188 Fußball-Tiger unter einem Dach

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KREIS BÜDINGEN - Kreis Büdingen. Die Verantwortlichen der Jugendspielgemeinschaft (JSG) Düdelsheim/Aulendiebach/Wolf und der JSG Hardeck machen seit vergangenen Sommer gemeinsame Sache. 188 Nachwuchsfußballer kicken nun unter einem Spielgemeinschaftsdach - und nennen sich JSG Seemenbach Tigers. Gesamtjugendleiter Holger Naumann erklärt im Gespräch mit dieser Zeitung, wie es zur Fusion kam und was hinter dem gewählten Namen steckt.

Zudem spricht der 44-jährige Sparkassenbetriebswirt aus Dudenrod über die Ziele der Tigers.

Was steckt hinter dem Namen JSG Seemenbach Tigers? Zur Saison 2020/2021 fusionierten die JSG Hardeck und die JSG Düdelsheim/Aulendiebach/Wolf zur Jugendspielgemeinschaft Seemenbach Tigers. Der neuen JSG gehören mit dem KSV Aulendiebach, SV Büches, SV Phönix Düdelsheim, 1. FC Lorbach, SV Rohrbach und FSV Wolf sechs Stammvereine an. 188 aktive Mädchen und Jungen spielen unter dem neuen Spielgemeinschaftsdach, bilden 13 Mannschaften im G- bis B-Juniorenbereich. "Insgesamt 20 Trainer kümmern sich um die Nachwuchsspieler, die auf insgesamt sieben Plätzen trainieren dürfen", erklärt Naumann, der als Gesamtjugendleiter und Koordinator den Hut aufhat.

Wieso kam es zu dieser Fusion? "Diese Fusion ist wegen eines Spielermangels bei der B-Jugend zustande gekommen. Dann kam der Gedanke auf, dass die Personaldecke in den kommenden Jahren nicht üppiger wird und wir uns in allen Altersklassen zusammenschließen sollten. Im Frühjahr, während des ersten Lockdowns, hatten wir viel Zeit, uns mit diesem Thema zu befassen. Mit Heiko Schneider, dem sehr engagierten und federführenden Gesprächspartner der JSG Hardeck, waren wir uns relativ schnell einig", sagt Naumann.

Wie kam es zu diesem Namen? "Wir haben lange überlegt und eine Art Ideenwettbewerb gestartet. Ziel war es, einen neutralen Namen ohne Vereinszugehörigkeit zu finden, weil wir nicht jeden der sechs Clubs im Namen abbilden konnten", berichtet Naumann von den nicht ganz einfachen Anfängen und ergänzt: "Uns fehlte zum Beispiel die Burg Hardeck, die der JSG Hardeck den Namen gab." Irgendwann stellte ein Beteiligter fest, dass der Seemenbach durch alle Orte - oder zumindest an ihnen vorbei - fließt. "Und hinter den Seemenbach stellten wir Jugendleiter die Tigers, weil wir ein bisschen innovativ sein und neue Wege gehen wollten", betont Naumann, auf dessen Schreibtisch auch Vorschläge wie "Wilde Kerle e.V." lagen.

Wie fällt das Zwischenfazit nach einem halben Jahr der Zusammenarbeit aus? Die Tigers nahmen wegen Corona nur zwei Monate am aktiven Spielbetrieb teil, in dieser Zeit lief aber schon vieles rund. "Obwohl wir die Mannschaften nicht mit aller Gewalt in allen Altersklassen zusammenführen wollten, haben sich schnell Synergien ergeben. Alle Mannschaften sind mittlerweile bunt gemischt", so der Gesamtjugendleiter. Das habe den Vorteil, dass man ab der C-Jugend abwärts eine stärkere und mindestens eine vermeintlich schwächere Mannschaft stellen könne. "So können wir auch den ambitionierteren Spielern, die sonst eventuell nach Erlensee oder Oberau abwandern würden, etwas anbieten."

Der sportliche Erfolg stimmt jedenfalls: Die D-Junioren gewannen alle Qualifikationsspiele zur Kreisliga und stehen im Kreispokalendspiel. Die C- und E-Junioren wollen das Finalticket nach der Coronapause lösen. Die D1-Mannschaft sei auch ein gutes Beispiel für das Zusammenwachsen der neuen JSG. "Von 14 Spielern sind jeweils genau sieben aus den beiden alten fusionierten Spielgemeinschaften", so Naumann.

Wo soll der Weg der Tigers hinführen? Ziel ist es, die Kräfte zu bündeln und sowohl leistungsorientierten Kindern als auch den breitensportorientierten Kindern vor Ort Möglichkeiten zu bieten. "Langfristig geht es sicherlich auch darum, die Vereine am Leben zu erhalten und die Jugend an die Senioren heranzuführen. Natürlich wäre es toll, wenn wir in absehbarer Zeit alle Altersklassen besetzen könnten. Aktuell haben wir circa 30 C-Jugendliche. Die Erfahrung zeigt aber, dass bis zum A-Jugendbereich mehr als die Hälfte der Spieler abspringt", weiß Naumann.

Sollte ein Tigers-Team den Aufstieg in die Gruppenliga realisieren können, würde der Gesamtjugendleiter das Abenteuer wagen - wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

Er betont aber auch: "Wir wollen kein Verein sein, der rein erfolgsorientiert agiert und andere Spieler abwirbt. Die zweite oder dritte Mannschaft genießt die gleiche Priorität wie die erste Mannschaft. Wir wollen für jedes Team einen guten Trainer stellen."

Was passiert abseits des Sportplatzes? Abseits des Platzes habe es zuletzt ganz viele Ideen gegeben. Corona habe allerdings alles blockiert. Was funktioniert: Der Verein präsentiert sich auf Facebook und Instagram. "Wenn der Ball wieder rollen sollte, würden wir gerne größere Turniere im Sommer oder Winter - eventuell mit ambitionierten Vereinen - ausrichten. In diesem Bereich ist in unserer Region zuletzt wenig passiert. Mit sechs Vereinen in der Jugendspielgemeinschaft haben wir natürlich viel mehr helfende Hände, um solche großen Sachen angehen zu können", verrät Naumann.

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