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Tim Talhoff ist neuer zweiter Geschäftsführer beim EC Bad Nauheim. Schon von 2016 bis 2020 hatte der 27-Jährige für den Eishockey-Zweitligisten gearbeitet.

»Als sei ich zurück aus dem Urlaub«

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Bad Nauheim (mn). Neues Jahr - alte Wirkungsstätte - neue Herausforderung! Tim Talhoff ist seit 1. Januar 2022 neben Andreas Ortwein Geschäftsführer beim EC Bad Nauheim. Der nach Jahren jüngste arbeitet mit dem dienstältesten GmbH-Chef der Deutschen Eishockey-Liga 2 damit Hand in Hand.

»Ein bisschen hat es sich angefühlt, als sei ich aus einem zweiwöchigen Urlaub zurückgekommen. Viele Gesichter und Prozesse sind vertraut«, beschreibt der 27-Jährige seine ersten Eindrücke nach seiner Rückkehr in die Wetterau. Von August 2016 bis Januar 2020 hat der gebürtige Gießener - damals begleitend zu einem Sport- und Eventmanagement-Studium am Bodensee-Campus - für die Roten Teufel gearbeitet; unter anderem als Assistenz der Geschäftsführung und als Geschäftsstellenleiter.

Über Freiburg, wo Talhoff fünfeinhalb Monate für den konkurrierenden Zweitligisten als kaufmännischer Geschäftsführer tätig war, und München, wo er für die PDC Europe (Umsatz sieben Millionen Euro) die Einnahmenseite der Eventplanung und -Steuerung verantwortete, ist er nun in seine mittelhessische Heimat zurückkehrt.

Tim Talhoff, was führt Sie zurück, nun in gehobener Position als zweiter Geschäftsführer?

Ich habe während der vergangenen beiden Jahre sicherlich zu schätzen gelernt, was ich an Bad Nauheim hatte, wie wohl ich mich gefühlt habe. Der Kontakt zu den Verantwortlichen ist nie abgebrochen, und ich freue mich, dass ich nun das Vertrauen der Gesellschaft geschenkt bekomme. Die knapp zwei Jahre Abstinenz waren für meine persönliche Entwicklung dennoch sehr wichtig. In dieser Zeit durfte ich zwei spannende berufliche Standorte kennenlernen, konnte mein Wissen erweitern, sehr viel lernen, vor allem aber auch andere Perspektiven kennenlernen.

Was hat sich während der vergangenen beiden Jahre in Bad Nauheim verändert?

Aus der Ferne betrachtet hat sich die Darstellung des Klubs zum Positiven hin verändert. Außerdem spüre ich eine gewisse Aufbruchstimmung, was sicher auch an der guten und erfolgreichen Performance der Mannschaft liegt. Der Kreis der Gesellschafter entwickelt sich positiv, von den Werbepartnern kommt viel Zuspruch. Alles scheint in die richtigen Bahnen zu laufen.

Sie haben Bad Nauheim damals als Geschäftsstellenleiter hinter Andreas Ortwein verlassen. Nun stehen Sie auf einer Stufe mit ihm. Wie wird die Zusammenarbeit aussehen?

Ich übernehme zunächst den Bereich Personal-Management, die Einnahmenseite, also das Catering, Ticketing und Sponsoring. Dag Heydecker kümmert sich um Marketing und die Öffentlichkeitsarbeit, und Andreas Ortwein um das Sportliche mit den Trainern. Um den Bereich Buchhaltung/Finanzen kümmern wir uns in einer Übergangszeit gemeinsam, werden auch gemeinsam das Budget für 2022/23 aufstellen. Zur kommenden Saison wird das operative Geschäft in meine Hände übergehen, wird sich Andreas Ortwein dann dem Stadion-Thema widmen und mir mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Wo wollen Sie nun ansetzen? Was steht in Ihrer Prioritätenliste oben?

Wir müssen schauen, was die Corona-Pandemie nun noch mit sich bringt. Da stellt sich einerseits die Frage, wie wir unter den Gegebenheiten den Bereich Sponsoring ausbauen können. Andererseits brauchen wir dann auch wieder Zuschauer im Stadion, müssen überzeugen. Wir werden sicher nicht gleich wieder von einem Schnitt von 2300 bis 2500 Fans ausgehen können und müssen mit den Ausgaben entsprechend sorgsam umgehen, um wieder ein ordentliches Budget aufstellen zu können.

Mit Dag Heydecker haben Sie einen Mann mit mehr als zwei Jahrzehnten Erfahrung in der Fußball-Bundesliga und der Deutschen Eishockey-Liga unter sich. Vom Alter her könnten Sie sein Sohn sein. Wir werden Sie mit dieser Konstellation umgehen?

Ich bin extrem dankbar dafür, dass wir einen erfahrenen Mann wie Dag Heydecker bei uns haben - und ich werde auch unheimlich viel von ihm lernen können. Wir hatten sehr gute Gespräche und werden uns auf Augenhöhe begegnen. Letztlich haben wir doch alle das gleiche Ziel; den EC Bad Nauheim nach vorne zu bringen.

2019 - Sie waren damals noch in Bad Nauheim - ist das Thema Stadion wieder in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt worden. Seit dem vergangenen Sommer ist es - sicherlich auch den Herausforderungen der Pandemie geschuldet - sehr ruhig geworden. Wie ist der Stand der Dinge?

Andreas Ortwein ist da weiterhin sehr aktiv, eben im Hintergrund. Dass die Pandemie dem Thema nicht förderlich ist, ist klar. 2022 wird ein entscheidendes Jahr werden. Wir alle kennen das Colonel-Knight-Stadion mit seinen Tücken, was uns zugleich die Möglichkeit gibt, das Thema weiter zu forcieren. Wir müssen prüfen, was zeitgemäß ist, wo wir weitere Erlöse schaffen können, denn die anderen Klubs schlafen nicht.

Der Zeitpunkt, als Geschäftsführer in einer Zeit der Geisterspiele in einer Profisport-GmbH Verantwortung zu übernehmen, ist aufgrund der Pandemie sicherlich undankbar.

Ich habe einerseits den Vorteil, dass ich hier aus meinen dreieinhalb Jahren mit den Gegebenheiten vertraut bin, jeden kenne und noch alle Kontakte im Handy habe. Durch meine Tätigkeit bei der PDC Europe bin ich zudem mit Corona-Hilfen, mit Antragstellung und -abwicklung vertraut. Die Pandemie bietet zugleich auch Chancen, sich zu hinterfragen, statt immer nur seinen Trott fortzusetzen. Hatten wir den richtigen Umgang mit Werbepartnern und Zuschauern? Was können wir in Zukunft machen, um mit der Pandemie zu leben, Menschen zu begeistern und gleichzeitig nach vorne zu blicken?

Die Mannschaft spielt in dieser Saison sehr erfolgreich. Das Erwartungen sind auch für die Zukunft entsprechend hoch - und das wird ins Geld gehen.

Natürlich. Die Erwartungshaltung ist hoch. Allein schon durch die Auswärtsserie zu Saisonbeginn. Wir stehen auf Rang vier, die Mannschaft zeigt, dass sie kann und will und steckt auch mal Ausfälle von Top-Spielern weg. Dennoch: Vom sportlichen Etat zählen wir zu den kleineren Klubs der Liga. Um eine solche Saison zu spielen, muss alles passen. Natürlich wollen wir anknüpfen und führen intern bereits die Gespräche, wie uns das gelingen kann.

Matthias Baldys hat den Klub im Sommer verlassen, seine Position wurde nicht besetzt. Matthias Mämpel ist nicht mehr für die GmbH tätig, Dirk Schäfer hat aus gesundheitlichen Gründen in der ersten Saisonhälfte nicht zur Verfügung gestanden. Wie wird sich die Geschäftsstelle personell aufstellen?

Die Arbeit ist auf mehrere Schultern verteilt worden und konnte über die Geschäftsstelle kompensiert werden. Aber natürlich müssen wir Wege finden, wie wir das optimaler regeln können. Es gibt da verschiedene Ideen und Überlegungen, die wir nun intern prüfen.

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