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Stefan Jochetz Gemeindebrandinspektorl

Je mehr, desto besser für die Wehr

Weilrod (inf). An der Feuerwache in Rod an der Weil, die sich bekanntlich direkt am Ortseingang findet, prangt ein großes Transparent. »Werde Unterstützer« steht da mehr oder minder deutlich - ob nun aktiv oder passiv. Dieses Transparent macht auf eine Situation aufmerksam, die sich bei vielen Wehren findet: Denn auch in Weilrod herrscht - wie eigentlich überall - Personalmangel.

Sowohl bei den Aktiven als auch bei den passiven Mitgliedern, den finanziellen Unterstützern.

Dies ist zum Teil dem demografischen Wandel zuzuschreiben, als auch der Unlust vieler Menschen, sich noch aktiv in einem solch verantwortungsvollen Ehrenamt zu betätigen. »Momentan sind wir zwar mit 253 Leuten in der Einsatzabteilung gut aufgestellt, jedoch waren wir bereits einmal in Spitzenzeiten um die 270 Leute. Das war natürlich wesentlich besser«, so Gemeindebrandinspektor Stefan Jochetz gegenüber dem Usinger Anzeiger. Auch wenn 253 Personen auf den ersten Blick einmal viel erscheinen, man sollte immer im Hinterkopf behalten, dass sich diese Personenstärke auf einen Ort mit 13 Ortsteilen bezieht. »Und dann haben wir eine Situation wie in Winden, wo wir chronisch unterbesetzt sind und wo es schön wäre, wenn wenigstens die Grundstärke erreicht werden würde«, bekennt sein Stellvertreter, Björn Veidt, im Gespräch.

In Rod an der Weil, wo mittels Plakat aktiv nach Unterstützern gesucht wird, beträgt die Mannschaftsstärke beispielsweise 24 Personen. »Doch davon arbeiten die Leute teilweise im Schichtbetrieb und im Homeoffice«, erklärt Wehrführer Martin Pitton. Die Tageseinsatzstärke der Wehr in Weilrod beträgt - abhängig vom Tag - zwischen zwei bis sieben Personen. »Darum werden tagsüber auch mehr Wehren alarmiert, um die geringe Einsatzstärke zu kompensieren. Doch natürlich sei es in diesem Zusammenhang schöner, wenn die Wehr auf mehr Kräfte zurückgreifen könnte.

Auch Dennis Schütz vom Feuerwehrverein Rod an der Weil wünscht sich mehr Unterstützung. Wenn er träumen dürfte, so Schütz, wäre es schön, wenn in jedem Haushalt in Rod an der Weil eine Person in irgendeiner Form Mitglied im Feuerwehrverein wäre. »Das gilt natürlich auch für passive Mitgliedschaften«, betont Schütz. Denn gerade deren Spenden würden dringend benötigt.

So werden besondere Anschaffung durch Gelder aus dem Feuerwehrverein abgedeckt. Dies erklärt Wehrführer der Wehr in Rod an der Weil, Martin Pitton: »Von diesen Geldern werden beispielsweise Zusatzausstattungen für die Einsatzfahrzeuge gekauft, beispielsweise ein Wärmebildkamera, neue Helmlampen für die Atemschutzgeräteträger oder bessere Einsatzstiefel. Ein Teil des Umbaus des Gerätehauses sowie neue Spinde wurden aus Spendengeldern der passiven Mitgliedern finanziert. Ebenso könnte über diese Gelder ein Mannschaftswagen finanziert werden«, so Pitton. »Aktuell haben wir einen VW-Bus, der aber schon einige Jahre auf dem Buckel hat. Mittelfristig, in den nächsten eins bis fünf Jahren brauchen wir mit Sicherheit einen neuen Wagen«, erklärt der Wehrführer.

Mit einem einfachen Kauf sei es übrigens nicht getan, der Wagen müsse dann auch noch für Feuerwehrbelange umgerüstet werden, damit die Wehr dann in voller Stärke zu einem Brand ausrücken könne. Denn diese Wagen sind mit einer Grundausstattung ausgerüstet, die auch im Brandfall eingesetzt wird. Aber das Fahrzeug wird natürlich auch eingesetzt, wenn die Kinder- und Jugendwehren Ausflüge unternehmen.

Aktiv werden kann in der Feuerwehr übrigens jeder, der das 18. Lebensjahr erreicht hat. »Dazu kommt dann natürlich noch die Ausbildung. Es dauert ein paar Jahre, bis jemand dann tatsächlich eingesetzt wird«, erklärt Veidt gegenüber dem UA. Ein Limit ist um die 55 Jahre erreicht. Und wenn ein/e aktive/r Feuerwehrmann oder Feuerwehrfrau das 60. Lebensjahr erreicht habe, müsse ein Arzt seine/ihre weitere geistige und körperliche Tauglichkeit bestätigen.

Und so bleibt den Wehren nur, zu hoffen, dass Menschen auf das Plakat am Ortseingang aufmerksam werden und sich für eine Unterstützung begeistern können. Denn wenn sich nicht genügend Leute finden sollten, könnte die Gemeinde laut dem Hessischen Brand- und Katastropenschutzgesetz eine Pflichtfeuerwehr beschließen, in der alle »Wehrfähigen« zwischen 18 und 50 Jahren zum Dienst bei der Feuerwehr verpflichtet werden können, um Brandschutz und Gefahrenabwehr zu gewährleisten. Ein solcher Fall hatte zuletzt in der Gemeinde Helsa in Nordhessen für Schlagzeilen gesorgt, wie die »Hessisch-Niedersächsiche Allgemeine« berichtete. ARCHIVFOTO: NEUGEBAUER

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