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Wer hat Bonnie gesehen? Greifvogel in Neu-Anspach ausgebüxt - Besitzerin bittet um Hilfe der Bevölkerung

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Von: Philipp Keßler

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Normalerweise sind Ursula Zieten und ihr Rotschwanzbussard Bonnie ein gutes Team, aber aktuell lässt sich der entwischte Greifvogel nicht von der Falknerin anlocken. © pv

Augen auf im Taunus: Eine Falknerin aus Neu-Anspach vermisst ihre Greifvogel-Dame Bonnie. Die ist am Montag ausgebüxt - und ließ sich bislang trotz mehrerer Versuche nicht einfangen.

Neu-Anspach. Wer dieser Tage im Usinger Land einen wirklich großen Vogel sieht, der sollte aufpassen - und schnell zum Telefon greifen. Denn dann handelt es sich vermutlich um Bonnie, einen Rotschwanzbussard. Der 14 Jahre alte Greifvogel ist seit Montagmorgen »auf der Flucht«, nachdem eine Dachlawine die Voliere bei Falknerin Ursula Zieten beschädigt hatte, sodass Bonnie entwischen konnte.

Keine Gefahr für Menschen, Vogel kann alleine in der Natur überleben

»Leider ist ein solcher Vorfall meist die Verkettung dummer Zufälle - hier erst die Dachlawine von der Nachbarscheune, dann hat Bonnie aktuell kein Glöckchen an, da das kurz vor Weihnachten kaputtgegangen ist und ich es entfernen musste, und weil es gerade Winter ist, trägt sie auch keinen Sender«, erklärt Zieten, die seit 20 Jahren Falknerin ist.

Wichtig zu wissen: Erstens geht von der Bussard-Dame keine Gefahr für Menschen aus, und zweitens kann sie auch gut alleine in der Natur überleben. Zieten: »Sie würde nicht einmal einen Fremden anfliegen, wenn er meine Handschuhe trägt und ihr Lieblingsfutter dabei hat. Bevor sie verhungert, nimmt sie aber alles an Fleisch, was sie bekommt.« Das können Mäuse, Kaninchen oder andere kleine Nager sein, aber selbst junge Hasen stehen auf der Speisekarte des Vogels, der ursprünglich aus Amerika kommt.

Greifvogel Bonnie wurde bereits mehrfach gesichtet

Genau wegen dieses Aspekts sind Falkner wie Zieten auch angehalten, entwischte Tiere nach Möglichkeit schnell wieder einzufangen - um Durchmischungen mit heimischen Vogelarten zu verhindern. Aufgrund ihres bereits fortgeschrittenen Alters von 14 Jahren - Rotschwanzbussarde können in menschlicher Obhut bis zu 30 Jahre alt werden - und aufgrund der Tatsache, dass sie sich noch nie mit einem Männchen gepaart habe, geht Zieten aber nicht davon aus, dass Bonnie einen Vogel-Herren an sich heranlassen würde, denn Greifvögel kommen als Futterfeinde untereinander oft nicht besonders gut zurecht.

Nichtsdestotrotz: Die Suche ist längst in vollem Gange. Nach ihrer Flucht am Montagmorgen verbrachte Bonnie Nachmittag und Nacht in einer Tanne in Zietens Garten in Neu-Anspach, ehe sie am Dienstagvormittag verschwand. Am Mittwochvormittag fand Zieten sie am Grünwiesenweiher zwischen der B 275 und Hausen-Arnsbach, doch Bonnie ließ sich in beiden Fällen nicht anlocken - im Gegenteil: Am Mittwoch ergriff Bonnie die Flucht, als Zieten sie durchs Fernglas beobachtete. »Diese Tiere sind und bleiben Fluchttiere. Sie behalten ihre natürlichen Instinkte. Es sind wilde Vögel.« Genau darin liegt die Gefahr: »Wenn ich sie nicht bald wiederbekomme, verwildert sie. Dann bin ich in einigen Wochen vergessen, zumal sie merkt, dass sie ohne mich klarkommt.«

Falknerin Ursula Zieten ist nun auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen

So ist Ursula Zieten auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen: Wer Bonnie sieht, soll sich bei ihr (Tel. 0 17 96 85 06 24) oder bei ihrem Chef, dem Inhaber des Falkenhofs auf dem Großen Feldberg, Christian Wick (Tel. 01 70/6 81 18 98), wenden. Nur bei zeitnaher Information könnten sie schnell zum Sichtungsort fahren, mit Handzeichen, Winken und Pfiffen sowie mit Futter als Lockmittel versuchen, den Vogel anzulocken und schließlich wieder einzufangen. Denn: Greifvögel »kann man nicht wie einen Hund dressieren. Sie hört nicht auf ihren Namen, sie hat nur gelernt, dass es auf dem Handschuh Futter gibt.«

Übrigens: Wenn Bonnie nicht in Neu-Anspach wohnt und mit Zieten auf die Jagd geht, ist sie - wie viele andere Greifvögel auch - auf dem Falkenhof auf dem Feldberg zu sehen. Dort absolviert sie teilweise auch die publikumsträchtigen Freiflüge, für die sie ebenfalls trainiert ist.

So sieht Bonnie aus

Bonnie, der Rotschwanzbussard, ist deutlich größer als ein heimischer Mäusebussard. Die Tiere, bei denen übrigens die Weibchen rund ein Drittel größer sind als die Männchen, haben eine Körperlänge von 45 bis 58 Zentimetern und eine Spannweite von 107 bis 141 Zentimetern. Bonnie hat an den Beinen lange Manschetten mit jeweils rund 15 Zentimeter langen Bändern. Sie hat weißes Brustgefieder mit hellbraunen Punkten, das Gefieder an Unterseite und den Beinen ist ebenfalls weiß, das Rückengefieder dagegen rotbraun gezeichnet, die Schwanzfedern sind einfarbig rostrot.

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