Weilroder Kindergarten als Geburtshelfer für einen Fantasyroman

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USINGER LAND - (inf). Was wäre, wenn Rosa an jenem Tag besser aufgepasst hätte und Ben nicht vor den marsroten Sportwagen gerannt wäre? In dem Fall hätte Ben vermutlich sein langweiliges und selbstgefälliges Leben weiterleben können. Doch die Begegnung mit Rosa hatte das Leben des Bankers grundlegend verändert. Hatte es um so viele Ebenen bereichert, dass er nicht mehr so weitermachen konnte, wie noch zuvor.

Wegen ihr hatte er unfreiwillig einen Ausflug in ein Land einer anderen Dimension unternommen, das über einen Durchgang zu erreichen gewesen war, der sich in einem Kühlschrank befand. Ein Land, in dem er Freundschaft fand, Zusammenhalt erfuhr und die Hüterin eines fantastischen Geheimnisses kennengelernt hatte.

Das Erstlingswerk von Laura Ventur mit dem Namen "Whalea" handelt von zwei Leben und zwei Welten - jeweils strikt voneinander getrennt, doch untrennbar miteinander verwoben. Dort dreht sich alles um das gleichnamige Land hinter der Realität, in dem Magie, Elfen und Drachen noch sehr real sind und von denen sich einige Überbleibsel sogar noch in der Menschenwelt befinden - wenn auch gut verborgen. Und es hat etwas mit Heimat zu tun, denn Rosa und Ben begegnen sich zum ersten Mal in Frankfurt auf der Straße. Dabei verbindet sie die Handlungsstränge in Vergangenheit und Gegenwart in zwei unterschiedlichen Dimensionen.

Die Autorin Laura Ventur ist ein Kind des Usinger Landes. Obgleich die 58-Jährige nicht im Hochtaunus geboren wurde, sondern in Köln, lebte sie schon seit 1992 in Weilrod, zog erst vor Kurzem nach Bad Camberg. Und seit Jahren schreibt Ventur schon, allerdings nicht immer als Romanautorin, sondern zunächst in der Industrie und als freie Journalistin, unter dem Kürzel (df) auch für den Usinger Anzeiger. "Ich habe irgendwann entdeckt, wie spannend es ist, bestimmte Inhalte mit Worten zu füllen", sagt sie. Schließlich seien ihr all die Dinge auf den Schreibtisch gelegt worden, die in irgendeiner Form mit Buchstaben zu tun hatten. Und so hat sie diesen Weg der Worte unbeirrt weiterverfolgt.

Die Basis für die Fantasy-Geschichte "Whalea" beruht auf einem Ereignis in der Vergangenheit. "Es gab eine ganz konkrete Situation, die den Grundstein für die spätere Romanhandlung legte: Damals, im Kindergarten meiner Tochter, war wegen einer bestimmten Begebenheit das Gerücht unter den Kindern aufgekommen, ich sei eine Hexe. Und dies habe ich dann weitergesponnen und in der Geschichte verarbeitet", sagt Ventur gegenüber dem UA. Viele Jahre hat es jedoch gebraucht, bis sie sie auch tatsächlich zu Papier gebracht hat. "2014 habe ich den Prolog und das erste Kapitel für das Buch geschrieben und bin dann beim zweiten Kapitel steckengeblieben. Einfach weil ich nicht wusste, wie es weitergehen sollte", so Ventur. "Oder ich kam mit der Recherche nicht weiter, denn der Roman lehnt sich an den historischen Fall der Anna Maria Schwägelin an, der letzten Hexe, die 1775 auf deutschem Boden verurteilt wurde."

Monate und Jahre blieb das Buch unvollendet, die Idee in den Kinderschuhen stecken. "Ich habe immer mal wieder einen Gedanken daran verschenkt, aber ich hatte diesbezüglich eine richtige Schreibblockade." Erst 2019 sei in ihr der Gedanke gewachsen: "Wenn du es jetzt nicht schreibst, dann schreibst du es nie mehr." Und so habe sie sich in der Coronazeit auf den Hosenboden gesetzt, angefangen - und nicht wieder aufgehört. "Die Handlung hat mich getragen und die Figuren haben mir quasi ihre Geschichte in die Finger diktiert."

Ihre ganz persönliche Lieblingsstelle dreht sich um den Drachen Falawis. "Dieser Drache war mir von Anfang an sympathisch. Ich hatte ihn zwar beschrieben, seine Figur aber nicht weiterentwickelt. Als meine Lektorin dies las, meinte sie, dass ich ihn entweder rausstreichen, kürzen oder weiterentwickeln solle. Und dann schrieb ich auch seine Geschichte in einem eigenen Kapitel auf. Es kam als Letztes hinzu, nachdem die erste Romanfassung bereits lektoriert worden war."

Überhaupt nicht auf dem Schirm gehabt habe sie übrigens, dass der Stoff tatsächlich für einen zweiten Teil reicht. Und so hat die Geschichte einige Cliffhanger und noch viele offene Enden, die Lust auf einen zweiten Teil machen. "Der ist bereits in Arbeit. Denn die Geschichte ist einfach noch nicht zu Ende erzählt", merkt Ventur an. Doch nun will sie ihr erstes Buch zunächst einmal den Menschen im Usinger Land und darüber hinaus vorstellen.

Wer selbst hineinlesen möchte, kann dies unter der ISBN-Nummer 978-3-7541-1151-2 beim Buchhändler (Thalia.de, bücher.de) oder bei amazon als E-Book tun. Weitere Infos gibt es unter www.whalea.de im Internet.

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