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„Funktioniert alles nicht“: Insider nennt Zustände in russischer Armee „miserabel“

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Von: Tobias Utz

Schlechte Moral, schwere Verluste und mangelhafte Ausrüstung: Um die russische Armee steht es laut eines Militärinsiders nicht gut.

Kiew/Moskau – Russland offenbart im Ukraine-Krieg abermals militärische Defizite. Nachdem bereits im März bekannt wurde, wie amateurhaft Teile der Truppen organisiert und ausgestattet kämpfen, zeigt der neueste Bericht eines mutmaßlichen Insiders, wie schlecht es um die Soldaten steht.

Kürzlich, am 100. Tag des Ukraine-Kriegs, war Zeit, um eine Zwischenbilanz zu ziehen: Diese fiel aus mehreren Perspektiven schlecht für Russland aus. Die Armee musste bereits schwere Verluste hinnehmen, die Ziele der Invasion wurden bislang nicht erreicht und im Kreml dominiert offenbar Realitätsferne. Das spiegelt sich auch im angesprochenen Augenzeugenbericht wider.

News zum Ukraine-Krieg: Schwere Verluste für Russland

Der US-Thinktank „Institute for the Study of War“ (ISW), greift in der neuesten Analyse den Bericht des Insiders auf. Er berichtet unter dem Pseudonym „Boytsovyi Kot Murz“. Ihm zufolge ist insbesondere die medizinische Versorgung „miserabel“. Es fehle an Ausrüstung und Feldlazaretten. „Boytsovyi Kot Murz“ veröffentlichte am Freitag (3. Juni) selbst eine Bestandsaufnahme dazu, darin heißt es: „Unser Standard-Verbandskasten enthält weder ein Drehkreuz noch einen vollwertigen modernen blutstillenden Verband – Dinge, die die Behandlung von Wunden erleichtern und vereinfachen können.“

In den vergangenen Kriegswochen wurde zudem bekannt, dass es den russischen Streitkräften an Kommunikationsmöglichkeiten mangelt. Mehrere Geheimdienste hörten in diesem Zusammenhang Funksprüche und Telefonate ab. Auch darin war immer wieder zu vernehmen, wie mangelhaft die Ausrüstung sei. Die fehlende Kommunikation mit den Kommandozentralen sei eines der größten Probleme, heißt es auch in der ISW-Analyse.

Ukraine-Krieg
Dieses von der russischen Staatsagentur Tass verbreitete Bild zeigt eine Kolonne von Armee-Fahrzeugen, von denen eines ein großes weißes Z aufgemalt bekommen hat, die durch die Stadt im nördlichen Teil der von Russland annektierten ukrainischen Halbinsel Krim fahren. (Archivfoto) © Sergei Malgavko / Tass / dpa

News zum Ukraine-Krieg: Schlechte Versorgung der russischen Armee

Die Informationen des Militärinsiders und des ISW decken sich weitestgehend mit dem Ergebnis einer Studie des „Center for Strategic & International Studies“ (CSIS). Insbesondere die logistischen Mängel werden darin als Grund für den schleppenden Verlauf von Russlands Invasion im Ukraine-Konflikt genannt. Sprit, Munition und Ersatzteile seien vielfach nicht vorhanden. Als Beispiel für die gescheiterte Strategie nennen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den Sturm auf die ukrainische Hauptstadt Kiew Anfang März. Der ukrainische Generalstab bezeichnete die Aktion als „Phase eins“ des Ukraine-Kriegs. Anschließend folgte mit der lahmenden Offensive im Donbass „Phase zwei“. In der derzeitigen „Phase drei“ sollen die russischen Soldaten nun bereits eroberte Gebiete primär verteidigen.

Der angesprochene Großangriff auf Kiew scheiterte laut der „CSIS“-Studie maßgeblich an der Versorgung. Zahlreiche Einheiten erreichten Kiew zwar relativ schnell, – innerhalb von 48 Stunden –, blieben vor Ort jedoch weitestgehend isoliert, da der Nachschub fehlte: materiell und personell.

News zum Ukraine-Krieg: Hat die russische Armee aus den Fehlern gelernt?

Zwar habe man in der russischen Armee aus den Fehlern gelernt, resümieren die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Dennoch kommt es offenbar weiterhin zu ähnlichen Situationen im Ukraine-Krieg. In der ISW-Analyse wird die Lage um Isjum als Beispiel angeführt. Dort seien die Kommandeure nicht auf die Kämpfe vorbereitet gewesen. Insbesondere das Gelände, vornehmlich im Wald, bereite den Streitkräften Probleme, heißt es. Wladimir Putin fand in mehreren Kommandeuren seiner Armee bereits Sündenböcke für den fehlenden Fortschritt im Ukraine-Krieg.

Hinweis der Redaktion

Die Konfliktparteien sind teilweise Quelle der Informationen. Angaben zu Opferzahlen oder dem Kriegsverlauf können nicht unmittelbar unabhängig geprüft werden.

Der Militär-Insider spricht in seiner Bestandsaufnahme unter anderem auch von der schlechten Moral unter den russischen Truppen. Im Heer gebe es „Blutsauger“, die nicht einsatzfähig seien. „Das funktioniert alles nicht“, resümiert er. Immer wieder gibt es Berichte über die schlechte Moral der russischen Soldaten. (tu)

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