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Renate Huber aus Neuweilnau kommt gut mit dem Angebot des Verkehrsverbands Hochtaunus zurecht.

Gut vernetzt oder abgehängt?

»Gut vernetzt im Hochtaunuskreis«. Mit diesem Slogan wirbt der Verkehrsverband Hochtaunus für sein Angebot. Doch wie sieht es in Weilrod aus? Wie mobil sind die Familien mit Kindern, Jugendliche, Senioren oder auch Beeinträchtigte, die nicht Auto fahren können, die Geflüchteten, die hier noch keinen Führerschein haben und auch kein Auto, oder auch diejenigen, die aus Umweltgründen lieber auf das Auto verzichten möchten, mit dem ÖPNV?

Welche Probleme haben sie, welche Alternativen haben sie entwickelt? In einer kleinen Serie geht der UA diesen Frage nach und befragt Betroffene.

Weilrod . Mit seinen 165 Einwohnern ist Neuweilnau zwar der kleinste Ortsteil Weilrods liegt aber verkehrsgünstig. Die Bundesstraße 275 führt knapp vorbei und auch im Zuge der Weilstraße liegt das Schlossdorf nur an einem Schlenker. Diese gute Straßenanbindung schlägt sich auch in den Busverbindungen des Verkehrsbandes Hochtaunus nieder. Sowohl die Buslinie 50 Rod an der Weil - Bad Homburg, die Linie 61 Riedelbach - Usingen - Neu-Anspach als auch die Linie 81 Rod an der Weil - Königstein haben Haltepunkte in Neuweilnau. Darum ist Renate Huber (64) auch zufrieden mit ihrem Wohnort, einem »Dreh- und Angelpunkt« im Öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV) in Weilrod.

Die gebürtige Neuweilnauerin ist nach Lebensstationen im Allgäu und in verschiedenen Weilroder Ortsteilen vor einigen Jahren wieder nach Neuweilnau zurückgekehrt. Als Erzieherin arbeitete sie zunächst im Kindergarten in Mauloff, später im Waldkindergarten in Riedelbach bis ihre Augen zu schlecht wurden. Aber in der Weilroder Verwaltung konnte sie die vergangenen sieben Jahre weiterarbeiten, bis sie im August diesen Jahres in Rente ging. Aufgrund ihrer Augenerkrankung kann sie seit Jahren schon kein Auto mehr fahren, ist also auf den Öffentlichen Nahverkehr angewiesen. »Ich habe mich eingefuchst«, beschreibt sie ihr Verhältnis zum Busfahren und ist nicht unzufrieden damit. Als Schwerbehinderte steht es ihr als Nachteilsausgleich zu, den ÖPNV kostenfrei zu nutzen.

Von Neuweilnau aus in den Urlaub

»Für mich ist wichtig, dass ich fahren kann«, so Huber. Man müsse sich eben die Zeit nehmen und sich darauf einrichten. Nach Bad Homburg gehe ja alle zwei Stunden ein Bus und dieser sei dann eine Stunde dorthin unterwegs. »Aber man braucht ja bei der Busfahrt nicht die Aufmerksamkeit wie beim Autofahren«, beschreibt sie die Vorteile des »Chauffiert-Werdens«. Und so starte sie auch von Neuweilnau aus mit dem ÖPNV in den Urlaub. Bis zur S-Bahn sei es kein Problem und beim Einsteigen in den ICE bekomme sie auf telefonische Anforderung beim Mobilitätsservice der Bahn Unterstützung.

Wenn sie zu einem Arzt- oder anderen Termin fahren wolle, schaue sie erst nach, wann sie im gewünschten Ort ankommen könne und mache dann erst den Termin aus. »Ich habe mich so daran gewöhnt«, betont sie, »wenn man das immer macht, ist das gar kein Problem«. Sie freut sich auch über die neuen barrierefreien Bushaltestellen. Es sei sicher für die Busfahrer schwierig, so genau an den Bordstein zu fahren, dass kaum eine Lücke bleibt.

Sie wünscht sich allerdings, dass die Busfahrer ihre Busse immer ohne zu fragen absenken, um den ebenen Einstieg zu gewährleisten und das nicht nur für sich, sondern für alle, insbesondere gehbehinderte Personen oder solche mit Rollator oder Kinderwagen. In den Städten habe sie erlebt, dass die Busfahrer dies immer tun. Ihr selbst sehe man auch nicht an, dass sie sehbeeinträchtigt sei. Da bekomme sie auch schon mal eine pampige Antwort, wenn sie nach der Nummer des Busses frage. Und so habe sie sich auch schon die Fragen so zurecht gelegt, dass es nicht auffalle. Aber rund 80 Prozent der Busfahrer seien freundlich,

Hier, ziemlich am Ende der Buslinien, seien die Busse zwar recht leer, stellt Huber fest, aber je dichter man in Richtung Rhein-Main-Gebiet komme desto voller seien sie. Ab Schmitten stiegen beispielsweise in den 50er viele Fahrgäste zu. In Richtung Usingen nutzten auch viele Geflüchtete die Busse. Das Anruf-Sammel-Taxi (AST) nutze sie selten, aber es funktioniere ebenso gut. Wenn man jeden Tag damit fahre, müsse man auch nicht täglich eine Stunde vor der gewünschten Abfahrt in der Zentrale anrufen.

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