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Thomas Guckes hat historische Grenzsteine, die lose herumlagen, eingesammelt und an seinem Grundstück einbetoniert.

Historische Steine

Zeitzeugen im Waldboden: So rettet ein Riedelbacher alte Grenzsteine

Der 62-jährige Riedelbacher Thomas Guckes hat ein ganz besonderes Hobby: Er rettet alte Grenzsteine. Damit angefangen hat er bereits vor 25 Jahren.

Riedelbach . Fünf historische Grenzsteine hat Thomas Guckes entlang der Straße Am Lindenbaum in Riedelbach an seiner Grundstücksgrenze einbetoniert. Das sind noch nicht alle, denn er hat noch einige mehr eingesammelt. Die ersten drei habe er vor etwa 25 Jahren gefunden, sagt der 62-Jährige. Und seit etwa 15 Jahren, seit er regelmäßig im Wald Holz macht, sind noch mehr hinzugekommen.

Damals habe er vom Amt für Bodenmanagement die Adresse der Obleute für Grenzsteine in Grävenwiesbach und Idstein bekommen. Und diese hätten keine Einwände erhoben, dass er lose herumliegende Grenzsteine einsammle, diese dokumentiere und mit nach Hause nehme. Dabei ließ es Guckes nicht bewenden: Anhand von alten Karten versuchte er herauszufinden, an welchen Grenzen diese Grenzsteine einst aufgestellt wurden. Da kam ihm das Glück zu Hilfe. Denn Wilfried Butz aus Riedelbach war auf einem Flohmarkt fündig geworden und hatte eine »Karte über die Gemeinde- und Domanial-Waldungen in der Gemarkung Riedelbach, aufgenommen im Jahr 1843 von dem Geom: Groll zu Idstein, gezeichnet unter dessen Leitung durch H. Roth« gekauft. Diese Karte war beim Forst wohl lange im Einsatz, denn sie weist Eintragungen bis ins 20. Jahrhundert auf: »Berichtigt auf Grund der neuen Betriebseinrichtung im Jahr 1879 durch Bezirksgeometer Leicher zu Naunstadt« und nochmals berichtigt 1900 und 1951. Mithilfe von Fotograf Karl-Heinz Schiffer montierte Guckes diese Karte auf einen Rahmen, um sie vorsichtig glattzuziehen. Dann konnte Schiffer in Aktion treten und fotografierte sie professionell. Und jetzt hat Guckes eine Replik zu den Grenzsteinen als Erläuterungstafel gestellt. Aus dem Archiv des Geschichtsvereins Weilrod hat Erwin Buhlmann Guckes dazu ein Aufmaßbuch von Grenzsteinen von 1844 zur Verfügung stellen können. Und die in der Karte dargestellten Maße passen zu denen aus dem Aufmaßbuch. »Ein halber Schuh, womit gemessen wurde«, dieses Grundlagenmaß ist in dem Buch abgebildet.

Bevor Guckes das Buch fand, verzweifelte er fast an den Maßen in der Karte. Die von ihm gefunden Grenzsteine hat er in einer Tabelle aufgeführt, in der er Fundort mit Koordinaten, Material, Beschriftung, soweit leserlich, und Fotos der historischen Grenzmarkierungen auflistet. Die Buchstaben »NU« stehen dabei für Nassau-Usingen, »A · C« und darunter »C · M« für Amt Camberg, Camberger Mark. Und Graf von Walderdorff hatte seinen Wald mit Grenzsteinen markiert, die mit »GVW« beschriftet waren.

Manche weisen nur Zahlen auf, meist unterschiedliche auf beiden Seiten. Ein Zeichen aber lässt Guckes keine Ruhe: ein spiegelverkehrtes »N«. Meist hätten solche Zeichen eine Doppelbedeutung. Aber mehr habe er nicht herausfinden können.

»Ich will die Steine als historisches Erbe bewahren«, betont der Riedelbacher. Denn im Wald würden die Waldarbeiter sie von ihren Maschinen aus oft gar nicht wahrnehmen können und darüberfahren. »Viele sind auch schon untergeackert und verschoben worden«, bedauert Guckes. Darum möchte er den Grenzsteinen, die er eingesammelt hat, ein neues »Heim« geben, das öffentlich zugänglich ist. Möglichst in der Nähe der Karte an seinem Grundstück, damit sich Interessierte über die ehemalige Lage informieren können.

Sabine Neugebauer

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