Wer saß hinter dem Steuer?

Bad Homburg (sma). Zwei Schwestern aus Bad Homburg sehen sich zum Verwechseln ähnlich und haben damit bei der Polizei und der Justiz für einiges Rätselraten gesorgt. Eine von ihnen ist letztes Jahr von der Polizei hinterm Steuer erwischt worden - aber welche? Einen Führerschein hatten beide nicht mehr.

Am Ende der Verhandlung im Bad Homburger Amtsgericht war die Antwort dann aber doch eindeutig: Die 26 Jahre alte Schwester war es gewesen. Dafür sprächen alle Indizien, so der Strafrichter, der die Frau wegen Fahrens ohne Führerschein zu einer Geldstrafe von 1200 Euro (120 Tagessätze à 10 Euro) verurteilte, zudem brummte er ihr noch eine einjährige Sperre für den Führerschein auf. Der Amtsanwalt hatte eine ähnliche Strafe gefordert.

Es ist nicht die erste Sperrfrist für die Frau, die letzte war nun wenige Tage vor der nun angeklagten Tat im Herbst 2020 abgelaufen. »Vielleicht hätte sie damals gute Chancen zur Wiedererteilung der Fahrerlaubnis gehabt«, mutmaßte der Richter. Doch so weit war es noch nicht gewesen, als sie sich am 19. Oktober hinters Steuer des Wagens ihres Chefs gesetzt hatte und zu ihrem Pech mitten in der Nacht ganz in der Nähe ihrer Wohnung in eine Verkehrskontrolle geraten war. Personalausweis und Führerschein könne sie nicht vorzeigen, beides sei ihr gestohlen worden, behauptete sie gegenüber den Polizisten. Zudem gab sie sich als ihre Schwester aus und dachte wohl, damit das Problem gelöst zu haben. Doch bei einer kurzen Recherche der Polizisten stellte sich heraus: Auch die Schwester hatte keinen Führerschein mehr. Und so durfte die Frau nicht weiterfahren, die Beamten leiteten ein Ermittlungsverfahren wegen Fahrens ohne Führerschein auf den Namen der Schwester ein.

Rechtsanwalt: »Sie war es nicht«

Etwa zwei Wochen später meldete sich die nun Angeklagte bei der Polizei und gab die falsche Personalie zu. Nun in dem Prozess konnte davon jedoch wieder keine Rede mehr sein. »Sie war es nicht«, meinte ihr Rechtsanwalt nur kurz und bündig, nachdem die Anklage verlesen war. Fragen beantworte seine Mandantin nicht. Auch die Schwester war mit einem Rechtsanwalt zum Prozess gekommen, verweigerte aber ebenfalls die Aussage. »Das ist echt schwer«, meinte der Richter bei dem Versuch, Unterschiede zwischen den beiden zu erkennen. Die Frauen hatten die Ähnlichkeit noch unterstrichen, indem sie beide ganz in Schwarz gekleidet waren, die Haare gleich frisiert hatten und die gleiche Brille trugen.

Doch letztlich gab es etliche Indizien, die Amtsanwalt und Richter zur Überzeugung brachten, die richtige Schwester auf der Anklagebank zu haben. So hatte die Fahrerin damals der Polizei Details aus dem Leben der nun Angeklagten erzählt. Und sie war im Auto des Chefs der 26-Jährigen unterwegs gewesen und hatte die Polizeibeamten gebeten, das Auto vor ihrem Haus einzuparken. Und ganz wesensfremd sind ihr führerscheinlose Fahrten auch nicht, wie ein Blick ins Vorstrafenregister zeigte. Schon zweimal war sie dabei erwischt worden, hinzukamen Verurteilungen wegen Alkohols am Steuer.

»Es kann aber auch alles ganz anders gewesen sein«, monierte der Rechtsanwalt der angeklagten Schwester und verlangte einen Freispruch. Er war in der Verhandlung mit seinem aggressiven Ton aufgefallen, am Ende bei der Urteilsbegründung tippte er sich auch noch gegen den Kopf - und kassierte dafür eine entsprechende Erwähnung im Gerichtsprotokoll.

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