtertes »Ups, viel höher sollte es aber auch nicht sein« entfuhr.

Mit zu hohen Autos oder zu niedrigen Toren kennt man sich in Weilrod aus, es gab da mal ein Problem in Emmershausen mit dem Wasserwerfer. 3,30 Meter Abstand zwischen den grobstolligen Reifen im Format 365/85 R 20 und den geradezu grazil anmutenden Blaulichtern sind aber auch schon Respekt einflößend.

15 Jahre Wartezeit, endlich. In der Tat haben die Weilroder Katastrophenschützer lange, sehr lange auf den Nachfolger des uralten, 84-er »Rundhaubers« gewartet. Weit jenseits des normalen Rentenalters für Feuerwehrautos war der zum Schluss nur noch vom guten Willen zusammengehaltene Löschlaster schon vor ein paar Jahren ausgemustert und an einen Liebhaber versteigert worden, der ihn zum Wohnmobil umgebaut hat.

Das neue LF-KatS ist einer von 306 Serienbrüdern, die das Bundesinnenministerium bereits vor Jahren beim österreichischen Feuerwehrgerätehersteller Rosenbauer zur Aufrüstung des Katastrophenschutzes in Auftrag gegeben hat, weitere rund 600 Fahrzeuge dieses Typs sind bereits beauftragt und in der »Pipeline«. Das jetzt an die Riedelbacher Wehr ausgelieferte Auto ist eins von zwei, die künftig im Hochtaunus die Depots verlassen, wenn es irgendwo im Land eine Katastrophe gibt. Das zweite steht in Oberursel.

»Hätten wir den Wagen schon im Sommer gehabt, wären wir damit im Ahrtal gewesen«, beschreibt Mühle den Zweck solcher Autos, die den Bund viele Hundert Millionen Euro kosten. Mit einem Kaufpreis von 220 000 Euro mutet der Riesenbrummer fast wie ein Schnäppchen an, »bei über 300 Bestellungen macht es da wohl die Masse«, sagte Gemeindebrandinspektor Stefan Jochetz, der das neue Fahrzeug am Morgen gemeinsam mit seinem Stellvertreter Holger Sorg und Riedelbachs Wehrführer Mario Urban im Auslieferungsbetrieb in Bonn abgeholt hat. »Läuft super«, meinte Urban, als er das Cockpit nach dem Einparken im Gerätehaus leichtfüßig verließ, er hatte die ganze Strecke am Ruder gesessen, denn weder Jochetz noch Sorg hatten die passende Fahrlizenz. »Beifahrer ist aber auch mal ganz schön«, meinte Jochetz, der dafür Zeit hatte, sich im Führerhaus umzuschauen: »Das Navi ist prima, es sucht nur Strecken aus, wo das Auto auch durchpasst, Torbogen in Aleweile geht also nicht.« Irgendwie beruhigend.

Anders als bei von der Gemeinde beschafften und auch bezahlten Feuerwehrautos durfte die Weilroder Wehr bei der Ausstattung nicht mitreden. Dazu Stefan Jochetz: »Die KatS-Fahrzeuge, sind von der Stange, gehören dem Bund und werden über die Länder an die Kommunen verteilt, deshalb auch das Kennzeichen WI-KS 4307, für uns ist es praktisch nur ein Leihwagen.«

Vize Sorg ergänzt: »Das Auto ist in erster Linie für den Bevölkerungsschutz gedacht, darf aber auch bei lokalen Schadenlagen eingesetzt werden und ist damit eine gewaltige Verbesserung des Brandschutzes auch in Weilrod.«

Der Bund wird das in RAL3000 verpackte Weihnachtsgeschenk an die Weilroder Wehr genau im Auge behalten: »Einmal im Jahr müssen wir selbst nach einem genau vorgegebenen Prüfraster eine Art TÜV selbst machen, und alle zwei Jahre kommt jemand vorbei und nimmt eine noch genauere Funktionsprüfung vor«, weiß KatS-Chef Stefan Mühle. Zum Instandhaltungsprozedere gehören auch regelmäßige Bewegungsfahrten, möglichst ohne den Landkreis dabei zu verlassen.

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