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Aufstieg ist für FC Neu-Anspach kein Muss

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Von: Wolfgang Stalter

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Er geht als Torschütze und Motivator beim FC Neu-Anspach voran: Maziar Namavizadeh. © Gerhard Strohmann

Die Bilanz des FC Neu-Anspach als Spitzenreiter der Fußball-Gruppenliga Frankfurt West fällt sehr positiv aus. Kleine Verbesserungswünsche hat Trainer Jörg Loutchan aber dennoch.

Neu-Anspach (wsu). Es ist die Saison des FC Neu-Anspach. Der heimische Fußball-Gruppenligist grüßt zur Jahreswende von der Tabellenspitze. Nach 18 ausgetragenen Meisterschaftsspielen hat der FCNA 43 Pluspunkte mit einem Torverhältnis von 50:24 auf seinem Konto. Der Abstand zum Verfolger Sportfreunde Friedrichsdorf beträgt drei Zähler. Das ist ein überragendes Zwischenergebnis, eine Momentaufnahme, die so niemand erwarten konnte, denn die Sportfreunde aus Friedrichsdorf mit den hochkarätigen Neuzugängen wurden in Fachkreisen vor der Saison als alleiniger Aufstiegskandidat gehandelt. Aber die von Jörg Loutchan trainierte Elf hat gemessen an dem zur Verfügung stehenden Potenzial selbst die eigenen Erwartungen übertroffen.

Vor eigenem Publikum haben die Loutchan-Schützlinge allerdings etwas geschwächelt. Es gab drei Heimniederlagen gegen den FSV Friedrichsdorf (2:4), den SV der Bosnier der Frankfurt (0:1) und die Sportfreunde aus Friedrichsdorf (0:4). Auswärts war der heimische Gruppenligist wesentlich erfolgreicher. In neun Meisterschaftsspielen auf fremden Plätzen ging der FC Neu-Anspach acht Mal als Sieger vom Platz. Nur beim FC Karben musste sich die Elf aus dem Hintertaunus mit einem Unentschieden zufrieden geben.

Rückblickend ist festzustellen, dass sich die vor der Saison verpflichteten Neuzugänge alle als Verstärkungen erwiesen haben. Hier ist besonders der oberligaerfahrene Stürmer Maziar Namavizadeh zu nennen, der in 17 Meisterschaftsspielen schon 15 Tore erzielt hat, keinen Zweikampf scheut und als richtiger Leader auf dem Platz vorangeht. Aber auch Bilal El Makrini (18 Einsätze/7 Tore), Stephan Damm (16/2), Ismael Sy (15/0), Marvin Diehl (9/2) und Nico Kübler (10/1) verdienen nach den bisher gezeigten Leistungen durchaus Erwähnung.

So kann es aus Neu-Anspacher Sicht weiter gehen. Der Aufstieg ist kein Muss, doch kampflos will die Loutchan Elf das Feld in Sachen Tabellenführung nicht räumen. Unsere Zeitung hat beim FCNA-Trainer Loutchan nachgefragt, wie er den bisherigen Saisonverlauf bewertet und welche Ziele für die noch ausstehenden Spiele angestrebt werden.

Was war gut in der Vorrunde?

Das Engagement im Training war im Vergleich zur Vorsaison besser. Die Bereitschaft ,gewisse Vorgaben umzusetzen, war wesentlich höher und in den Spielformen und Trainingsspielen wollte jeder als Sieger hervorgehen. Intensität und Lautstärke waren oftmals so hoch, als gebe es kein Morgen mehr. Diese Einstellung hat uns in den Spielen, wo wir auch mal leiden mussten, sehr geholfen. Nicht zuletzt beim Auswärtssieg in Fechenheim, wo wir zur Halbzeit in Unterzahl 2:3 zurücklagen und das Spiel in der zweiten Hälfte hochverdient noch gedreht haben.

Was war schlecht in der Vorrunde?

Die Spieltage vier und fünf. Zwei Heimniederlagen innerhalb von drei Tagen, wo wir einfach nicht die richtige Einstellung zur jeweiligen Aufgabe gefunden haben. Mit der Disziplin in den Spielen bin ich das ein oder andere Mal auch nicht einverstanden gewesen. Vier Gelb-Rote Karten plus einmal Rot sind zu viel. Hier wurde mir zu viel diskutiert und lamentiert, statt sich auf die nächste Aktion zu fokussieren.

Gibt es Gründe für die eher durchschnittliche Heimbilanz (sechs Siege, drei Niederlagen mit 18 Pluspunkten und einem Torverhältnis von 21:12)?

Nur drei Mannschaften stehen aktuell in ihrer Heimbilanz besser da wie wir. Als durchschnittlich empfinde ich das nicht.

Gibt es konkrete Gründe für das sehr gute Auftreten auf fremden Plätzen (acht Siege, ein Unentschieden mit 25 Pluspunkten und einem Torverhältnis von 29:12)?

Zugegeben, das liest sich ja ganz schön. Aber es gibt in der laufenden Saison mittlerweile genügend Beispiele dafür, dass, wenn du einem Gegner nicht mit dem nötigen Respekt begegnest, dafür bestraft wirst und als Verlierer vom Platz gehst. Dabei ist es unerheblich, ob du zu Hause oder auswärts antrittst. Die Liga ist dieses Jahr so ausgeglichen, dass mangelnde Einstellung fast immer zu mangelndem Erfolg führte und führen wird. Mannschaften nur nach einem Tabellenplatz zu messen, wäre nicht richtig. Auswärts haben wir jedenfalls laut Statistik so gut wie immer die richtige Einstellung gefunden.

Wie sieht es mit der Trainingsmoral aus?

Wie bereits beschrieben. Und doch habe auch ich natürlich an manchen Tagen mit Absagen zu kämpfen, wo du dich dann fragst, wirklich? Das muss man heutzutage akzeptieren oder man hängt den Trainerjob am besten an den Nagel.

Wie sieht es mit dem Teamgeist aus?

Der könnte nach meinem Geschmack in der Tat besser sein. Hier sehe ich noch Potenzial nach oben, was ja aber in unserer Situation doch gut ist.

Gibt es aus Ihrer Sicht Spieler, die positiv oder negativ in Sachen Leistung überrascht haben?

Überrascht hat mich keiner. Aber vor allem die jungen Spieler Naoufal Akil, Niclas van der Straeten und Ricky Coleman nehmen eine in meinen Augen hervorragende Entwicklung. Maziar Namavizadeh ist der Häuptling, der sich für keinen Zweikampf zu schade ist und immer gewinnen möchte. Er ist für uns schwer ersetzbar. Zudem denke ich, dass René Gilles am meisten sein Spiel und Wirken auf dem Platz verändern musste, damit ich das auch gut finde. Auf ihn kann man sich verlassen und er ist ganz klar ein Stabilitätsfaktor in unserem Spiel. Große Hoffnung hege ich bei Lars Guenther, dass er schnell wieder in Tritt kommt. Seine Hinrunde war bis zu seinem verletzungsbedingten Ausfall immer mal wieder von Fehlern geprägt, die man so von ihm nicht kennt, aber leicht erklärbar sind. Schließlich ist er uns in der Vorsaison mit einem Knöchelbruch fast komplett ausgefallen. Dass da gewisse Automatismen nicht funktionieren, ist nur zu normal. Lars ist immens wichtig für die Mannschaft, Kapitän und mein verlängerter Arm auf dem Platz. Kann er wieder einsteigen und wird fit, werden wir noch stärker sein.

Ist eine neue Ausrichtung im Meisterschaftskampf im neuen Jahr vorgesehen?

Nein. Wir werden versuchen, uns genauso wie bisher auf jeden Gegner mit all seinen negativen, aber eben auch positiven Eigenschaften vorzubereiten, um dann die bestmögliche Einstellung am jeweiligen Tag bringen.

Ist der Aufstieg in diesem Jahr ein Muss?

Nein, außer meinen Spielern und mir hat doch sowieso niemand daran geglaubt, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt auch nur den Hauch einer Chance haben, dort zu stehen, wo wir aktuell stehen. Wer da jetzt was anderes sagt, ist nicht so ganz ehrlich.

Sind Neuzugänge in der Winterpause denkbar?

Ich habe ganz gezielt zu zwei, drei Spielern Kontakt aufgenommen, wo ich der Überzeugung bin, dass sie uns als Mannschaft noch mal voranbringen würden. Aber im Winter ist das leider nicht ganz so einfach. Deshalb, denkbar ja, aber ob machbar wird man sehen.

***

Das Gespräch führte unser freier Mitarbeiter Wolfgang Stalter.

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Bislang sieben Mal erfolgreich für den FC Neu-Anspach: Bilal El Makrini (rechts). © Gerhard Strohmann

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