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Wer war der wahre Planer?

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Blick in den Keller des Prinzenpalais, der noch vom alten Hattsteiner Hof stammt. © Red

Im ersten Teil des Beitrags zur Geschichte des Usinger Prinzenpalais wurden die Anfänge bis zum Auszug der Prinzenfamilie ins Biebricher Schloss, wo der Prinz einst aufgewachsen war, beleuchtet. Die Frage nach dem Baumeister, der den Umbau des Palais geplant hat, wird in diesem Artikel beleuchtet.

Usingen. Die Ortshistoriker sehen in Johann Wilhelm Faber den künstlerischen Urheber des Usinger Prinzenpalais, wie wir es heute kennen. Faber gilt als Schüler Friedrich Joachim Stengels, der von Fürstin Charlotte Amalie nach Usingen geholt wurde, zahlreiche Bauprojekte umsetzte und zum nassauischen Generalbaumeister aufstieg.

Nach der Teilung der Herrschaft unter den Söhnen Karl und Wilhelm Heinrich war Stengel vorwiegend an der Seite des Letzteren in Saarbrücken tätig. Er leite bis 1775 das Bauwesen über Nassau-Saarbrücken hinaus. Faber war an einigen Projekten in untergeordneter Stellung tätig und ist eher als Bauleiter denn als großer Entwerfer nachzuweisen. In Usingen hat er kaum Spuren hinterlassen. Auch das Schloss hat er, wie immer wieder zu lesen ist, nicht erweitert und umgebaut. Auch hier war Stengel der Architekt.

Stengel hat das sogenannte Kavaliershaus, das heutige Heimatmuseum, gestalterisch überarbeitet sowie das gesamte Quartier um das Prinzenpalais neu geplant. Eindeutig hat er auch das dem Prinzenpalais benachbarte alte Amtshaus entworfen, sodass davon ausgegangen werden kann, dass Faber im Falle des Palais einen wesentlich von Stengel geprägten Entwurf umsetzte.

Immer wieder Besitzerwechsel

Bereits zur Zeit als Friedrich August und seine Familie noch in Usingen wohnten, hatte Stengel mit Christian Jacob Graf stadteinwärts einen bürgerlichen Nachbarn. Der in Biebrich geborene Graf übernahm das Palais, wirkte dort als Thurn und Taxischer Posthalter sowie als Wirt »Zum Nassauer Hof« und Weinhändler.

Über seine Tochter Amalie Christiane kam es an deren Mann, Christian Andreas Eckher, der ebenfalls als Posthalter das Haus mit Garten übernahm. Durch Erbschaft ging es an Ida Eckher sowie Gustav und Mathilde Lex zu Wiesbaden. Für die Lex’sche Zeit wird der Abbruch einer Scheune mit Stallungen sowie der Neubau eines Pferdestalls mit Kutscherkammer, Geschirrkammer und Futterremise im Jahr 1890 genannt. Aber bereits für das Jahr 1888 ist die Übertragung des Anwesens an den Kommunalverband des Kreises Usingen dokumentiert.

Schauplatz einer »Vor-Revolution«

Das benachbarte Amtshaus war bereits 1733 von Stengel für den Leibarzt des Fürsten Daniel Wilhelm Triller gebaut worden, der mit Familie 1744 die Residenzstadt verließ. Danach wurde das Gebäude bis zur Auflösung der Ämter und der Einrichtung des Landkreises Usingen als Amtshaus mit Dienstwohnung für den Amtmann genutzt.

Dort erblickte der nassauische liberale Politiker und Ministerpräsident der nassauischen Märzregierung, August Hergenhahn, als Sohn des Amtmanns Johann Salomon Hergenhahn das Licht der Welt. Zur Zeit seiner Nutzung als Gasthaus »Zur Post« beziehungsweise »Nassauer Hof« wurde das Prinzenpalais Schauplatz eines vorrevolutionären Ereignisses, als Radikalliberale 1814 dort den »Usinger Verein« gründeten. Unter anderem waren Wilhelm und Ludwig Snell aus Idstein, Friedrich Ludwig Weidig aus Butzbach, Carl Theodor Welker sowie der Rod am Berger Pfarrer Dombois Teilnehmer. Sie strebten einen deutschen Nationalstaat unter Führung Preußens an, was über 50 Jahre später auch so kommen sollte.

1866 wurde das Herzogtum Nassau durch Preußen annektiert. Die Ämter bestanden zunächst fort, wurden 1886 endgültig aufgelöst und im Zuge der Kreisordnung für die Provinz Hessen-Nassau der Landkreis Usingen mit Dr. August Beckmann als erstem Landrat des Kreises erstmals eingerichtet. Die Kreisverwaltung verblieb im Amtshaus, wo Beckmann auch zunächst wohnte. Doch bald schon erwarb der Kreis das Prinzenpalais, und der Landrat zog dort ein.

Wie dies ablief und wie es mit dem alten Prinzenpalais weiterging, wird im dritten Teil der Serie verfolgt.

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Heute noch ein allerdings sanierungsbedürftiges Schmuckstück. Das Balkongitter mit Rocaillen aus der Zeit des Prinzen Friedrich August. © Red

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