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Wehrheims Wehrführer Patrick Neumann erläutert, welche Geräte und was für eine Grundausstattung ein Löschfahrzeug zum Einsatz mitführt.

Wenn jeder Handgriff sitzen muss

Wehrheim . Tagtäglich öffnen wir allerlei Türen und Fenster - auch beim Adventskalender - und werfen einen Blick auf das, was sich dahinter verbirgt. Zumeist werden diese über Türbänder oder die Fensterscharniere geöffnet. In unserem heutigen Fall ist das »Schließprinzip« ein grundverschiedenes.

Wenn Wehrführer Patrick Neumann und die Aktiven der Einsatzabteilung der Wehrheimer Wehr nach der Alarmierung zu einem Feuer oder einem Verkehrsunfall ausrücken, müssen sich die Kameradinnen und Kameraden nicht nur aufeinander verlassen können.

Gewiss, jeder Handgriff muss sitzen. Immer und immer wieder werden die Abläufe und Zuständigkeiten geübt. Ganz entscheidend für das Funktionieren und für einen erfolgreichen Einsatz ist dabei auch, dass für alle Einsatzlagen vor Ort das benötigte Material zur Brandbekämpfung oder zum Retten von Menschenleben verfügbar, sofort gefunden, vor allem aber auch von Gerätewart Manuel Fey nach voller Funktionsfähigkeit und Verfügbarkeit geprüft wird.

Der 36-jährige gebürtige Wehrheimer öffnet heute für unsere Leserinnen und Leser einen der Rollläden an der Seite des Löschfahrzeuges LF-20, das bei technischen Hilfeleistungen bei Verkehrsunfällen, aber ebenso bei der Brandbekämpfung mit neun Mann oder Frau an Bord ausrückt.

»Alles, was unsere Fahrzeuge an Material geladen haben, kann zum Einsatz kommen. Wir müssen für alle Fälle und Eventualitäten schließlich gerüstet sein«, sagt Neumann, der mit 14 Jahren bei der Jugendfeuerwehr begonnen hat und seit dem 18 Lebensjahr zur Einsatzabteilung gehört.

Natürlich können sich die Technik, der Bedarf und die Notwendigkeiten ändern, weshalb die Geräte nicht nur permanent gewartet, sondern auch durch Ersatz- oder Neubeschaffung stets auf dem neuesten Stand gehalten werden. »Was auf dem Feuerwehrfahrzeug als Grundausstattung drauf sein muss, gibt uns eine Norm vor«, sagt der Wehrführer. »Extrawünsche für eine geeignete Sonderausstattung kommen hinzu.«

Und was muss im LF-20 für die Aktiven jederzeit an vorgegebenem Platz verfügbar sein? Ein altgedienter Feuerwehr-Pickel gehört zur Grundausstattung. Mit ihm können Zimmertüren aufgebrochen, Räume abgesucht oder Schutt beiseite geräumt werden. Putz-, Reinigungs- und Hygienemittel sind ebenso an Bord wie zwei Kanister mit 20 Liter Ölbindemittel. Schweres Gerät, wie ein tragbareres Akku-Hydraulik-Aggregat zum Betreiben von Spreizern und Schneidwerkzeug. Wie im Kinder-Spielzimmer sind in der gelben Kiste auch Holzklötze gelagert, die aber als Unterbausystem zur Stabilisierung von Unfallfahrzeugen benötigt werden.

Schutzbrille und Werkzeug liegen ebenso griffbereit hinter dem hochgeschobenen Rollo wie Atemschutzgeräte, die eigentlich bei jedem Löscheinsatz geschultert werden. Für Neumann war der Eintritt bei der Jugendwehr der erste Schritt, um sich einen Kindertraum zu erfüllen.

Sein Ehrenamt als Wehrführer kann er nur deshalb so gut ausfüllen, weil er als Elektroinstallateur vor Ort bei Elektro Wagner arbeitet. Vor allem aber auch deshalb, weil er den Job gut mit seinem Privatleben vereinbaren kann, denn auch seine Partnerin ist bei der Wehr aktiv. »Bei Alarm laufen wir beide sofort los«, sagt Neumann und lacht. »Da gibt es dann keine Diskussionen.«

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