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Winter auf dem Langwiesenhof

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ualoka_allendorfer1_kh_2_4c © Andreas Romahn

Wehrheim. Winter, Advent und Weihnachten auf dem Langwiesenhof in Wehrheim. Das Leben auf dem Bio-Hof mit ökologischem Landbau, Rindermast und Freiland-Hühnerhaltung, den der UA ein Jahr lang begleitet, verläuft zum Jahreswechsel in gemächlicher Ruhe. Die Wintersaat wächst unter der Erde. Die Grasfelder ruhen und die meisten Maschinen des Familienbetriebes stehen winterfest in Schuppen und Lagerhalle.

Dennoch ist Familie Allendörfer keineswegs untätig: Im Hofladen herrscht Hochbetrieb. Der Dezember mit dem Advents- und Weihnachtsgeschäft ist der umsatzstärkste Monat im Jahr. Außerdem warten die Tiere im Stall auf ihr Futter.

Eine Tonne Silage, Kleegras- oder Wiesenschnitt fressen die rund 70 Langwiesenhof-Rinder pro Tag. Jeden zweiten Tag befüllt Tobias Allendörfer daher den 20 Jahre alten Futtermischwagen. Mit dem Hub-Lader wird die seit Juni auf dem Hof liegende, luftdicht abgedeckte Silage in den Futtermischer gefüllt, in dem mehrere Schnecken das Grünfutter schneiden und mischen. Mit einer eingebauten Waage dosiert Allendörfer die Futtermenge im Kübel. Für zwei Tage werden zehn Kubikmeter bzw. zwei Tonnen trockener Silage eingefüllt. An besonderen Tagen mischt der Landwirt das Schrot von Triticale-Getreide unter. Das Schrot ist für die Rinder ein echtes Leckerli und muss untergemischt werden, damit am Ende alles aufgegessen wird.

Im Stall erfolgt die Fütterung nach klar geregeltem Ablauf: Die 70 Färsen im Alter von einem dreiviertel bis zweieinhalb Jahren stehen in verschiedenen Boxen, sodass Füttern und Strohwechseln von einer Person ausgeführt werden kann. Mit dem Hublader wird das Stroh in die Boxen geschüttet, wo es die Rinder begeistert empfangen und selbst durch Scharren und Springen verteilen, damit es im »Zimmer« gemütlich wird. Die Boxen sind aufgeteilt in abtrennbare Fress- und Liegebereiche. So steht beim Füttern und Strohverteilen viel Platz zur Verfügung, herrscht wenig Stress und kehrt schnell wieder Ruhe ein. Die Voll-Versorgung alle zwei Tage dauert in der Regel zwei Stunden, während am folgenden Tag zehn Minuten ausreichen, um den Stall in Ordnung zu halten. Wenn bei offener Stalltür das Blöken der Färsen immer lauter wird, dann hören sie den Futtermischwagen und freuen sich auf die anstehende Mahlzeit.

Frisches Wasser aus Wehrheim

Der Austrag des vermengten Futters erfolgt über hydraulische Schieber. So muss der Futtermischwagen nur einmal durch den Stall fahren, um gleichmäßig an beiden Seiten auszustreuen. Weil die Tiere über vier Mägen verfügen, die arbeiten wollen, muss in der Nahrung Struktur bleiben, der Grünschnitt darf nicht zu fein gehäckselt sein.

Die Allendörfer-Rinder dürfen sich darüber hinaus über frisches Wehrheimer Trinkwasser freuen. Denn der hofeigene Brunnen speist die Tränken im Stall. Hier herrscht Selbstbedienung: Entweder trinken die Kühe aus einer 200 Liter fassenden Wanne mit Schwimmer-Tränke, in die das Wasser automatisch nachläuft oder sie nutzen die elektrisch beheizbare Zirkulationstränke. Hier kann das Wasser nicht einfrieren, und es genügt ein Stupser mit dem Maul, um den Durst zu löschen. ,

Reger Betrieb vor dem Hofladen

Auf dem Langwiesenhof stehen die Färsen im Kaltstall. Dieser hat quer zur Hauptwindrichtung an den Längsseiten offene Flächen, um Querlüftung zu bieten, was den robusten Rindern mit Winterfell nichts ausmacht. »Die Kuh mag lieber minus fünf Grad statt 30 Grad Plus«, sagt Tobias Allendörfer.

Im Dezember wurden wöchentlich eins bis zwei Tiere in Wölfersheim geschlachtet, sodass Freitagnachmittag reger Betrieb vor dem Hofladen herrschte. Seit 2019 erlebte die Direktvermarktung bei Allendörfer einen Aufschwung und blieb auch in den beiden Corona-Jahren zuletzt gleichbleibend hoch. Open-Air vor dem Laden, in der Regel vorbestellt zum Mitnehmen, erledigt Claudia Allendörfer mit ihrem Team den Weihnachtsverkauf unter Einhaltung aller Corona-Regeln. Am Freitag vor dem dritten Advent freute sich die Wehrheimerin Sabine Büsen etwa über Rindswürstchen für Heiligabend, wenn ihre Kinder aus Bayern zu Besuch sein werden. Peter Schroth ist seit 40 Jahren Anhänger von Bio-Fleisch und kaufte Rinderfilet für die Feiertage ein. »Im Hofladen gibt es nur Fleisch von unseren eigenen Tieren«, erklärt Claudia Allendörfer. Nur durch Vorbestellung ließ sich vermeiden, dass das zu Weihnachten gewünschte Fleisch ausverkauft sein könnte. 2021 waren die Filets frühzeitig vergriffen und hatten die Kunden »nur« noch Auswahl an Steaks und Rouladen. Der Kundenkreis auf dem Langwiesenhof reicht inzwischen über das Usinger Land hinaus in den Vordertaunus und bis ins Rhein-Main-Gebiet.

Bevor das Weihnachtsessen auf dem Tisch steht, wird Tobias Allendörfer an Heiligabend einmal in den Stall gehen und seine Rinder füttern. Und vielleicht ist als Bescherung zum Festtag wieder etwas Schrot als Leckerli dabei.

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ualoka_allendorfer2_kh_2_4c © Andreas Romahn

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